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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

40 Jahre evau in freier Trägerschaft Schule für die Zukunft gut gerüstet
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23.07.2004 13:38
Das evau in Weidenau, die einzige Schule dieser Art in Trägerschaft eines Kirchenkreises innerhalb der westfälischen Landeskirche, besteht seit 40 Jahren. 880 Schülerinnen und Schüler besuchen das in der Region gut angenommene Gymnasium und die werden von 60 Lehrkräften unterrichtet. Der Kirchenkreis wollte eine Schule gründen, so drückte es zum 25-jährigen Jubiläum der damalige Superintendent Ernst Achenbach aus, die "sich unter dem Anspruch des Evangeliums in Freiheit ohne kirchenamtliche Bevormundung selbst ihren Weg suchen" sollte. Christliches Denken und Handeln im Schulalltag Dorothea Woydack, Direktorin der Einrichtung, schildert das Profil und die Vorzüge der evangelischen Einrichtung, die sich ihren Weg gesucht und ihn gefunden hat. "In einer prägenden Lebensphase begegnen die jungen Menschen christlichem Denken und Handeln im Schulalltag. Alle haben Religionsunterricht, lernen so Grundlagen des christlichen Glaubens kennen und werden mit Fragen ethischen Handelns konfrontiert. Sie erfahren Spiritualität, Glaubenspraxis und hören Gottes Wort in einer Zeit nachlassender religiöser Sozialisation. Alle Lerngruppen nehmen an Gottesdiensten teil und gestalten innerhalb eines Jahres eine Andacht mit. So werden Anknüpfungsmöglichkeiten für Gemeinden und Kirche geschaffen. Die Schülerinnen und Schüler begegnen Lehrerinnen und Lehrern, die sie vom christlichen Menschenbild her ernst nehmen. Die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass sie nicht nur von Gott, sondern auch von den Menschen, die sie orientiert an einem religiösen Leitbild erziehen, angenommen sind." Projekt und schülerorientierter Unterricht und selbstgesteuertes Lernen Der Schulalltag hat sich in den vergangenen 40 Jahren verändert. Heute wird nicht mehr nur Wissen gepaukt. Projekt- und schülerorientierter Unterricht, in den 80er Jahren entwickelt und an der Weidenauer Schule mit erprobt, gehört heute selbstverständlich zum Schulalltag, so die Direktorin. Diese Art selbstständig zu lernen soll weiter verstärkt werden. Damit, so die Pädagogin, lässt sich wirkungsvoll dem für unser Schulsystem nicht gerade rühmlichen Pisa-Ergebnis begegnen. Der Lehrer wird mehr zum Moderator, der den Jugendlichen Wege aufzeigt, wie sie selbstständig mit allen Sinnen lernen können. Um das selbstgesteuerte Lernen zu fördern und damit gute Ergebnisse zu erzielen, will die Schule eine größere Bibliothek mit einem integrierten Selbstlernzentrum einrichten. Integrierte moderne Computerarbeitsplätze mit Internetzugang fördern die ergebnisorientierte Nutzung neuer Medien. Da müssen auch alteingesessene Lehrer umlernen. Sie haben die Aufgabe, Lehr- und Lernmethoden zu entwickeln, die den Schülern die Nutzung des sich entwickelnden neuen Angebotes eröffnen. Die Direktorin, die seit Sommer 2001 die Schule leitet und Vorsitzende des Evangelischen Schulbundes Nord ist, sieht Vorzüge einer Schule in freier Trägerschaft. Die Abschlüsse unterliegen zwar den Vorgaben des Staates, "bei den Wegen dorthin haben wir aber größere Freiheiten, beispielsweise bei der Umsetzung der Lehrpläne. Zudem können wir uns unsere Lehrkräfte selbst nach unseren fachspezifischen Bedürfnissen aussuchen." Dadurch hat die Schule eine gute Altersstruktur mit vielen jungen Lehrkräften. Neuen Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen, wie beispielsweise dem Abitur nach 12 Jahren, sieht die Schule gespannt aber auch ein Stück gelassen entgegen. "Dann müssen wir eben vermehrt Unterricht auf den Nachmittag legen", so Woydack. "Wir sind gut gerüstet. Bei uns können die Schüler mittags in der Schule bleiben und für 3,50 Euro ein Mittagessen einschließlich Getränk im Schülercafé einnehmen. Das Essen wird uns von der Mensa der Universität Siegen geliefert und hat eine gute Qualität." Zu der Schule gehört, dass zu unterschiedlichen Themen Arbeitsgemeinschaften angeboten werden, die die Schüler nicht nur intellektuell sondern auch als soziale Wesen fördern. Eingerichtet sind beispielsweise neben den klassischen Sport- und MusikAGs auch eine TheaterAG, eine ZirkusAG oder ein Bauerngarten. Musik wird an der Schule groß geschrieben. Weit über die Schule hinaus hat sich die BigBand einen Namen gemacht. Dazu gibt es intensive Chorarbeit und die Bläsergruppe. Seit neuestem verfügt die Schule über eine Band, die von einem ehemaligen Schüler geleitet wird. Als erste Schule im Kreis Siegen-Wittgenstein hat das Gymnasium vor zwei Jahren eine neue Form des Musikunterrichts eingeführt, in der jedes Kind, wenn es möchte, ein Streichinstrument lernen kann. Seit einem jahr gibt es ein Orchester. Die Theaterkiste ist deutschlandweit mit ihren experimentellen Aufführungen im Bereich des Körpertheaters erfolgreich. Kompetenz fürs Leben "Wir möchten, dass unsere Schülerinnen und Schüler nicht nur in abfragbaren Kompetenzen gut abschneiden, sondern in christlicher Verantwortung für die Zukunft gerüstet sind. Unser Ziel ist es, selbstbewusst, kreativ und eigenverantwortlich denkende junge Menschen zu erziehen", formuliert Dorothea Woydack. "Wir müssen als christliche Schule auch gegen den Trend der Vermittlung von abprüfbarem, ökonomisch verwertbarem Wissen besonders die Zukunftsthemen in einer globalisierten Welt so unterrichten, dass Wissensvermittlung auf dem evangelischen Bildungsverständnis aufbaut: Der Einzelne weiß um die Notwendigkeit eines Engagements für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, er ist sensibilisiert für Grundrechte und Grundwerte und sieht sich in der Verantwortung für die Schwachen der Gesellschaft." Woydack ist davon überzeugt, dass eine evangelische Schule, die junge Menschen so bildet, helfen kann, die Unsicherheiten in gesellschaftlichen Umbruchzeiten auszuhalten und fundamentalistischen Tendenzen zu wehren. Voraussetzung für ein solches Verständnis von Schule ist die Einübung der Schülerinnen und Schüler in religiöse Sprachfähigkeit. Sie werden im Wissen um die eigene religiöse Tradition und den eigenen Glauben offen für das Gespräch mit anderen Religionen. Auch dies hält Woydack für eine zentrale Zukunftsaufgabe in einer globalisierten Welt. kp Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri) Direktorin Dorothea Woydack leitet seit Sommer 2001 das evangelische Gymnasium in Weidenau: "Uns liegt sehr daran, das Sozialverhalten der Schüler zu prägen und den Schülern in der Schule ein Heimatgefühl zu geben"

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