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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Reformbeschlüsse mit Leben füllen und vor Veränderungen keine Angst haben
Altpräses Manfred Sorg hielt Reformationsvortrag in der Martinikirche

Altpräses Manfred Sorg
04.11.2005 13:07
Die Zukunft der Kirche war Thema am Reformationstag in der Martinikirche. Der Siegener Gemeindeverband hatte, wie alljährlich, zum Reformationsvortrag geladen. "Ecclesia semper reformanda" - die Kirche ist immer zu reformieren, hieß es vor über 470 Jahren während der Reformation. Vor fünf Jahren hat die westfälische Landeskirche einen umfassenden Reformprozess begonnen, um Wesen und Auftrag der Kirche neu zu bedenken auch im Hinblick auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Altpräses Manfred Sorg hat diesen Prozess maßgeblich mit initiiert und geprägt. In der Siegener Martinikirche zog er eine theologische Zwischenbilanz. Die diesjährige Landessynode hat die Ergebnisse des Reformprozesses beraten. Sorg: "Es gilt in der zweiten Halbzeit die gefassten Beschlüsse auf allen Ebenen der Landeskirche mit Leben zu füllen, um 'Kirche mit Zukunft' Nachhaltigkeit zu verleihen".
Nach Prediger 3, 1 gebe es für alles eine bestimmte Stunde und günstige Zeit. Im Rahmen des Reformprozesses gelte es somit zu fragen, was ist für uns heute als Kirche an der Zeit?

Die theologische Dimension des Reformprozesses verglich Sorg mit einem Haus, angeregt durch den 1. Petrusbrief: "Zu ihm kommet als zu dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen ist, aber bei Gott ist er auserwählt und köstlich. Und bauet auch ihr euch als lebendige Steine zum geistlichen Hause und zur heiligen Priesterschaft."
Christus, der lebendige Eckstein, sei Grund und Maß. Er bewahre die Kirche aber auch vor Selbstzweifeln und Selbstüberschätzung.
Die Entwicklung habe aus einer Minderheitskirche eine Volkskirche werden lassen. Viele Menschen hätten eine Sehnsucht nach einem Ort des Freiraumes. Das kirchliche Haus solle daher einladend sein, gastfreundlich und Schutz bietend. Es stehe auf dem Fundament der Liebe Gottes und halte auch, wenn es hier und da bröckele. Reparaturen seien nötig. Ggf. müsse auch mal was abgerissen werden. Dies sei möglich, weil sich das Fundament der Liebe Christi als tragfähig erwiesen habe.
Viele Menschen könnten in dem Haus mit offenen Türen wohnen. Das Haus stehe mitten in der Welt, die Gott in Christus mit sich versöhnt habe. Kirche, die sich auf Jesus Christus gründe, stehe auf dem Fundament der Hoffnung. In Jesus sei sichtbar geworden, dass Gott rette und heile und selbst da helfen könne, wo wir am Ende seien. Auch der Tod sei ein ständiger Gast im Haus, aber er habe nicht das Sagen.

Anschließend zeigte Altpräses Sorg auf, was aus seiner Sicht Bestandteil von Kirche ist und sie zukunftsfähig macht.
Die Zukunft der Kirche, so der Altpräses, entscheide sich nicht allein aus organisatorischen Erwägungen heraus, sondern aus der Predigt des Evangeliums, der Feier der Taufe und des Abendmahls.
Die Kirche erzähle was komme und was zu erwarten sei. Dies unterscheide sie von allen anderen Bewegungen.
Die Kirche habe die Gewissheiten des Glaubens so zu vermitteln, dass auch Kirchendistanzierte sie wahrnähmen, dass sie die Relevanz des Glaubens zu ihrem Leben entdecken könnten.
Hinzu komme die Diakonie als Tat der Heilung, Versöhnung und Gesundheit. Es gelte Partei zu ergreifen für Schwache und in Not geratene Menschen. Jesus habe sich den Schwachen und Kranken zugewandt.

Kirche brauche aber auch Bildung und Verkündigung, um zu Selbstständigkeit und Selbstverantwortlichkeit zu führen. Als unverzichtbare Bestandteile der Bildung bezeichnete er Kenntnisse und Inhalte des christlichen Glaubens. Die theologische Bildung habe mit der Gottesebenbildlichkeit des Menschen zu tun. Menschen kämen an Schwellensituationen des Lebens wie Geburt, Erwachsen werden, Hochzeit oder Tod mit der Kirche in Kontakt.
Nach der McKinsey-Studie in München hätten 81% der Befragten ihre Mitgliedschaft in der Kirche mit der Begleitung an den Eckpunkten des Lebens begründet. Kirche habe die Aufgabe, Menschen zur Seite zu stehen bei der Bewältigung von Krisen und mit ihnen die Höhepunkte ihres Lebens zu feiern. Es gehe um Rat und Seelsorge.

Kirche benötige eine missionarisch-dialogische Kompetenz. Es sei notwenig mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die vielleicht zum ersten Mal über Gott nachdächten. "Wer retten will muss wagen und wer bewahren will muss verändern", zitiert Sorg den Theologen Johann Baptist Metz. Die Kirche müsse den Dialog, das Gespräch und die Auseinandersetzung mit Menschen führen, um sie in ihrer Situation abholen zu können. In der Vielfalt des Lebens müsse die Kirche die Vielfältigkeit aushalten können.
"Gott hat schon längst begonnen, alles neu zu machen", bezog sich Sorg abschließend auf Offenbarung 21,5. "Daher brauchen wir uns vor Veränderungen nicht zu ängstigen."

Das Bläserensemble Pian’ e forte gestaltete den musikalischen Rahmen des Festvortrages.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Altpräses Manfred Sorg referierte am Reformationstag in der Siegener Martinikirche zu "Kirche mit Zukunft".

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