Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode wählt am 22. Juni Superintendenten
Kandidat Rolf Fersterra stellt sich vor

Pfr. Rolf Fersterra
07.06.2005 17:17

Für die kommende Kreissynode am 22. Juni 2005 hat der Nominierungsausschuss des Kirchenkreises Siegen die Wahl der neuen Superintendentin bzw. des neuen Superintendenten vorgesehen. Als Kandidaten schlägt der Ausschuss Pfarrerin Annette Kurschus aus der Kirchengemeinde Weidenau und Pfarrer Rolf Fersterra aus der Kirchengemeinde Niederschelden den Synodalen zur Wahl vor. Unabhängig davon können auf der Tagung der Kreissynode weitere Kandidaten vorgeschlagen werden.Öffentliche VorstellungDen Synodalen und einer interessierten Öffentlichkeit soll die Möglichkeit gegeben werden, die beiden Kandidaten besser kennen zu lernen. Pfr. Rolf Fersterra stellt sich am Mittwoch, den 15. Juni 2005, ab 20 Uhr, im Gemeindehaus St.-Johann-Straße in Siegen vor. Das Vortragsthema, das beiden Kandidaten gestellt ist, lautet: "Unsere Kirche im Siegerland - Chancen und Herausforderungen".

Vorstellung

Rolf Fersterra wurde 1960 in Frankfurt a. Main geboren und wuchs in Hilchenbach-Allenbach auf. Das Abitur machte er am Jung-Stilling-Gymnasium in Hilchenbach. Von 1978 bis 1988 studierte er evangelische Theologie in Münster, Marburg und Heidelberg. Sein Gemeindevikariat absolvierte Fersterra in der Ev. Kirchengemeinde Bad Berleburg bei Pfr. Siegfried Lotze. Danach schloss sich ein Sondervikariat beim Konfessionskundlichen Institut des Evangelischen Bundes in Bensheim an. Nach dem Hilfsdienst in der Ev.-ref. Kirchengemeinde Niederschelden erfolgte 1992 die Ordination und Einführung in die Pfarrstelle des 2. Pfarrbezirks der Ev.-ref. Kirchengemeinde Niederschelden. Diese Pfarrstelle hat er gemeinsam mit seiner Ehefrau Pfrn. Christiane Weis-Fersterra inne. Rolf Fersterra ist Vorsitzender des Theologischen Ausschusses im Kirchenkreis Siegen. Mitglied in der Projektgruppe Mittelfristige Finanzplanung.

Interview

1. Wie sind Sie dazu gekommen, Theologie zu studieren?Das Interesse an der Theologie entstand bei mir durch den schulischen Religionsunterricht, der mir half, meine Glaubensfragen zu klären. Als Mitarbeiter im CVJM lernte ich dann, meinen Glauben in Worte zu fassen und weiterzugeben. So reifte die Entscheidung, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden.

2. Welche Vorzüge hat für Sie ein reformiert geprägter Kirchenkreis?Das presbyterial-synodale Prinzip ist bei uns lebendiger als andernorts. Unsere Kirchengemeinden haben vielfach ein starkes eigenes Profil. Die Presbyterien nehmen ihre geistliche Leitungsaufgabe selbstbewusst auch gegenüber kirchenleitenden Instanzen wahr. Das Priestertum aller Gläubigen ist bei uns immer noch verwurzelt. Wir sind nicht so stark "Pastorenkirche" wie es in anderen Teilen unserer Landeskirche der Fall ist. Das ist auch ein Erbe der Erweckungsbewegung, das bewahrt und gestärkt werden muss.Unsere reformierten Gottesdienste sind liturgisch nicht so geprägt und festgelegt. Das macht die Öffnung für neue Formen des Gottesdienstes und der Verkündigung leichter. Dafür fehlt uns Reformierten manchmal das Gefühl für liturgische Formen und das Feiern kommt manchmal zu kurz. Beides lernen wir aber zur Zeit.

