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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

10 Jahre Evangelisches Hospiz Siegerland
Hospiz Siegerland
09.03.2005 14:18

Am Sonntag, den 17. April 2005, feiert das Evangelische Hospiz Siegerland sein 10-jähriges Bestehen mit einem Dank-Gottesdienst um 10 Uhr in der Nikolai-Kirche Siegen.Zwischen 12 und 17 Uhr gestaltet die diakonische Einrichtung einen "Tag der offenen Tür" in der Wichernstraße 48 (Nähe Jung-Stilling-Krankenhaus).

Das Evangelische Hospiz Siegerland ist als stationäre Einrichtung ein Ort, wo pro Jahr etwa 100-120 unheilbar kranke Menschen ihre letzte Zeit als lebenswert empfinden. Die Arbeit des Hospizes hat einen doppelten Ausgangspunkt: Sie ergibt sich einerseits aus dem Evangelium von Jesus Christus, das eine Einladung zum Leben angesichts des Todes ist. Sie reagiert andererseits auf die Not, dass in unserer Gesellschaft vielen schwerstkranken Menschen in der letzten Lebensphase die Möglichkeit vorenthalten bleibt, in der ihnen zukommenden Würde zu sterben. Die ganzheitliche Betreuung im Hospiz ermöglicht dem Gast eine den Umständen entsprechend hohe Lebensqualität.

Als Einrichtung mit 8 Einzelzimmern bietet das Hospiz den Patienten/Gästen eine individuelle Pflege, intensive Betreuung, soziale Beratung sowie seelsorgerliche Begleitung in privater Atmosphäre über 24 Stunden an. Die Wünsche jedes einzelnen Gastes stehen dabei im Mittelpunkt. Das Team, bestehend aus Krankenschwestern, Krankenpfleger und Seelsorger sowie zwanzig ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, nimmt sich dieser Bedürfnisse an. Die Anfragen aus dem gesamten Siegerland und den angrenzenden Nachbargebieten erreichen das Hospiz über die Sozialdienste der Krankenhäuser, Angehörige, Hausärzte oder durch den kranken Menschen selbst.

Durch intensive Beratungsgespräche mit dem Schwerkranken, mit den Angehörigen und den behandelnden Ärzten werden die Aufnahmen vorbereitet. Schwerpunktmäßig handelt es sich um Tumorpatienten im fortgeschrittenen Stadium, bei denen heilende Therapien nicht mehr möglich sind, erfolglos wären oder vom kranken Menschen nicht gewünscht werden. Aber auch Patienten mit dem Vollbild der Infektionskrankheit AIDS, einer Erkrankung desNervensystems, mit unaufhaltsam fortschreitenden Lähmungen oder Patienten, die sich imEndzustand einer chronischen Nieren-, Herz, Verdauungstrakt- oder Lungenerkrankung befinden, können im Hospiz aufgenommen werden.

Die Aufnahme ins Hospiz erfolgt unabhängig von der Herkunft, der Weltanschauung, der Religion und der wirtschaftlichen Lage des Kranken. Angehörige und Freunde können die Patienten jederzeit besuchen. Im Bedarfsfall kann eine Übernachtungsmöglichkeit im Hospiz geschaffen werden. Die Hospizbewegung, und damit auch das Evangelische Hospiz Siegerland, hatte anfänglich mit vielen Vorurteilen und Berührungsängsten zu tun. Es galt, Widerstände gegenüber den Themen "Sterben, Tod und Trauer" bei Ärzten, Pflegekräften und in der Gesellschaft allgemein aufzuarbeiten. Inzwischen ist deutlich geworden, dass die Begleitung Sterbender kein für sich allein stehender Arbeitsbereich innerhalb des Gesundheitswesens oder des gesellschaftlichen Miteinanders ist, sondern dass Begleitung nur gelingt, wenn eine Gesellschaft sich verändert, wenn Dienste und Einrichtungen sich vernetzen. So wird sich das Evangelische Hospiz Siegerland auch weiterhin in der Öffentlichkeit und den unterschiedlichsten Institutionen engagieren, damit überall ein Sterben in Würde möglich wird mit allem, was an Pflege, Begleitung und Entlastung notwendig ist.

Der Begriff "Hospiz" kommt aus dem Lateinischen (hospitium) und kann sowohl "Gastfreundschaft" als auch "Herberge" bedeuten. Das weist auf die Spannbreite innerhalb der Hospizidee hin: Sie zielt nicht in erster Linie auf ein Haus (Herberge, Hospiz), in das Menschen aufgenommen werden, sondern auf die Grundhaltung der Begleitung und Hilfe für Sterbende und ihre Angehörigen.Hartmut Uebach


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