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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode wählt am 22. Juni Superintendenten
Kandidatin Annette Kurschus stellt sich vor

Pfrn. Annette Kurschus
07.06.2005 17:10

Für die kommende Kreissynode am 22. Juni 2005 hat der Nominierungsausschuss des Kirchenkreises Siegen die Wahl der neuen Superintendentin bzw. des neuen Superintendenten vorgesehen. Als Kandidaten schlägt der Ausschuss Pfarrerin Annette Kurschus aus der Kirchengemeinde Weidenau und Pfarrer Rolf Fersterra aus der Kirchengemeinde Niederschelden den Synodalen zur Wahl vor. Unabhängig davon können auf der Tagung der Kreissynode weitere Kandidaten vorgeschlagen werden.

Öffentliche Vorstellung

Den Synodalen und einer interessierten Öffentlichkeit soll die Möglichkeit gegeben werden, die beiden Kandidaten besser kennen zu lernen. Den Anfang macht Pfrn. Annette Kurschus, die sich am Mittwoch, den 8. Juni 2005, ab 20 Uhr, im Gemeindehaus St.-Johann-Straße in Siegen vorstellt. Das Vortragsthema, das beiden Kandidaten gestellt ist, lautet: "Unsere Kirche im Siegerland - Chancen und Herausforderungen". Annette Kurschus wurde 1963 in Rotenburg an der Fulda geboren und ist in einem evangelischen Pfarrhaus in Obersuhl aufgewachsen. Das Abitur machte sie am Evangelischen Gymnasium in Weidenau und begann anschließend mit dem Studium der Medizin. Nach kurzer Zeit wechselte sie zur evangelischen Theologie, die sie in Bonn, Marburg und Wuppertal studierte. Ihr Gemeindevikariat absolvierte Annette Kurschus in Siegen-Eiserfeld bei Pfr. Wilhelm Hofius. Parallel dazu erfolgte eine Ausbildung im Reformierten Predigerseminar Elberfeld.Nach der zweiten theologischen Prüfung belegte sie einen sechswöchigen Kurs in Klinischer Seelsorge-Ausbildung in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Dortmund. Von 1993 bis 1999 war sie als Gemeindepastorin im Hilfsdienst in der Ev.-ref. Kirchengemeinde Klafeld tätig. Berufsbegleitend ließ sie sich vier Jahre lang in "Gestaltseelsorge für Theologinnen und Theologen", inklusive Aufbaujahr in "Supervision" am Institut für Integrative Gestalttherapie in Würzburg ausbilden. Seit Februar 1999 ist Annette Kurschus Gemeindepastorin in der Ev. Kirchengemeinde Weidenau und seit Dezember 2001 Synodalassessorin des Kirchenkreises Siegen.

Interview

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Theologie zu studieren?In meiner Familie und in der Schule haben mir Menschen mit beeindruckender Ausstrahlung überzeugend vorgelebt, dass der christliche Glaube zum aufrechten und mutigen Gang verhilft, dass er mitten in die Welt und zu den Menschen führt, dass er die Sinne für Frieden und Gerechtigkeit schärft, dass er frei macht und auch in schweren Grenzsituationen zu tragen vermag. Bei uns zu Hause wurde am Tisch viel und leidenschaftlich über theologische Fragen gesprochen, die ja in Wirklichkeit ganz lebensnahe Alltagsfragen sind. Diese Leidenschaft hat mich angesteckt, mich nie mehr losgelassen und mich schließlich auf manchen Umwegen zum Theologiestudium geführt.

2. Welche Vorzüge hat für Sie ein reformiert geprägter Kirchenkreis?Ich verstehe die reformierte Tradition nicht als etwas Exklusives, das wir pflegen, um uns von anderen abzugrenzen. Im Gegenteil: Die Reformierten setzen Akzente, die unser Kirchenkreis als kostbaren Schatz einzubringen hat in das Miteinander der versöhnten Vielfalt innerhalb der evangelischen Kirche.Dass sich die Kirche von den Gemeinden her aufbaut und keine Hierarchie besteht zwischen den verschiedenen Ämtern und Aufgaben, ist ein Grundanliegen der Reformierten, das die Arbeit in unserm Kirchenkreis auf allen Ebenen prägt. Dass das Wort Gottes einzige Richtschnur für Reden und Handeln und auch für die äußeren Formen und Strukturen bildet, macht ständiges Erneuern nötig: Immer wieder gilt es, unser Tun und Lassen heute neu an der biblischen Richtschnur zu prüfen und zu orientieren. Christ sein stellte unsere reformierten Mütter und Väter jeweils in sehr handfeste gesellschaftliche und politische Verantwortung vor Ort und weltweit; auch dies halte ich für eine Stärke, die ich zuallererst bei Jesus selbst lerne und die unserem Kirchenkreis gut ansteht.

