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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreismännertag des Kirchenkreises Siegen mit Überraschungsgast aus Karlsruhe
Bundesverfassungsrichter Herbert Landau und Pfarrer Christoph Dasbach
18.11.2005 12:47
Ein Großteil der mittlerweile 17 Männerkreise im Kirchenkreis Siegen traf sich jetzt zum Kreismännertag im Gemeindehaus der Siegener Nikolaigemeinde. Einige Kreise, so war der Vorstellungsrunde zu entnehmen, sind erst in den letzten Jahren entstanden. Die Kreise treffen sich regelmäßig 14-tägig oder monatlich.
Die Andacht zu Beginn des Treffens hielt Pfr. Stefan König in der Nikolaikirche. Anschließend zogen die Männer um ins benachbarte Gemeindehaus.

Das Referat zum Thema: "Unser Glaube, unser Leben, unser Handeln als Männer in der Gemeinde Gotte" hielt Pfr. Christoph Dasbach aus Wilnsdorf. Er wurde im Frühjahr dieses Jahres von der Synode des Kirchenkreises Siegen zum Beauftragten für die Männerarbeit gewählt.
Er beschrieb den Menschen als Geschöpf Gottes, der sein Leben als von Gott geschenkt kreativ und schöpferisch gestalten könne. Der Mensch habe von Gott die Verantwortung, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Das Leben beschrieb er als einen Kampf. Dies werde im Geschäftsleben ebenso deutlich wie in seelsorglichen Gesprächen. Manches Mal setze sich der Stärkere durch.Das Beziehungen im Leben wichtig seien, merkten auch viele ältere Menschen, die nach der Pensionierung in ein tiefes Loch fielen. Dazu gehörten das Verhältnis zum Ehepartner und zu den Kindern. Solche Beziehungen gäben einen großen Sinn.
Das Leben sei auch ein harter und schwerer Lernprozess, zu dem abgeben und loslassen, Krankheit und Leid gehörten. Dasbach: "Bis wir die Augen zu machen sind wir Lernende." Dadurch entstehe Reife und Lebensweisheit, Lebenssinn und Lebensfreude.
Das Leben entwickele sich, so der Referent, zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung. Fremdbestimmung sei ein Schicksal. Es gäbe Krankheiten, Tod und Niederlagen, die nicht eingeplant werden könnten. Das Leben müsse angenommen werden wie es sei.

Lebenssinn
Arbeit, Erleben und Grenzerfahrungen machten das Leben aus und gäben ihm Sinn. Auf den ersten Blättern der Bibel stehe, dass der Mensch im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen solle. Arbeit sei Lebenssinn und Lebenserfüllung. Menschen erlebten aber auch die Vergeblichkeit ihrer Arbeit. Man mühe sich ab und habe doch keinen Gewinn. Am Segen Gottes sei alles gelegen. Durch die Arbeit habe der Mensch Teil am Schöpfungsauftrag Gottes. Die Bibel messe der Arbeit einen hohen Stellenwert zu. Daher stellten die 5 Mio. Arbeitslose für die Gesellschaft eine hohe Herausforderung dar. Arbeit müsse verteilt werden. Es stimme nicht mehr, dass der, der Arbeiten wolle, auch Arbeit finde.

Lebenssinn ergebe sich nach dem Psychiater und Psychotherapeuten Viktor Frankl auch durch das Erleben der Umwelt. Wenn ein Mensch durch die Transzendenzerfahrung in der Schöpfung zum Staunen komme, erlebe er sein Leben reich und lebenswert. "Wenn ich die Schöpfung, die Welt und den Wohlstand sehe, dann werde ich dankbar", beschrieb der Männerbeauftragte sein eigenes Empfinden. Dankbarkeit sei ein Motiv des Christen, sich zu engagieren. Dasbach empfahl, dem Jammern und der Unzufriedenheit die Dankbarkeit entgegenzusetzen. Christen könnten dankbar sein für das Erleben und Spüren der Güte Gottes, für das eingebettet sein in die Heilsgeschichte Gottes.

Grenzerfahrungen wie Krankheit, Leid, Schuld und Tod hätten mit dem Sinn des Lebens zu tun. Es gehöre zum Glauben, sich anzunehmen, wie man sei. Damit täten sich Männer schwer. Auch sie hätten Vergebung so nötig wie das tägliche Brot. "Ich darf zu meinen Fehlern stehen." Sich keine Fehler zuzugestehen und zu verzeihen, mache hart und unbarmherzig.

Macht der Argumente im Bundesverfassungsgericht
Als Überraschungsgast stellte Pfr. Dasbach Herbert Landau vor, der seit 1. Oktober Richter des Bundesverfassungsgerichtes in Karlsruhe ist. Der gebürtige Wilgersdorfer und ehemalige Presbyter absolvierte zunächst eine Lehre in der elterlichen Bäckerei, begann ein Studium der Sozialarbeit und studierte nach einem Anerkennungsjahr als Sozialarbeiter Rechtswissenschaften.
Landau erzählte über die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts und stellte sich den Fragen der Männerkreise. Die erfuhren, dass sich das Gericht oft mit der Werteordnung des Grundgesetzes zu befassen habe. Bei ihren Entscheidungen brächten die Richter ihre eigene Lebenserfahrung und Weltanschauung mit ein. Da Mehrheitsentscheidungen gefordert seien, zähle die Macht der Argumente. In der Vergangenheit seien die Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, allgemeine Handlungsfreiheit oder aber die Menschenwürde Grundrechte gewesen, mit denen sich das Gericht habe auseinander setzen müssen. Der theologische Gerechtigkeitsbegriff wurde ebenso Gesprächsthema wie die menschliche Gerechtigkeit. Eindeutig formulierte Landau, dass nach Luther der Mensch vor Gott gerecht werde allein durch das Blut Jesu Christi. Für eine allgemeine menschliche Gerechtigkeit sei die Definition noch nicht gefunden. Lediglich eine Einzelfallgerechtigkeit könne erreicht werden.
Nach dem Mittagessen konnte die Nikolaikirche besichtigt und eine Turmbesteigung vorgenommen werden.
Der nächste Ausflug in 2007 soll über Himmelfahrt stattfinden und nach Neustadt an der Weinstraße führen. Der nächste Kreismännertag findet am 11. November 2006 statt.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Über die Arbeit des Bundesverfassungsgerichtes befragten die Männerkreise Herbert Landau, seit kurzem Richter des Bundesverfassungsgerichts. Im Bild von links: Bundesverfassungsrichter Herbert Landau und Pfarrer Christoph Dasbach.

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