3. Worin sehen Sie die drei wichtigsten Aufgaben eines Superintendenten im Kirchenkreis Siegen?Unsere Kirchenordnung sagt klipp und klar: "Die Leitung des Kirchenkreises liegt bei der Kreissynode." Der Superintendent steht dafür gerade, dass alle synodalen Gremien durch eine gute Vorbereitung und umfassende und rechtzeitige Information in die Lage versetzt werden, diese Leitung auch wahrzunehmen. Besonders wichtig ist dabei absolute Transparenz. Es darf kein Herrschaftswissen geben!Der Superintendent sollte klare Vorstellungen von der Zukunft der Kirche haben und an die neutestamentlichen Leitbilder der Gemeinde erinnern.Er soll durch seine Amtsführung die Zusammengehörigkeit - das "Wir-Gefühl" - des Kirchenkreises fördern und nach innen und außen zum Ausdruck bringen.

4. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den abnehmenden finanziellen Ressourcen des Kirchenkreis Siegen zu begegnen?Die Gremien müssen durch entschiedenes Handeln so schnell wie möglich von den dauernden Sparüberlegungen und von der Fixiertheit auf Abbau und Rückgang befreit werden. Folgende Gedanken halte ich dabei für wichtig: Kreiskirchliches Handeln ist stellvertretendes Handeln im Auftrag der Kirchengemeinden. Ich halte die strikte Orientierung an diesem Gedanken und die erneute Verankerung aller Dienste in den Gemeinden für geboten. Auch die Dienste auf Kirchenkreisebene werden für die Gemeinden wahrgenommen.Manche Dienste der Kirche können in Zukunft wohl nur noch exemplarisch wahrgenommen werden. Von dem Ziel einer flächendeckenden Versorgung ist Abschied zu nehmen. Die Wahrnehmung der Aufgaben durch ehrenamtliche Gemeindeglieder hat - wo immer dies möglich ist - den Vorrang vor hauptamtlichen Diensten.Die Entwicklung eines zweiten Standbeines der Finanzierung neben der Kirchensteuer ist erforderlich. Dabei sollten Spender und Sponsoren aber nicht nur als Zahler betrachtet werden. Vielmehr sollte mit der Gewinnung zusätzlicher Mittel immer der Gedanke des Gemeindeaufbaus im Sinne von mehr Beteiligung verbunden sein. Es sollte gelten: Wer etwas gibt hat auch ein Recht auf Beteiligung und in der Regel auch ein Interesse daran.

5. Welche Aufgabenschwerpunkte der evangelischen Kirche im Siegerland und Olper Raum halten Sie für die nächsten Jahre für besonders wichtig?
a. Als wichtigste Aufgabe sehe ich die Förderung lebendiger Gemeinden, in denen die Kirchenmitglieder nicht als Nehmer kirchlicher Dienstleistungen gesehen werden, sondern zur Beteiligung und Übernahme von Verantwortung ermuntert werden. Dazu gehört auch die Befähigung zum Bekenntnis des eigenen Glaubens.
b. Gesellschaftlich sollte unsere Kirche einen Beitrag zur Wahrung des sozialen Friedens in unserer Region leisten. Die sich vollziehenden sozialen Verwerfungen sollten sorgfältig beobachtet und analysiert werden. Wir sollten an der Seite der Verlierern der Umstrukturierungsprozesse stehen und für Minderheiten eintreten, wenn sie zu Sündenböcken gemacht werden.
c. Die gemeindliche Diakonie im Sinne von innergemeindlicher, geschwisterlicher Hilfe und Nachbarschaftshilfe muss gestärkt oder neu zurückgewonnen werden. Nur als ein Beispiel nenne ich die Verantwortung gegenüber den älteren Menschen, denen das staatliche System in Zukunft immer weniger einen würdigen Lebensabend gewährleisten wird. Die Erfahrung in anderen Kirchen zeigt, dass über solches Engagement die Gemeinde wächst.


zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003