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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Herz und Kommerz zusammenbringen“
Synodale des Kirchenkreises Siegen informierten sich über Diakoniesituation und künftige Zusammenarbeit zwischen Kirche und Diakonie

18.05.2005 16:11
Dicht gedrängt saßen die Synodale des Kirchenkreises Siegen auf Einladung der Synodalassessorin Annette Kurschus gestern Abend im Gemeindezentrum Ferndorf, um zu erfahren, wie es denn nun um die Krise zwischen Diakonie und Kirche bestellt sei. Den drei Geschäftsführern der Diakonie war, wie berichtet, seinerzeit das Vertrauen entzogen und fristlos gekündigt worden. Am 26. April wurden sie durch die Gesellschafterversammlung rehabilitiert und wieder in ihre Ämter eingesetzt. Im Laufe dieses Geschehens war der Superintendent zurückgetreten. Die Presse hat ungewöhnlich ausführlich darüber berichtet.
Jetzt war die Gelegenheit für die Synodalen gegeben sich über die Vorgänge informieren zu lassen und auch kritische Rückfragen zu stellen oder Stellungnahmen abzugeben.

Ernst Achenbach informierte ausführlich über die Arbeit der Kommission, die innerhalb von 14 Tagen die seinerzeit erhobenen Vorwürfe, mit denen der Vertrauensverlust begründet wurde, prüfen sollte. Die zehn genannten Gründe, so war das Ergebnis der Untersuchung, seien weder in formaler noch in inhaltlicher Hinsicht geeignet gewesen, die Entbindung der Geschäftsführer von ihren Ämtern zu stützen. Dies wurde von Achenbach im Einzelnen dargelegt, wobei er betonte, dass damit das Vertrauen noch keineswegs wieder hergestellt sei.

Auch Friedemann Hillnhütter stand den Anwesenden Rede und Antwort. Er zeigte auf, wie er die Handelnden seitens der Diakonie erlebt hat und Entwicklungen erlebte, denen er als Superintendent des Kirchenkreises unmöglich hätte tatenlos zusehen können und dürfen. Etliche vor allem auch seelsorgliche Gespräche mit Mitarbeitenden hätten bei ihm einen Denkprozess ausgelöst, der in Folge zum Vertrauensverlust zu den Geschäftsführen geführt habe. Der Vertrauensverlust bei ihm und bei anderen habe viele unterschiedliche Gründe. Diese lägen für ihn in diakonie-internen Verfahren in verschiedenen Gremien, in persönlichen Erlebnissen, hingen mit handelnden Personen und mit strategischen Entwicklungen zusammen, nicht jedoch mit strafrechtlichen Handlungen. Bei dem weiteren Vorgehen habe er nicht alleine und auch nicht willkürlich gehandelt. Handelnde seien über 30 Personen in drei Gremien gewesen. Beschlüsse seinen fast einstimmig gefasst worden. Die Verträge der Geschäftsführer hätten angeblich die fristlose Entlassung als juristisch zulässig ermöglicht. Dies auszunutzen sei ein Fehler gewesen, der auch auf zu einseitige Beratung zurückzuführen sei. Die nicht nur aus seiner Sicht im Laufe der Jahre sich gebildeten Fehlentwicklungen in der Diakonie sehe er jedoch nach wie vor und die bedürften der Korrektur.

In der sehr lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass alles daran gesetzt werden müsse, wieder Vertrauen zueinander zu finden. Dazu gehöre, dass sehr gründlich die Strukturen des großen Unternehmens Diakonie und die Verzahnungen zum Kirchenkreis und den Kirchengemeinden geprüft werden müssen. Welchen Einfluss können die Kirchengemeinden nehmen, um ihrer Diakonie ein stärkeres diakonisches Gepräge zu geben? Wie soll das aussehen? Lässt sich dies unter den gegebenen gesetzlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen leisten? Diese Aufgabe soll einer neuen Kommission übertragen werden, die mit den zur Lösung solcher Fragenstellungen kompetenten Fachleuten besetzt werden soll. Der Spagat, Herz und Kommerz in der Diakonie zusammen zubringen, sagte Achenbach als Schlussbemerkung, sei kaum leistbar. Diese Situation sei allerdings keine Siegener Spezialität, sondern gelte für alle anderen diakonischen Einrichtungen in ähnlicher Weise.
kp

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