3. Worin sehen Sie die drei wichtigsten Aufgaben einer Superintendentin im Kirchenkreis Siegen?Ohne Liebe zu den Menschen in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit, ohne tiefe Achtung auch vor denen, die ganz anders denken, ohne grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, ohne Konfliktfähigkeit und Integrationsbegabung wird es in der Leitung eines so großen Kirchenkreises nicht gehen. Eine Superintendentin braucht neben allem nüchternen Realitätssinn Visionen, die stärker vom Vertrauen in Gottes Zukunft geprägt sind als vom Blick auf das Geld. Sie sollte fähig sein, diese Visionen zu formulieren, sie zu teilen und andere auf den Weg zur Umsetzung mitzunehmen.Leitung kann nur gemeinsam geschehen: Ich halte es für die Aufgabe einer Superintendentin, vorzudenken, geistliche Akzente zu setzen und zusammen mit dem Kreissynodalvorstand als Leitungsgremium die vielen Kompetenzen in der Verwaltung, in den Gemeinden, in den Referaten zu nutzen, um das Profil des Kirchenkreises nach innen und nach außen zu schärfen.

4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den abnehmenden finanziellen Ressourcen des Kirchenkreises Siegen zu begegnen?Bei allem notwendigem Augenmerk auf die Finanzentwicklung scheint mir allerdings wichtig, dass wir aus dem lähmenden Zustand des defensiven Reagierens auf immer kleiner werdende Zahlen wieder in eine aktive Rolle des Gestaltens und Planens finden. Es kann nicht sein, dass das zukünftige Profil unseres Kirchenkreises von den Finanzen diktiert wird. Ich wünsche mir, dass wir die gegenwärtige Situation zu nutzen lernen: Um uns inhaltlich auf das zu besinnen, was die evangelische Kirche in unserer Region ausmachen soll - und dann zu prüfen, wie dies mit den vorhandenen Mitteln machbar ist. Für das, was wir stärken wollen, gibt es die Möglichkeit, durch kreative Formen des Fundraising neue Förderquellen zu erschließen.

5. Welche Aufgabenschwerpunkte der evangelischen Kirche im Siegerland und Olper Raum halten Sie für die nächsten Jahre für besonders wichtig?Durch den schweren Konflikt, der unseren Kirchenkreis während der vergangenen Monate erschüttert hat, ist uns ein wichtiger Aufgabenschwerpunkt vor die Füße gelegt, der ohnehin lange anstand: Eine neue Verhältnisbestimmung von Kirche und Diakonie.Ein weiterer Schwerpunkt sollte meines Erachtens die Entwicklung von inhaltlichen Perspektiven sowohl innerhalb der einzelnen Gemeinden als auch auf der Ebene des Kirchenkreises sein. Es müssen nicht alle alles machen. Wo eine Gemeinde Akzente setzt, da muss die Nachbargemeinde dies nicht ebenso tun. Auch muss im großen Konzert der Landeskirche nicht jeder Kirchenkreis jeden Arbeitsbereich gleichermaßen vorhalten. Diese Überlegungen kosten Mut zum Verzicht, ich weiß; aber sie schärfen auch die Aufmerksamkeit für manche Stärke.Wichtig wird es sein, im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit genauer hinzusehen. Wenn uns morgen unsere Kinder noch nach unserm Glauben fragen sollen, dann brauchen sie dafür Raum und Gehör und kompetente Ansprechpartner in unseren Gemeinden.Das Verhältnis zwischen hauptamtlich und ehrenamtlich Mitarbeitenden wird in näherer Zukunft ganz neu zu bestimmen sein. Damit Ehrenamtliche kompetent und gern ihre Gaben einsetzen und sich nicht nur ausgenutzt fühlen, brauchen sie außer der Akzeptanz auch angemessene Möglichkeiten, sich zu qualifizieren.

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)Pfrn. Annette Kurschus


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