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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kirchentag für Schule und Gemeinde am evau in Weidenau
Steffensky und Nipkow erhielten viel Beifall - Podiumsdiskussion zum Thema Mission erhitzte die Gemüter - breit gefächertes Musikprogramm und viele Informationen aus den Gemeinden und dem Kirchenkreis

Kirchentag für Schule und Gemeinde
15.09.2005 16:09
Ein buntes Angebot von Themen rund um das Thema Glauben und viel Musik wurde den Besucherinnen und Besuchern des Kirchentages für Schule und Gemeinde am vergangenen Samstag im Evangelischen Gymnasium in Weidenau geboten.
"Wir betreten Neuland mit dem Kirchentag für Schule und Gemeinde", sagte Superintendentin Annette Kurschus in der Haardter Kirche, wo Schüler, Lehrer und Gemeindeglieder den Eröffnungsgottesdienst feierten. Die Blechinstrumente des Schulbläserkreises erschallten kräftig im Kirchenschiff und auch der Schulchor wusste die Gospels gekonnt zu intonieren. Der theologische Vizepräses der westfälischen Landeskirche Dr. Hans-Detlef Hoffmann beschrieb in seiner Predigt den Glauben als einen Schrei aus der Tiefe um Hilfe, bei dem alles von Gott und nichts von einem selbst erwartet werde. Glaube sei keine menschliche Leistung, sondern Gottes Geschenk an uns.
Grußworte der Politik, der gastgebenden Gemeinde und des Schulamtes brachten die gegenseitige institutionelle und persönliche Verbundenheit zum Ausdruck.
Dann begaben sich die Gottesdienstbesucher zum Gymnasium, wo sie ein umfangreiches und vielseitiges Programm, etliche Informations- und Verkaufsstände, viel Musik und kulinarische Köstlichkeiten erwarteten. Für die kleineren Kinder war die Turnhalle der Ort, wo sie sich austoben und ihre Geschicklichkeit oder Kletterfähigkeiten unter pädagogischer Aufsicht unter Beweis stellen konnten. Etwa 1000 Menschen, so die Schätzung des Schulhausmeisters, hatten sich im Laufe des Tages auf dem Gelände des Gymnasiums eingefunden.

Im Glauben Beten und Glauben lernen

Das Referat von Prof. Dr. Fulbert Steffensky aus Hamburg wurde am Vormittag von etlichen Erwachsenen mit Interesse erwartet. Der von evangelischen Kirchentagen bekannte und geschätzte Redner hatte sich auf das Thema "Die Flucht in den Blick der Güte - Beten lernen" eingelassen. Mit ungewohnten Formulierungen, poetisch zärtlich und humorvoll werbend erzählte er, was Beten ihm bedeutet. Er machte Mut zum Beten, auch bei aller selbst eingeschätzter Unzulänglichkeit: "Ich brauche nicht in der eigenen Bedürftigkeit zu verhungern." "Ich kann als Beter in Heiterkeit Fragment sein." "Es kommt nicht auf unsere Gestimmtheit an." Für ihn ist Gebet ein Zeichen des Vertrauens. "Im Gebet haben wir aufgehört, etwas für uns selbst vorzubringen. Gebet gelingt uns nicht aus der eigenen Stärke."Er gab seinen Zuhörern einige Handwerksregeln des Betens mit auf den Weg. So hält er feste Gebetszeiten und Gebetsorte für empfehlenswert. Gebet ist für ihn Arbeit, die zu tun ist. Dabei solle man ruhig streng mit sich selber sein, diszipliniert mit einer religiös gebildeten Aufmerksamkeit. Er lobte die Tradition und deren Überlieferungen. Die seien wie eine Hoffnungsverleihanstalt.

Aus dem Schwabenland war Prof. Dr. Dr. Karl Ernst Nipkow für das Referat am Nachmittag angereist. Sein Thema "Glauben lernen?! - zwischen "verschultem" und persönlich relevantem Lernen" brachte nicht nur die Religionspädagogen zum Nachdenken. Der emeritierte Professor für Praktische Theologie plädierte für einen lebendigen, handlungsorientierten Religionsunterricht, insbesondere an evangelischen Schulen. Dazu gehöre die Vernetzung mit Presbyterien, Gemeinden und Eltern. Der christliche Glaube sei in vielen Familien nicht mehr verankert, die religiöse Erziehung mittlerweile institutionalisiert. Religion sei in jedem Menschen angelegt, so dass es in Schulen darum gehe,"diesen Schatz bei Kindern zu berücksichtigen". Nicht prägen, sondern einladen zum Lernen von Person zu Person sei dabei gefragt. "Selbstständiges Lernen bis in die Tiefenstrukturen hinein kann den Kindern und Jugendlichen nämlich niemand abnehmen", machte Nipkow deutlich, insofern seien die Erwartungen an Lehrerinnen und Lehrer weit überschätzt. Die Anforderungen an Lehrende hingegen seien immens. Leben, lernen und aufwachsen jedes Einzelnen sei heilig, betonte er. Deshalb sei nicht nur vonnöten, Schülerinnen und Schülern ehrlich und authentisch gerade in Gottesfragen gegenüberzutreten, sondern auch abseits von verschultem, sezierenden und analysierendem Lernen mit modernen Techniken zu arbeiten, die zum selbstständigen Nachfragen und schließlich persönlich relevantem Lernen führen. "Wir dürfen unsere Jugend nicht um Gott betrügen", betonte Nipkow.

