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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Die Stimme der Not hören und handeln“
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03.06.2004 16:12
Podiumsdikussion zur Ausstellung „des einen Kleid, des andern Leid“ Den Schwachen eine Stimme verleihen und den Opfern der Globalisierung zu Recht verhelfen, so lautet das Ziel einer Veranstaltungsreihe um die Aktion „saubere Kleidung“ des Kirchenkreises Siegen, dem Bezirksverband der Ev. Frauenhilfe, dem DGB und Pfarrer Matthias Elsermann vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung. Im Rahmen der Ausstellung „des einen Kleid, des andern Leid“, die schlechte Arbeitsbedingungen für Menschen in sogenannten Billiglohnländern anprangert, fand kürzlich eine Podiumsdiskussion im evangelischen Gemeindehaus Dautenbach statt. Die Podiumsgäste Karin Wieder vom Institut Südwind, Christiane Wilke von der IG Metall, Maren Böhm als Vertreterin von Karstadt-Quelle und Pfarrer Matthias Elsermann führten eine kontroverse Diskussion. Moderiert wurde die Runde von Willi Brase vom DGB, musikalisch begleitet von Hartmut Sperl. In einer Ansprache machte Pfarrerin Annette Kurschus zunächst deutlich, dass es zur christlichen Verantwortung gehöre, sich für eine gerechtere Wirtschaftsordnung einzusetzen. Anhand eines Videofilms am Beispiel Guatemalas konnten die Gäste im Gemeindehaus nachvollziehen: Besonders Frauen leiden unter den unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Toilettengänge nur mit Erlaubnis der Vorgesetzten, sexuelle Übergriffe, Hungerlöhne bei gnadenlosen Arbeitszeiten, die zudem unter gesundheitsschädlichen Bedingungen absolviert werden, sorgen für günstige Lieferantenpreise für westliche Textilkonzerne. Diese Situation erinnere an frühindustrielle Zeiten in Europa, mokierte Christiane Wilke, die gemeinsam mit Matthias Elsermann und Karin Wieder gerechtere Spielregeln auf dem Weltmarkt forderte. Das Problem habe man längst in Angriff genommen, konterte Maren Böhm von Karstadt-Quelle. Der sozialen Verantwortung sei man sich bewusst, deshalb müsse jeder Lieferant einen Verhaltenscodex unterschreiben, der die Regeln nach OECD Richtlinien festlege. Die OECD plant und koordiniert die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung weltweit. Falls es zu mangelhafter Umsetzung komme, liege das an der Unüberschaubarkeit der Subzuliefererschaft im Ausland. Eine New Yorker Firma sei mit der Überprüfung der Standards betraut, so dass es keiner unabhängigen Überprüfung bedürfe. Die jedoch wurde von den Kontrahenten der Diskussionsrunde vehement eingefordert. Darüber hinaus sei es erforderlich, „sauber produzierte“ Ware zu kennzeichnen, um Transparenz für die Kunden zu schaffen. Dies wiederum lehnte Böhm kategorisch ab. Als Marketinginstrument wolle man die Aktion „saubere Kleidung“ keinesfalls einsetzen. Großes Unverständnis erntete sie damit von Matthias Elsermann. Alle Branchen müssten heutzutage zertifizieren, um konkurrenzfähig zu bleiben, erläuterte der Pfarrer, warum nicht auch bezogen auf Produktionsbedingungen? Böhm hingegen betonte, die derzeitig laufenden Maßnahmen betrachte man als vorerst ausreichend: 1200 Lieferanten seien kürzlich auf menschenwürdige Produktionsbedingungen geschult worden mit der Verpflichtung, die Standards an ihre Unterlieferanten weiterzugeben. Bei Nichteinhaltung werde der Abbruch der Geschäftsbeziehungen angedroht. Außerdem sei ein runder Tisch für den Austausch über Verhaltenscodexes in verschiedenen Ländern installiert worden. Die Lösung aber müsse aus den jeweiligen Ländern selbst kommen, für einheitliche Anweisungen seien die Rahmenbedingungen der einzelnen Produktionsregionen zu unterschiedlich. Auch damit gaben sich Wilke, Elsermann und Wieder nicht zufrieden. Existenzsichernde Löhne und nicht wie von Karstadt-Quelle angestrebte Minimallöhne seien zu sichern. Dabei habe man sehr wohl die Konkurrenzsituation im Blick, jedoch könne die allgemeine Anerkennung und Einhaltung der existenzsichernden Standards nur über den Druck der textilbeziehenden Firmen, aber auch der kritischen Konsumenten mit „Politik über den Einkaufskorb“ erlangt werden. Ch.St. Text zum Bild: Gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmern in Billiglohnländern protestierten (links) der evangelische Pfarrer Matthias Elsermann, Karin Wieder vom Institut Südwind (3. von links) und Christiane Wilke von der IG Metall (vierte von links). Willi Brase vom DGB moderierte die Fragen an Maren Böhm (2. von links) von Karstadt- Quelle.

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