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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

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25 Jahre Telefonseelsorge Siegen

Telefonseelsorge Siegen
06.05.2005 10:24
Mit einem Gottesdienst und einem anschließenden Empfang feierte kürzlich die Telefonseelsorge Siegen ihr 25-jähriges Bestehen.
Bevor der Dienst am 1.5.1980 rund um die Uhr aufgenommen werden konnte, mussten neben dem organisatorischen Aufbau 50 ehrenamtlich Mitarbeitende gründlich ausgebildet werden. Diese Aufgabe war dem damaligen Leiter und späteren Superintendenten des Kirchenkreises Siegen Helmut Flender sowie seinem damaligen Stellvertreter und heutigem Leiter der Einrichtung Heiner Meilwes übertragen.
Seit dieser Zeit wird das Seelsorgeangebot vom Kirchenkreis Siegen (60 %), vom Katholischen Gemeindeverband Siegerland-Südsauerland (30 %) und dem Kirchenkreis Wittgenstein (10 %) gemeinsam finanziert. 286.000 Euro ist den Trägern dieser Dienst an den Menschen wert.

Die Telefonseelsorge Siegen ist eine von 105 Telefonseelsorgestellen in Deutschland. Die Siegener Einrichtung ist zuständig für das Siegerland, Sauerland (bis Meschede/Sundern), Teile des Westerwaldes (bis Hachenburg) und Teile des hessischen Grenzgebietes (Dillenburg/Eschenburg). Alle Anrufe aus diesen Gebieten werden nach Siegen geschaltet. Ab 2000 wurden alle Telefonseelsorge-Stellen im Bundesgebiet in die Versorgung der Mobilfunkanrufe einbezogen.

Für die Arbeit der Telefonseelsorge gelten hohe Qualitätsstandards. Rund um die Uhr sind Menschen ansprechbar. Die Seelsorgegespräche sind anonym und verschwiegen. Den Anrufenden werden von der Einrichtung keine Kosten in Rechnung gestellt. Die Mitarbeitenden sind offen für jede Not von Anrufenden in Lebens- und Glaubensfragen und sie beraten frei von politischem und religiösem Druck.

Etwa 300 Ehrenamtliche sind in der Telefonseelsorge Siegen seit 1979 jeweils anderthalb Jahre ausgebildet worden. Davon sind 75 % Frauen und 25 % Männer. Sie nehmen während des Telefondienstes an einer vierzehntägigen Supervisionsgruppe teil. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden haben in den 25 Jahren 219.000 Stunden Beratungsarbeit geleistet. Etwa 5 bis 10 Jahre leisten die Ehrenamtler im Schnitt ihren Dienst in der Einrichtung. Etwa 70 Ehrenamtliche werden zurzeit benötigt, um für 14 Tage den Dienst sicherzustellen.

In 25 Jahren sind ungefähr 360.000 Anrufe und davon 210.000 Beratungs- und Seelsorgegespräche bei der Telefonseelsorge Siegen angekommen. Zurzeit kommen täglich etwa 70 Anrufe an. Das sind 30-35 Beratungs- und Seelsorgegespräche, 20-25 Kontakt- oder Scherzanrufe von Kindern und Jugendlichen und 15 Aufleger. Die Gebührenfreiheit ab 1997 und der explodierende Anstieg der Mobilfunkanrufe ab 2000 haben die Zahl und die Art der Anrufe sehr verändert. Seit 2000 hat sich die Gesamtzahl der Anrufe mehr als verdoppelt. Die Anrufe von Kindern und Jugendlichen, die in den ersten 20 Jahren gerade ein bis dreimal am Tag gezählt wurden, sind in den letzten fünf Jahren auf 20-25 pro Tag gestiegen. Heute finden viele ernsthafte Beratungsgespräche mit Kindern und Jugendlichen statt.
Das Thema soziale Not ist in den Telefongesprächen stärker in den Vordergrund gerückt. In steigendem Maße bilden Arbeitslosigkeit oder Angst vor dem Verlust der Arbeit den Hintergrund von komplexen Problemsituationen: Armut, Alkohol, Spannungen und Zerwürfnisse in Partnerschaften und Familien, psychische Zusammenbrüche und soziale Isolation. Immer schon haben psychisch belastete Menschen die Telefonseelsorge zur persönlichen Stabilisierung und zur Bewältigung ihres Alltags genutzt. Die Zahl der Anrufe von diesen Menschen ist stetig gestiegen. In 2004 waren die psychisch Kranken die Gruppe mit den meisten Anrufen. Immer mehr Menschen sehen sich mit extremen Situationen konfrontiert und geraten an die Grenze der Belastbarkeit. Viele von ihnen scheinen sich in einer zuspitzenden Situation zu befinden wie Frühverrentung, soziale Isolation oder Angst vor dem Abrutschen in langanhaltende Krankheit.

Seit 2001 bietet die TS Siegen unter der Internetadresse www.telefonseelsorge.de Emailberatung an, seit Sommer 2004 auch Chat-Beratung. Im Augenblick leisten diese Arbeit neun Ehrenamtliche. Durch dieses neue Angebot werden Menschen erreicht und wird denen geholfen, die sonst vermutlich gar nicht ein Hilfsangebot in Anspruch nehmen würden, wie beispielsweise junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren.

1998 wurde ein Freundes- und Förderkreis gegründet, der Aus- und Fortbildung von Ehrenamtlichen, Stellenausstattung und Projekte finanziert, die ohne die Unterstützung bei zurückgehenden Kirchensteuermitteln der Träger sonst nicht zu finanzieren wären.

Zurzeit hat die TS Siegen 73 ehrenamtlich Aktive in der Beratung am Telefon und im Internet sowie 26 Ehrenamtliche in Ausbildung.
Drei hauptamtliche und neun nebenamtliche Fachkräfte verantworten die Ausbildung, Fortbildung und Supervision der Ehrenamtlichen unter der Leitung von Heiner Meilwes, Dipl. Theologe und Dipl. Psychologe, dem stellvertretenden Leiter Pfarrer Rolf Christian Wangemann, systemischer Familientherapeut und von Gabriela Höfer im Sekretariat.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Die Telefonseelsorge Siegen hat sich in 25 Jahren zu einer bedeutsamen seelsorglichen Beratungseinrichtung der Region entwickelt.

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