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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Das Hirtenamt kann in einer Gemeinde von mehreren Personen ausgeübt werden
Prof. Dr. Georg Plasger zu: Kirchenordnung als Gemeindeaufbau?!

Prof. Dr. Georg Plasger
01.12.2005 10:44

Eine schwere Aufgabe soll die Kreissynode am kommenden Mittwoch bewältigen. Ihr obliegt es, verbindliche Richtlinien zur Ermittlung des Pfarrstellenbedarfes festzulegen. Etliche Pfarrstellen müssen bis 2009 abgebaut werden, will nicht der Kirchenkreis mehr Personalkosten für Pfarrerinnen und Pfarrer ausgeben als von der Landeskirche zugewiesen, machte Superintendentin Annette Kurschus zu Beginn der Versammlung im Gemeindehaus St.-Johann-Straße, Siegen, deutlich. Weder die Kirchengemeinden noch der Kirchenkreis verfügen über diese zusätzlichen finanziellen Mittel. Von der jetzt stattgefundenen synodalen Versammlung erhofften sich die Synodalen des Kirchenkreises Siegen theologische Leitlinien zur möglichst gemeindegerechten Bewältigung dieser Situation. Als Referenten eingeladen hatte der reformierte Kirchenkreis den seit kurzem an der Siegener Universität lehrenden reformierten Theologen Prof. Dr. Georg Plasger.

Kirchengeschichtliche Entwicklung

Plasger zeigte zunächst anhand der kirchengeschichtlichen Entwicklung das unterschiedliche Verständnis von den Ämtern in der evangelischen Kirche auf. So gab es für den Reformator Calvin, der das reformierte Kirchenverständnis maßgeblich prägte, vier Ämter oder Dienste in der Kirche: Pfarrer, Lehrer, Diakone und Älteste. Obwohl er alle diese Ämter als gleichwertig angesehen hat, maß Calvin der Wortverkündigung eine besondere Bedeutung zu. Auch die Kirchenordnung war für ihn bedeutsamer als beispielsweise für Luther. Nach Calvin brauchen Menschen eine Ordnung, damit es ehrbar und ordentlich zugeht. Eine gute Ordnung erkenne man daran, ob sie der Auferbauung der Gemeinde diene. Eine Kirchenordnung sei deshalb nicht für alle Zeiten festgeschrieben, sondern könne unter diesem Gesichtspunkt geändert werden.

Zum Dienst in der versammelten Gemeinde

Heute würden in den Gemeinden mehr Dienste wahrgenommen, als zu Calvins Zeiten und sie würden unterschiedlich gewertet. Die einen würden ordiniert, andere würden noch nicht einmal in ihren Dienst eingeführt. Das Hirtenamt in der Gemeinde sei nicht auf eine Person beschränkt, sondern könne von mehreren Personen ausgeübt werden. Da Pfarrer mittlerweile viele Verwaltungs- und Managementaufgaben wahrnähmen, müsse seines Erachtens unterschieden werden zwischen dem Dienst am Wort und der Organisation des Pfarramtes.

In der sich anschließenden Diskussion stellte der Referent heraus, dass alle Dienste in der Kirche der versammelten Gemeinde zu dienen haben. Auf den Gerechtigkeitsbegriff angesprochen machte er deutlich, dass biblische Gerechtigkeit keine Verteilungsgerechtigkeit nach dem Prinzip „alle bekommen das Gleiche“ bedeutet, sondern den Schwachen auf die Beine hilft.Abschließend gibt er den Rat, nicht nur auf Pfründe zu schauen, sondern darauf zu vertrauen, dass der Herr seine Gemeinde lenkt.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Prof. Dr. Georg Plasger referierte vor den Synodalen des Kirchenkreises Siegen zur Gestaltung von Gemeinde aus reformierter Sicht. Entscheidungen im Hinblick auf die Synode konnte und wollte er den Synodalen jedoch nicht abnehmen.


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