Missionarisch Leben und dem gnädigen Gott vertrauen

Spannend wurde es, als die Podiumsdiskussion zwischen Pfr. Olaf Latzel und Pfr. Ralph van Doorn auf dem Programm stand. Beide waren vor einigen Jahren auf einer Synode über das Verhältnis der Kirche zum Islam heftig aneinander geraten. Ihre Idee war es, diese Diskussion auf einem Podium beim Kirchentag für Schule und Gemeinde unter dem Stichwort Missionsverständnis fortzuführen. Der ehemalige Schulleiter Herbert Ochel hatte die Aufgabe, das Streitgespräch zu moderieren. Sprachgewandt und diskussionserfahren wusste er zum richtigen Zeitpunkt einzuschreiten und die Hitze der Wortbeiträge abzukühlen.
Olaf Latzel eröffnete die Auseinandersetzung, nachdem er den Missionsbefehl aus Matthäus 28 gelesen hatte, mit markigen Sätzen: "Lebendige Kirche ist nur dort, wo sie missionarisch ist. Ein Christ ist nur ein Christ, wenn er missionarisch ist." Den Menschen sei zu verkündigen, dass sie nur dann gerettet würden, wenn sie an Jesus Christus glaubten. Alles andere führe in die Verdammnis. Das zu verkündigen, sei Aufgabe der Kirche. Wo dies gelebt werde, segne Gott das Gemeindeleben. Es gehe um das ewige Leben. Leider gebe es in der Kirche viele, die dies nicht mehr so sähen. Heute sei es egal, an was für einen Gott man glaube. Dies sei eine Irrlehre. "Wenn Kirche nicht mehr den missionarischen Auftrag lebt, ist sie nicht mehr Kirche." Auf den Islam zu sprechen kommend, macht Latzel deutlich, es gehe dabei um die Frage, ob Allah derselbe Gott sei, wie der, der sich in der Bibel offenbare und ob es einen anderen Weg zu ihm gebe, als durch Jesus Christus. Er trat dafür ein, auch Muslimen gegenüber die frohe Botschaft in Klarheit, Wahrheit und Liebe zu sagen. Der Glaube an den gekreuzigten Christus sei das Zentrale des Christlichen Glaubens. Dies habe mit der Darstellung Jesu im Koran nichts zu tun. Diese Heilstatsache werde von den Muslimen nicht anerkannt.

Ralph van Doorn hatte einen anderen Denkansatz. Er erzählte von seinen Erfahrungen nach dem 11. September 2001. An der Universität Siegen seien Muslime mit Kopftuch unter Druck geraten. Per Geste habe man ihnen Morddrohungen signalisiert oder ihnen vor die Füße gespuckt. Im Siegerland seien Häuser mit dem Hinweis auf Matthäus 28 nicht an Muslime verkauft worden. Eine Freie Evangelische Gemeinde habe Muslime zum Dialog eingeladen. 50 Muslime seien der Einladung gefolgt. Es habe eine Belehrung erfolgt mit dem Hinweis, wenn ihr Kinder Gottes werden wollt, bekehrt euch heute zu ihm. Derartige Proklamierungen seien eine Art christlichen Hoheitsdenkens. Gottes Weg zu uns sei jedoch langmütig, freundlich und entwürdige nicht. In Matthäus 28 werde der Bericht über die Situation der Jünger wiedergegeben, die auf dem Weg nach Galiläa seien. Da werde niemand gezwungen und es bleibe Raum für Zweifel. "Können wir Christen auch mit offenen Fragen leben" Was wir als Gewalt erlebten, sei nicht das letzte Wort. Nach seiner Auffassung ist das Reich Gottes größer als die Kirche. Es gelte an der Demut des Glaubens festzuhalten und am Wunder der Auferstehung teilzuhaben. Van Doorn zitierte Bonhoeffer: "Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht." Das Feuer des Dornbusches (in dem Gott dem Mose begegnete) könne man nicht anpacken. Die Menschen seien gerettet auf Hoffnung. "Wir alle haben die versöhnende Kraft Jesu vor uns." "Wir haben nichts in der Hand und sehen wie durch einen dunklen Spiegel." Das Wort vom Kreuz sei zentral. Christus sei gestorben, begraben und auferstanden. Der Koran bezeuge nicht den gekreuzigten Christus. Aber er sage, dass wir vor Gott mit leeren Händen stünden. Dieses Vertrauen auf Gott sei nicht einfach blankes Heidentum. Er gehe davon aus, dass Christus auch die kulturellen und religiösen Verschiedenheiten versöhne. Christus sei höher und größer als alle Kulturen und auch als die Kirchen. Er sei uns weit voraus. Beifall erhielten beide gleichermaßen für ihre Positionen.

Mit einem Worship-Night-Gottesdienst ging der erste Kirchentag für Schule und Gemeinde zu Ende. Viele Schülerinnen und Schüler und manch Ehrenamtlicher aus den Kirchengemeinden hatten sich eingebracht und gemeinsam Neuland betreten.
kp/ChSt.

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Mit einem Gottesdienst in der Haardter Kirche wurde der Kirchentag für Schule und Gemeinde eröffnet. Der Schulchor des evau gestaltete den musikalischen Rahmen mit.

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