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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

"Von dem erzählen, dem wir nachfolgen und auf den wir warten"
Erster Synodenbericht der Superintendentin Annette Kurschus

Superintendentin Annette Kurschus
12.12.2005 11:34

Mit anhaltendem Applaus quittierten die Synodalen des Kirchenkreises Siegen auf der jetzt stattgefundenen Herbstsynode den ersten Synodenbericht der Superintendentin Annette Kurschus.
Schon zu Beginn setzte die Superintendentin einen geistlichen Doppelpunkt. Ihr ging es um mehr als nur um Strukturen und Finanzen: "Wenn wir uns als Kirche, als Kirchenkreis dem Auftrag verpflichtet wissen, die Botschaft von Gottes freier Gnade auszurichten an alles Volk, dann lasst uns die Menschen in den Blick und auf unser Herz nehmen. Sie haben ein Recht darauf zu erfahren, wovon unsere Ohren und Herzen ihre hoffnungsvolle Nahrung erhalten; sie müssen wissen, worauf unser Blick als Christen sich richtet und woher er seine Zuversicht nimmt; wir müssen ihnen davon erzählen, was uns zu tragen vermag in unserer eigenen Ungewissheit und Angst. Was gibt es Größeres und Wichtigeres für uns, als andere etwas davon spüren zu lassen, dass der, auf den wir warten, schon jetzt unser Hier und Heute verändert."

Superintendentin Kurschus ging ein auf die sich verändernden Rahmenbedingungen, die es erfordern, die breite Vielfalt kirchlicher Arbeit deutlich zu beschneiden. Kurschus: "Auch eine an finanziellen Möglichkeiten ärmer gewordene Kirche kann eine lebendige und wachsende Kirche bleiben. Sie kann unter den veränderten Bedingungen stärker als bisher zur Beteiligungskirche werden."

Die Gemeindeberichte hätten sie zum großen Teil bewegt, weil aus vielen dieser Rückblicke deutlich werde, wie lebendig, hoffnungsvoll sich Kirche vor Ort präsentiere. Da würden neue Gottesdienstformen ausprobiert, Glaubenskurse veranstaltet, Projekte, die die Konfirmandinnen und Konfirmanden stärker ins Gemeindeleben mit einbeziehen, ersetzten traditionelle Formen des Kirchlichen Unterrichtes. Es gäbe neue Gesprächsangebote für junge Erwachsene; Kindergartenarbeit und die Praxis der Säuglingstaufe würden zu intensiven Kontakten mit Eltern und Paten genutzt. Es entstünden Besuchsdienstkreise und es würden Perspektiven für Gemeinden entwickelt.

Kurschus bringt ihre Überzeugung im Zusammenhang mit Gemeindeleitung zum Ausdruck, das da, "wo wir Gottes Wort Raum geben, es immer wieder neu hören und ernst nehmen und ihm etwas zutrauen, da erfahren wir tatsächlich Orientierung, da bleiben wir bei Gottes Maßstäben und gewinnen aus ihnen eine tragfähige Grundlage für unsere menschlichen Entscheidungen. Aber Gott löst nicht an unserer Stelle die organisatorischen und praktischen Fragen für den Weg unserer Gemeinden und unseres Kirchenkreises." Deshalb hält sie Leitungsgremien für wichtig, die ihrerseits nach verantwortlichen, praktikablen Lösungen suchen und Entscheidungen wagen. Die Entscheidungen sollten für andere durchsichtig und nachvollziehbar gemacht werden. Dadurch könne ein Klima des gegenseitigen Vertrauens und des offenen Austauschs wachsen.

Kreissynode Siegen in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf


Die Referate und Einrichtungen des Kirchenkreises bezeichnete die Superintendentin als einen großen Schatz. Der enge Bezug zu den Ortsgemeinden sei im vergangenen Jahr an verschiedenen Stellen, wie beispielsweise am Kirchentag für Schule und Gemeinde, deutlich geworden.

