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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

"Frauen als Ware" - Nischenthema erschütterte - Frauenreferat des Kirchenkreises Siegen, "Frauen helfen Frauen e. V. Siegen" sowie Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hilchenbach zeigten schockierenden Film -
Nein zur Gewalt gegen Frauen
07.12.2004 15:49
"Lassen sie sich berühren von dem Film `Lilja 4-ever´ ", forderte die Frauenreferentin des Kirchenkreises Siegen Pfarrerin Silke Panthöfer kürzlich ihre Gäste im Victoria Filmtheater Hilchenbach auf. Anlässlich des 25. November, dem internationalen Gedenktag "Nein zur Gewalt gegen Frauen", hat das Frauenreferat des Kirchenkreises Siegen in Kooperation mit dem Verein "Frauen helfen Frauen e. V. Siegen" sowie der Gleichstellungsstelle der Stadt Hilchenbach einen ebenso bedrückenden wie wohl realitätsnahen Film über Frauenhandel mit osteuropäischen Frauen und Mädchen gezeigt. Spätestens nach der Vorführung war den gut 100 Gästen - darunter auch eine Gruppe junger Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion - klar: Die Initiatorinnen hatten alles andere im Sinn, als nervtötendes Emanzengehabe. Den Anlass für den Filmabend legten Silke Panthöfer, Ingrid Süße und Inge Grebe im Vorprogramm dar:
Allein in Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2003 117 Verfahren von Menschenhandel registriert. Unter den 214 Opfern waren auch drei Mädchen unter 14 Jahren. Die Dunkelziffer ist ungleich höher. "Sklaverei ist das Wort, das annähernd das Schicksal dieser ausgebeuteten Frauen beschreibt." so der Nordrhein-Westfälische Innenminister Fritz Behrens.
Zehntausende osteuropäischer junger Frauen und Mädchen träumen jedes Jahr von einer Zukunft im Westen und werden betrogen, verkauft, legal oder illegal über Grenzen gebracht, misshandelt und dann überall in Westeuropa zur Prostitution gezwungen. Skrupellose Zuhälter und Menschenhändler machen ein Milliardengeschäft mit diesen Frauen, die im Westen Arbeit suchen, um sich selbst und ihren Familien eine Existenz zu ermöglichen. Doch statt Geld gibt es Gewalt. Der goldene Westen wird zur Hölle. Die Sklaverei ist organisierte Kriminalität. Sie funktioniert reibungslos über alle Ländergrenzen hinweg.
Mehr als 1 Million Männer suchen täglich in Deutschland Prostituierte auf. Viele Prostituierte sind Opfer von Menschenhandel. Die betroffenen Frauen sind häufig verunsichert, verängstigt und haben keine deutschen Sprachkenntnisse. Oft werden ihnen von den Menschenhändlern die Pässe und andere Reisedokumente abgenommen. Ohne Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung sind sie weitgehend rechtlos. Deshalb können sie sich nur schwer gegen die verschiedenen Formen der Ausbeutung wehren. Sie misstrauen der Polizei, den Ausländerbehörden und leben in großer Angst vor der Verfolgung durch Menschenhändler und "Vermittler". Viele Opfer werden als "Illegale" inhaftiert und später abgeschoben. Gewaltopfer werden als Täterinnen behandelt. "Menschenhandel ist ein Problem der globalisierten Welt, wird aber bislang als Nischenthema gehandelt", so die Veranstalterinnen des Abends.
Dass der Inhalt des Films "Lilja 4-ever" und die Kulissen die Lebensbedingungen in der ehemaligen Sowjetunion gut widerspiegeln, bestätigten viele junge Aussiedlerinnen im Viktoria Filmtheater, die jetzt im Siegerland leben. Tatsächlich konnte man sich der starken Berührung durch die tragische Geschichte der 16-jährigen Lilja kaum entziehen. Gleich zu Anfang geschieht das Erschütternde: Liljas Mutter verlässt, wie viele auf der Flucht vor Trostlosigkeit und auf der Suche nach einem besseren Leben, ihre Heimat und ihre 16-jährige Tochter. In einer heruntergekommenen Wohnsiedlung wird Lilja zurückgelassen. Allein und auf sich selbst gestellt verfällt ihr Leben immer mehr. Nach und nach wenden sich auch ihre wenigen Freunde ab während Lilja versucht, ohne Strom und Nahrung über die Runden zu kommen. In ihrer Not verdient sie sich mit der ihr verhassten Gelegenheitsprostitution ein wenig Geld. Eines Tages lernt sie einen jungen Mann Namens Andrej kennen und lieben. Andrej hat angeblich Arbeit in Schweden für sie gefunden und lockt sie mit Versprechungen in das fremde Land. Hier erwartet sie ein Martyrium, dass der Zuschauer wohl nur im Ansatz nachempfinden und kaum ertragen kann. Das religiöse Element des Films, nämlich Liljas scheinbar ungehörten Gebete und der Trost durch einen treuen Engel, der ohne Kitsch in Person ihres kindlichen Freundes erscheint, stellt auch gläubige Menschen erneut vor die Fragen: Warum all das Leid? Wie kann man helfen? Dass die gedemütigte, zur Ware entmenschlichte Lilja ihr Leben schließlich selbst beendet, mag so mancher Zuschauer beim Frauenfilmabend fast selbst als Erlösung empfunden haben. Wer allerdings dabei nicht stehen bleiben möchte, kann sich bei Frauenreferentin Silke Panthöfer informieren, welche Hilfsangebote unterstützt werden können.
Kontakt: Frauenreferat des Kirchenkreises Siegen, Burgstraße 21, 57072 Siegen, Tel.: 0271/5004-346.
Ch.St.
Text zu Bild: Über eine gelungene Kooperation anlässlich des "Internationalen Gedenktags - Nein zu Gewalt gegen Frauen" freuten sich Susanne Stötzel, Susanne Backhaus, Ingrid Süße ("Frauen helfen Frauen e.V.", Siegen), Pfarrerin Silke Panthöfer (Frauenreferentin des Kirchenkreises) und Inge Grebe (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hilchenbach)

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