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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

"Wenn die Seele nach Hilfe schreit"
Helga Rothenpieler berichtete im Konfirmandenunterricht über die Arbeit der Suchtkrankenberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Siegen

Suchtberatung im Konfirmandenunterricht
07.10.2005 15:58
"Manchmal kommen die Kinder zu uns und sagen erst mal gar nichts, sondern weinen nur", erläuterte Helga Rothenpieler anschaulich den Konfirmanden in Dreis-Tiefenbach einen Teilbereich ihrer Arbeit in der Suchtkrankenberatungsstelle des Diakonischen Werkes in Siegen. Was die Suchtkrankenberatungsstelle anbietet, war den Konfirmanden theoretisch schon klar: Hilfen für Suchtmittelabhängige und -gefährdete, Hilfe für deren Angehörige und Bezugspersonen, vorbeugende Hilfen für Kinder, Jugendliche und Suchtmittelgefährdete Aufklärung der Öffentlichkeit; so "hautnah" aber aus dem Mund einer Mitarbeiterin zu erfahren, wie die Arbeit dort aussieht, war für alle neu.

Helga Rothenpieler hat sich spezialisiert auf die Arbeit mit Kindern suchtkranker Eltern (-teile). Kinder alkoholkranker Eltern sind besonders suchtgefährdet. Rechtzeitige und wirkungsvolle Hilfe könnte manche "Drogenkarriere" verhindern, wird aber bislang zumeist versäumt. In Deutschland wachsen nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen über 2,5 Millionen Kinder mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. Somit ist jedes siebte Kind - wenigstens zeitweise - von der Alkoholabhängigkeit eines Elternteils betroffen. Jährlich werden 2200 alkoholgeschädigte Kinder geboren. Mittlerweile wird erfreulicherweise zunehmend gezielte Präventionsarbeit mit Kindern Suchtkranker gefördert und stellenweise auch geleistet, doch die Regel ist dies nicht. Gesetzlich geregelt und finanziell abgesichert ist ausschließlich die Behandlung des Suchtkranken, eventuell noch des Ehepartners, doch wie es um die Kinder steht, wird noch immer eher tabuisiert.
Die Beratungsstelle in Siegen ist eine der ganz wenigen in der Bundesrepublik, die diese Arbeit konzeptionell und ausdrücklich mit einer Fachkraft betreibt, und das schon seit mehreren Jahren. Da finanziell nur die Arbeit mit dem Suchtkranken selbst abgesichert ist, aber nicht die mit den unter der Suchtkrankheit der Eltern leidenden Kindern, ist die Beratungsstelle auf Spenden angewiesen. Diese Arbeit ist für das Diakonische Werk von großer Bedeutung: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder oder für eine meiner geringsten Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan" (Matth. 25,40 - Gute Nachricht). Um nichts geringeres geht es als um das Gebot Jesu. Dafür steht die Diakonie.
Dass bei den Konfirmanden auch neugierig Fragen nach der Wirkungsweise von Suchtmitteln gestellt wurden und sich sozusagen eine "Experten-runde" austauschte , gehörte dazu und ist schließlich auch ein Teil der "Suchtmittelgefährdeten Aufklärung der Öffentlichkeit".

Thomas Weiß

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