Zu der Kirche vor Ort gehörten die Partnerschaften, die der Kirchenkreis und erfreulich viele Gemeinden mit Christen in anderen Teilen Europas und auf anderen Kontinenten der Erde pflegten. Dies sei kein Hobby, auf das man ebenso gut auch verzichten könne, sondern sie gehörten unverzichtbar zum Wesen von Kirche.

Nach den schmerzlichen Auseinandersetzungen um Diakonie und Kirche in diesem Jahr, die zum Rücktritt von ihrem Vorgänger im Amt führten, stellte sie fest:"Kirche ohne Diakonie ist nicht Kirch". Für sie bleibt allerdings mit Nachdruck festzuhalten, dass "das grundsätzliche Anliegen einer Neubestimmung und Neugestaltung des Verhältnisses von Kirche und Diakonie in unserem Kirchenkreis von uns als dringliche Aufgabe begriffen werden muss, die wir mit großer Ernsthaftigkeit anzugehen haben, wenn wir in der Nachfolge Jesu Christi gemeinsam unterwegs bleiben wollen." Inzwischen, so merkt sie an, gebe es zur Verbesserung der Kommunikation regelmäßige Dienstbesprechungen zwischen der Geschäftsführung der Holding und der Superintendentin. Die Projektgruppe "Kirche und Diakonie" sei dabei, fundierte Maßstäbe zu entwickeln, anhand deren das gemeinsame Handeln in Zukunft transparenter, menschenfreundlicher und gemeindenäher gestaltet werden könne.

Die Reduzierung von Pfarrstellen betreffe Kirchengemeinden und ihre Pfarrerinnen und Pfarrer. Es gebe keine frei zu besetzenden Pfarrstellen mehr. Junge Theologen hätten so gut wie keine Chance mehr, ins Pfarramt zu kommen. Pfarrerinnen und Pfarrer empfänden sich als finanzielle Belastung mit eingeschränkter Zukunftsperspektive. Die Pastorinnen und Pastoren bräuchten die Unterstützung der Gemeinden, in denen sie als Seelsorgerinnen und Seelsorger wirkten.
Im Zusammenhang der Pfarrstellenplanung hebt sie die Chance hervor, in den Regionen fantasievoll und konstruktiv Zusammenarbeit zu gestalten. Auch die Stellen für Jugendreferenten und Gemeindepädagogen müssten dabei mit bedacht werden.

Als unerwartet positiv bewertete sie das Ergebnis der zu Beginn dieses Jahres harten Verhandlungen mit den Kommunen bezüglich der Finanzierung der Tageseinrichtungen für Kinder. Sie dankte allen, die sich dafür eingesetzt haben, die Kindergartenarbeit weiterhin größtenteils in der evangelisch profilierten kirchlichen Trägerschaft zu behalten.

Nicht vernachlässigt werden dürfe die große Chance, Presse, Radio und Fernsehen durch eine gezielte kirchliche Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen. Solche Arbeit sei heute wichtiger denn je.
Den Mitgliedern des Kreissynodalvorstandes, die neben den Fachkräften in der Verwaltung zu ihren engsten Mitarbeitenden gehörten, dankte sie für die vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das gemeinsame Tragen der Leitungsverantwortung sei für sie wohltuend und entlastend spürbar.

Annette Kurschus abschließend: "Lasst uns die Augen offen halten; die Ohren auch. Lasst uns die vielen nicht vergessen, die nach unserer Hoffnung fragen; lasst uns immer neu nach angemessenen Gesten und Worten suchen, um von dem zu erzählen, dem wir nachfolgen und auf den wir warten."
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Superintendentin Annette Kurschus machte in ihrem ersten Synodalbericht Mut und Hoffnung. Auch eine an finanziellen Möglichkeiten ärmer gewordene Kirche könne eine lebendige und wachsende Kirche bleiben.


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