Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Die Trauer aus dem Keller geholt, ehemalige Seelsorgerin in der Kinderklinik hinterlässt sichtbare Spuren
10.02.2006 12:21
erzählt die gebürtige Mecklenburgerin, wenn sie die Zeit im Siegerland Revue passieren lässt. Kranken Kindern und deren Eltern sowie dem Klinikpersonal zur Verfügung stehen, wenn Gespräch, Begleitung oder Gebet nötig waren, waren seit 2004 ihre Kernaufgaben. Nah am Menschen sein, mit tröstlichen Worten nur dann, wenn sie nicht als fromme Phrasen daherkommen, ist ihr wichtig. „Manchmal ist gemeinsames Schweigen und stilles Beten angemessener“, berichtet Herholz und betont, dass sie ihre eigene Kraftquelle ebenfalls im Gebet findet, „insbesondere dann, wenn Kinder im Krankenhaus sterben“. Wo man bis September 2005 in der Kinderklinik noch nicht gut für solche traurigen Fälle gerüstet war, hat die Seelsorgerin des Kirchenkreises zum Abschluss ihrer Tätigkeit im Siegerland gemeinsam mit einem Arbeitskreis von Klinikmitarbeitenden Spuren hinterlassen: einen Abschiedsraum für Angehörige von verstorbenen Kindern. „Die Idee existierte schon bei den Klinikmitarbeitenden, bevor ich dazu stieß“, erläutert Herholz, „da es - unserer Ansicht nach - nur einen unwürdigen Kellerraum für solche Trauerfälle gab, wollte ich nach besten Kräften mithelfen, eine angemessenere Räumlichkeit zu schaffen.“ Als die Klinikleitung grünes Licht gab – ein Umbau des Hauses stand ohnehin an – ging das Team mit viel Liebe zum Detail an die Planung. „Die Trauer aus dem Keller holen“ sollte in zweifacher Bedeutung Motto sein. „Der Tod und die damit verbundene Trauer sollen keine Tabuthemen sein, die abseits des ,normalen Lebens´ stattfinden“, war man sich im Arbeitskreis einig. Das sichtbare Ergebnis drückt Umsicht, Anteilnahme und Verständnis aus: Im Mittelpunkt des Raumes befindet sich eine schalenartige Bahre aus Nussholz, drum herum können Angehörige auf einer bequem gepolsterten, multifunktionalen Bank sitzen und in Ruhe Abschied nehmen. Durch die vom Siegener Künstler Lutz Dransfeld gestalteten Fenster fällt sanft und unaufdringlich Licht in Regenbogenfarben. „Auf festgelegte religiöse Symbole haben wir bewusst verzichtet“, so das Team, sollen sich doch die Angehörigen aller Religionsrichtungen in dem Abschiedsraum wohl fühlen können. So gibt es im Nebenraum eine Vorrichtung für muslimische Eltern verstorbener Kinder, die dem Waschritus bei Verstorbenen im Islam gerecht wird. Wer ein Kreuz als sichtbares Symbol braucht, findet im Regal ein solches zum Aufstellen. In ein Gästebuch können Trauernde ihre Gefühle und Gedanken schreiben oder je nach Wunsch einfach nur lesen, wie andere Menschen mit Trauerfällen umgehen. Der Schmetterling als Sinnbild für Verwandlung und Schönheit findet sich an einigen Stellen im Raum wieder und passt trefflich zum freundlichen Sonnengelb des Anstrichs. Sogar eine kleine Musikanlage kann auf Wunsch in Anspruch genommen werden, so dass weitgehend alle Bedürfnisse von Trauernden berücksichtigt wurden. „Wir freuen uns, dass wir mit diesem Raum die Trauer tatsächlich aus dem Keller ans Licht holen konnten“, freut sich Herholz gemeinsam mit dem „Arbeitskreis Abschiedsraum“. Für einen gesunden Trauerprozess sei es gut, einen Rahmen in Wärme und geschützter Offenheit zu haben. Wärme und Offenheit bescheinigten die Kolleginnen aus dem Team der Klinik beim Abschied der Pastorin Traute Herholz schließlich auch. „Du warst immer erreichbar“, so Stationsleiterin Steffi Stahlschmidt von der Kinderklinik und Herholz: „Die kollegiale Zusammenarbeit werde ich in guter Erinnerung behalten. Ich habe menschlich und fachlich-medizinisch viel gelernt für mein neues Arbeitsumfeld in der Evangelischen Kirchengemeinde Sodingen in Herne.“

zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003