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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Globalisierung nicht hilflos ausgeliefert Frauenhilfe informierte sich im Gemeindehaus Dautenbach
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03.06.2004 16:15
Dass gegen die wachsende Globalisierung ein Kraut gewachsen ist und etwas für die unter der Globalisierung leidende Bevölkerung auf der Südhalbkugel getan werden kann, erfuhren jetzt Frauen aus dem Siegerland auf einem Studientag im Gemeindezentrum Dautenbach in Weidenau. Matthias Elsermann, vom Amt für Mission, Ökumene und Weltverantwortung, Regionalstelle Südliches Westfalen, informierte die Frauen vormittags darüber, was Globalisierung ist und welche Auswirkungen durch die Globalisierung entstehen. Globalisierung, so der Philosoph Ulrich Beck, ist die zunehmende Verflechtung des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens auf der Erde. Die einen sehen in ihr große Chancen und Möglichkeiten, die anderen eine noch größere Verarmung und Verelendung. Heute wird der Begriff Globalisierung nur noch als reine wirtschaftliche Entwicklung angesehen, dem die politischen und sozialen Ebenen untergeordnet sind. Moderne Informations- und Kommunikationstechnik sowie moderne Transportmittel stärken diese Entwicklung. Private Wirtschaftsunternehmen setzen sich dafür ein, dass Handelsschranken fallen und Steuer- und Sozialgesetze sowie Umweltschutzauflagen soweit wie möglich entfallen. Neoliberalismus heißt dieses Bestreben nach möglichst grenzenloser Wirtschaftsfreiheit. Bestehende Wirtschaftsregeln benachteiligen jedoch die Menschen in den südlichen Staaten. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. 1970 habe in den USA ein Manager durchschnittlich das 26fache eines Industriearbeiters verdient, 1999 sei es 475mal so viel gewesen. Frauen seien von den negativen Folgen der Globalisierung besonders betroffen. 2/3 der Armen weltweit seien Frauen. Elsermann zeigt auf, wie in der Bibel die Forderung nach Gerechtigkeit und der Umgang mit Armen beschrieben wird. Die Kirchen weltweit haben die Situation erkannt. Auf einer Tagung in den Niederlanden hätten Kirchenvertreter einen Brief an alle Christen und Kirchen Westeuropas formuliert, in dem es heiße: „Kirchen, die an dem ökumenischen Prozess...teilgenommen haben, bekräftigen, dass die Ideologie des Neoliberalismus unvereinbar ist mit der Vision der Oikumene, der Einheit der Kirchen und der ganzen bewohnten Erde... Was hier auf dem Spiel steht, ist die Qualität kirchlicher Gemeinschaft, die Zukunft des Gemeinwohls der Gesellschaft sowie die Glaubwürdigkeit des Bekenntnisses der Kirchen und ihrer Verkündigung Gottes, der mit den Armen und für die Armen da ist.“ Möglichkeiten zu handeln Eine Möglichkeit, Menschen auf der Südhalbkugel Würde und Zukunft zu geben sei, Oikocredit zu unterstützen, referierte Martina Dröttboom vom Frauenreferat der EKvW. Oikocredit verleiht Geld an Menschen, die für die normalen Banken nicht interessant sind. Durch solche Mikrokredite wird armen Menschen geholfen, eine eigene Existenz aufzubauen und ihren Lebensunterhalt zu verbessern. Ausgezahlt werde das Geld überwiegend an Frauen, da sie das Geld investierten und zurück zahlten. Die Erträge kämen den Familien zugute. Helle Koblenzer aus der Kirchengemeinde Ferndorf stellte den Fairen Handel vor. Mittlereile gebe es 700 Weltläden in Deutschland und einige 1000 Aktionsbündnisse ohne feste Läden. Fairer Handel ermögliche für beispielsweise Kaffee- und Kakaobauern eine Preisgestaltung, die nicht nur von der Börse oder dem Weltmarkt abhängig seien. Dadurch seien stabile Preise und eine gerechte Entlohnung möglich. Gestärkt werde das System durch Verbraucherbewusstsein und eine entsprechendes Verbraucherhandeln. Viele Kirchengemeinden nutzten mittlerweile die Angebote der fair gehandelten Waren. Dass Blumen überwiegend nicht aus Holland kommen, sondern aus Kolumbien, Kenia oder Ecuador, ist vielen Verbrauchern nicht bekannt. Elisa Heinrich vom 1-Welt-Forum Siegen-Wittgenstein informierte über die schlimmen Produktionsbedingungen bei der Züchtung der Blumen, Hungerlöhne und Vergiftungen durch Pestizide. Eine weltweite Initiative der Menschenrechtsorganisationen, der Gewerkschaften und des Blumenhandels haben mit dem Flower Label ein Gütesiegel geschaffen, das Betrieben verliehen wird, die umweltschonende Produktions- und humane Arbeitsbedingungen gewährleisten. Die Einhaltungen werden streng kontrolliert. Bei dem Kauf von Blumen sollte nach diesem Gütesiegel gefragt werden. Verbraucher können gestalten Es gehe bei den Aktionen nicht um Boykott, sondern um Gestaltung im Sinne von Menschen, die aufgrund von Armut ausgegrenzt und ausgenutzt würden, betonte Elsermann. In Gesprächen mit bereits tätigen Firmen werde versucht, die Arbeits- und Produktionsbedingungen zu verbessern. Kunden könnten ihr Interesse äußern, dass es ihnen nicht nur um billige Produkte gehe, sondern auch darum, dass die sozialen Interessen der Menschen gewahrt würden. Nachhaltige Erfolge seien zu sehen, wo die Kampagnen genutzt würden. kp Text zum Bild: (Foto: Karlfried Petri) Früher haben Staaten mit ihrem Kolonialismus die südliche Halbkugel ausgeplündert. Heute tun es weltweit operierende Wirtschaftsunternehmen. Die Frauen des Bezirksverbandes der Frauenhilfe ließen sich gründlich informieren.

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