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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Lange Beratungen um Änderung der Kirchenordnung
Verhältnis Juden und Christen nicht wirklich geklärt

Pfr. Rolf Fersterra, Vors. theologischer Ausschuss
23.06.2005 19:21
Die Synodalen taten sich auf der vergangenen Kreissynode des Kirchenkreises Siegen nicht leicht mit der Ergänzung des ersten Artikels der Kirchenordnung, geht es doch in ihm um eminent wichtige Grundsätze des Kirche seins in Westfalen. Das Verhältnis von Christen und Juden galt es grundsätzlich in der Kirchenordnung festzuschreiben. Lange hatte man in der Landeskirche in den vergangenen Jahren an vielen Stellen über dieses Thema beraten. Eng mit diesem Thema verbunden ist die theologisch unterschiedlich beantwortete Frage, ob Christen unter Juden missionieren sollen oder nicht. Erschwert wird in unseren Landen die Beantwortung auch wegen der großen Schuld, die das deutsche Volk gegenüber den Juden auf sich geladen hat.Dass die unterschiedlichen Standpunkte nicht kompatibel sind, zeigte sich nach kurzer Zeit. Geht man doch von unterschiedlich begründeten Denkansätzen aus, die sich wiederum jeweils unterschiedlich auf Aussagen des Alten und Neuen Testamentes beziehen.
Die einen halten zwei unterschiedliche Heilswege für Juden und Christen für gegeben, die anderen einen Heilsweg für Juden und Christen gleichermaßen. Bei den einen begründet sich der Heilsweg für die Juden in der unverbrüchlichen Treuezusage Gottes zu seinem Volk. Die anderen betonen die Christologie, wonach das durch Christus erwirkte und im Glauben erfasste Heil für beide Gottesvölker gelte. Schriftzitate halfen nicht wirklich weiter, da sie aus unterschiedlichen Denkansätzen heraus unterschiedlich ausgelegt werden und sich die Bibel zu dieser Fragestellung nicht eindeutig äußert. So blieb denn nur die Abstimmung, um die Mehrheitsfrage zu klären. Für die "richtige" theologische Einschätzung bleibt weiterhin nach gutem evangelischem Brauch jeder für sich selber zuständig. Mit Mehrheit beschloss die Synode, das Wort "alle" einzufügen und brachte damit zum Ausdruck, das Gott in Christus alle Menschen zu sich ruft.

Zur Empfehlung an die Landeskirche beschlossen die Synodalen mit großer Mehrheit folgende Ergänzung (fett hervorgehoben) des Artikels I der Kirchenordnung:

Die Evangelische Kirche von Westfalen urteilt über ihre Lehre und gibt sich in ihrer Ordnung im Gehorsam gegen das Evangelium von Jesus Christus, dem Herrn der Kirche.

"Sie tut dies im Vertrauen auf den dreieinigen Gott,der Himmel und Erde geschaffen hat,der Israel zu seinem Volk erwählt hatund ihm die Treue hält,der in Jesus, dem Juden,dem gekreuzigten und auferstandenen Christus,alle Menschen zu sich ruftund sie durch den Heiligen Geistgemeinsam mit Israelzu seinen Zeugenund zu Erben der Verheißung macht."

In dieser Bindung und in der darin begründeten Freiheit überträgt sie ihre Ämter, übt sie ihre Leitung aus und erfüllt sie ihre sonstigen Aufgaben.
kp

Text zum Bild (2): (Foto Karlfried Petri)
Die Synodenvorlagen zu den Änderungen der Kirchengesetze brachte der Vorsitzende des theologischen Ausschusses Rolf Fersterra sachkundig ein.

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