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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Studientag „Offene Kirche erleben – Offene Kirche gestalten“ Citykirchenarbeit in der Nikolaikirche und Martinikirche
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11.06.2004 15:53
Einige Seminarbesucher treffen sich vor der Siegener Nikolaikirche, schauen das mächtige Gebäude an und gehen schweigend hinein. Millionen Menschen sind im Laufe der Jahrhunderte in die Kirche hinein gegangen. Der Blick wandert ins Kirchenschiff zum Abendmahlstisch und zur Kanzel. Ein Kanon wird angestimmt. Ein Klangerlebnis in dem hohen Gemäuer. Die Seminarteilnehmer erhalten einen Bibelvers auf einem Stück Papier und murmeln ihn leise vor sich hin. Dabei gehen sie in der Kirche umher. Erkunden sie. Legen den Vers an einer selbst gewählten Stelle ab, die als passend empfunden wird. Der Kirchenraum erschließt sich ganz neu. Er wird heimischer. Eine andere Gruppe gestaltet den Innenraum der Kirche dezent um. Ein Plan mit dem Kirchengrundriss hilft dabei. Was kann man Menschen anbieten, die die Kirche außerhalb der Gottesdienste aufsuchen? Ansprechender und selbstredend sollen die Angebote gestaltet werden. Es entstehen eine Gebetswand, ein Infotisch, eine Bibelleseecke, eine Gebetsecke, eine Klagemauer. Pfarrer Andreas Isenburg, vom Amt für Missionarische Dienste der westfälischen Landeskirche, zuständig für Stadt- und Citykirchenarbeit, und Pfarrerin Antje Rösener, theologische Studienleiterin des Evangelischen Erwachsenenbildungswerkes Westfalen und Lippe in Dortmund gaben beim Studientag in Siegen Impulse für Mitarbeitende. Zwischen den Workshops konnten die Teilnehmenden praktisch erleben, was zur Citykirchenarbeit gehören kann, denn die Nikolaikirche ist geöffnet und lädt ein zur Andacht „Kirche zur Marktzeit“ ab 11 Uhr. Immer wieder kommen Menschen herein und schauen sich um. Einige nehmen Platz und werden von Pfrn. Annegret Mayr herzlich begrüßt. Orgelklänge erfüllen die alte Kirche. Die Besucher können einer kurzen Andacht lauschen. Kirchenräume erzählen von Gott Antje Rösener berichtet von einem Phänomen, das in Westeuropa zu beobachten ist. Es werden nicht verstärkt Gottesdienste besucht, wohl aber zunehmend kirchliche Räume aufgesucht. In die Dortmunder St. Reinoldikirche kämen beispielsweise im Schnitt 50 Personen zu den Gottesdiensten, 1700 Personen beträten aber jede Woche die Kirche. In einer anderen Kirche habe man über einen Zeitraum von 8 Monaten 8.000 Gottesdienstbesucher und 60.000 Gäste gezählt. „Ich kam mittags in die Kirche“, erzählt Rösener. Ein zwölfjähriger Junge in Turnschuhen sitzt in einer Bank. „Was machst du denn hier?“, fragt sie ihn. „Meine Mutter arbeitet in der Nähe. Ich gehe nach der Schule in Geschäfte und danach komme ich oft in die Kirche. Manchmal kommt ein Freund mit. Gott hat mir auch schon geholfen, wenn ich mit den älteren Jungs Schwierigkeiten hatte. Den da vorne“, und er zeigt auf das Kreuz, „haben sie schon ganz jung umgebracht. Manchmal wird hier wieder gesungen. Das finde ich schön.“ Für den Jungen ist der Kirchenraum nicht ein Raum wie jeder andere, so Rösener. Kirchenräume werden zu Erlebnisräumen. Sie erzählen von Gott. Menschen gehen heute zur Kirche, ohne zur Kirche zu gehen. Dazu gehören Männer, Frauen, Jugendliche, ältere Menschen, Muslime, Hindus, Geschäftsleute und Kinder. Die Citykirchenarbeit gehe der Frage nach, was man im Lichte des Evangeliums aus diesem Phänomen machen kann. In Kirchenräumen würden Erinnerungen an den Religionsunterricht oder den Konfirmandenunterricht wach. Über das Sehen kommen die inneren Bilder. Kirchenräume erleichtern Religiosität zu erleben. Menschen benötigen offensichtlich einen Raum, um ins eigene Gebet zu finden. Rösener: „Offen Kirchen sind Orte des Erbarmens. Sie stehen für die Einladung Gottes an jeden Menschen. Welche Signale senden wir mit geschlossenen Kirchen?“ Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri) Die Siegener Nikolaikirche und Martinikirche sind nicht mehr nur zu den Gottesdiensten geöffnet. Wie man Kirchenräume als Erlebnisraum gestalten kann, erfuhren die Seminarteilnehmer in den beiden Kirchen.

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