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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Erste Thomas-Messe im Siegerland
Thomas-Messe
20.10.2004 15:10
"Thomas & Co. - Zweifeln verbindet", lautete das Thema der ersten Thomas-Messe im Siegerland, die jetzt in der Siegener Nikolaikirche gefeiert wurde. Es ist kein reformierter Gottesdienst, die Thomas-Messe. Keine gewohnte Liturgie, keine lange Predigt. Denken und Fühlen, der ganze Mensch, wird bei dieser Art Gottesdienst zu feiern angesprochen. So wurde er denn auch zu Beginn beschrieben als Gottesdienst, mit vielen Sinnen zu erfahren und feiern, für Glaubende und Suchende. Besonderes Merkmal der Thomas-Messe ist die sogenannte offene Phase. Die Gottesdienstbesucher können ihren persönlichen Gottesdienst für eine halbe Stunde im Rahmen des offiziellen Gottesdienstes selbst gestalten. In einem Nebenraum, dem Klönchentreff, kommen Menschen zusammen und nehmen sich einen Bibeltext, auf Kärtchen geschrieben und auf einem schön dekorierten Tisch ausgelegt. Es ist ihr persönliches Wort zum Nachdenken. Andere wiederrum gehen zu den Treppenstufen zum Chorraum, zünden eine Kerze an und stellen sie, ein leises Gebet sprechend, in vorbereitete Gefäße. In eine mit kleinen Öffnungen versehene Klagemauer aus Leicht-Bau-Steinen im Chorraum der Kirche werden Zettelchen gesteckt, auf denen Gottesdienstbesucher ihre Sorgen und Nöte aufgeschrieben haben. Fürbitten werden anonym zu Papier gebracht und später im Gottesdienst gebetet. An einer weiteren Station werden Menschen gesalbt und gesegnet. Platz braucht man für diese Art, Gottesdienst zu feiern. Und die sicherlich auch neugierigen Siegener lassen sich auf das Ungewohnte ein. Ohne Predigt kommt auch eine Thomas-Messe nicht aus. Und die hielt der Superintendent des Kirchenkreises Siegen, Friedemann Hillnhütter. Viel Verständnis fand er für die Zweifler: "Glaube ohne Zweifel wird leicht zur Ideologie. Aber auch Zweifel selbst kann leicht zur Ideologie werden. Beides, Zweifel aus Prinzip und ideologisierter Glaube macht Leben kaputt." Dann erzählt Hillnhütter die Geschichte von Zachäus, dem kleinen Mann auf dem Baum mit seinen vielen Zweifeln, auch an sich selbst. Die Begegnung mit Jesus habe aus dem Zöllner einen neuen Menschen gemacht. Meditative zeitgenössische Musik nahm bei dem Gottesdienst einen wichtigen Raum ein. Liisa Wahler, Heike Seibel, Charles Adarkwah, Armin Seibel und Moritz Mann verstanden es, mit ihrem Gesang und der eher ruhigen instrumentalen Begleitung auch neuere Lieder zügig einzuüben. Etwa ein Jahr haben 25 Mitarbeitende aus einigen Kirchengemeinden des Siegerlandes und Ehrenamtliche des Jugendreferates des Kirchenkreises Siegen den Gottesdienst geplant und vorbereitet mit dem Ziel, ihn auf Dauer regelmäßig im Kirchenkreis Siegen zu etablieren. Dieser Gottesdienst ist keine deutsch-evangelische Erfindung, sondern ein europäischer Import. In Finnland wurde 1988 die erste Thomasmesse gefeiert. Die in Siegen wohnende Finnin Liisa Wahler, eine der Mitarbeitenden, war erstaunt, dass sie in der Nikolaikirche von einigen Landsleuten angesprochen wurde, die aus den Medien von der Thomas-Messe erfahren hatten und sich darüber freuten, den ihnen in seiner Art vertrauten Gottesdienst in Siegen mit feiern zu können. Am Ende des Gottesdienstes wurde eingeladen zur nächsten Thomas-Messe am 5. Dezember, 18 Uhr, wieder in der Nikolaikirche. Thema: "Eine schöne Bescherung" kp Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri) Viele Mitarbeitende, viel Vorbereitung und viel Platz benötigt eine Thomas-Messe, in der die Besucher mit vielen Sinnen und sehr persönlich ihren Gottesdienst individuell mit gestalten und ihrer Gottesbeziehung Ausdruck verleihen können.

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