Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

"Gemeinsam den aufrechten Gang üben"
Amtseinführung von Pfarrer Uwe Nassauer in die 14. Kreispfarrstelle des Kirchenkreises Siegen

Pfr. Uwe Nassauer
22.02.2006 12:10
"Klagen und motzen hilft nicht weiter", betonte kürzlich Uwe Nassauer, jetzt offiziell Pfarrer für Ev. Religionslehre am Berufskolleg des Kreises Olpe. "Aktionismus aber auch nicht", so der Kernsatz seiner Predigt im Ev. Gemeindezentrum Kredenbach. Hier nahm der ehemalige Gemeindepfarrer aus Kreuztal im vollbesetzten Gemeindehaus die Ernennungsurkunde und den Segen für sein neues Amt im Schuldienst in Empfang. Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes zur Amtseinführung übernahmen Charles Adarkwah (Klavier und Orgel), der Kreuztaler Kinderchor unter der Leitung von Alfons Faß und Tuan Ngo Van (Violine).

Superintendentin Annette Kurschus griff in ihrer Einführungsrede Nassauers Konfirmationsspruch aus Markus 8,34 auf. "Wer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich" müsse ein "hartes Brot" für ihn als Konfirmand gewesen sein, so Kurschus, "dennoch hast du bewusst den Weg in die Nachfolge gewählt.""Sein Kreuz dabei auf sich nehmen sei nicht das Gleiche wie das im Volksmund oft zitierte 'jeder hat sein Päckchen zu tragen'". Dieses Missverständnis habe in der Geschichte des Christentums oft zu einer falsch verstandenen Demutshaltung geführt. Jesus selbst habe so nicht gelebt. Er habe Anteil genommen, sich bewegen lassen und gesehen, dass die Päckchen sehr unterschiedlich, nach menschlichem Ermessen auch ungerecht verteilt seien. Kurschus wünschte Nassauer an seiner neuen Arbeitsstätte ebensolche Achtsamkeit und Liebe zu den Menschen. "Keiner ist einfach nur Päckchenschlepper, jeder Lebensweg hat etwas Großes", hieß es. In der Schule gemeinsam den aufrechten Gang in schlichter Echtheit und Ehrlichkeit zu üben ohne das Kreuz zu verharmlosen, in der Gewissheit, dass "in allem was es zu tragen gibt, man immer schon getragen ist", sei ihr Wunsch für den ev. Pfarrer am Berufskolleg und seine Schüler.

Uwe Nassauer stellte in seiner Predigt mit Bezug auf 2. Kor. 11,12 („Wenn ich schwach bin, bin ich stark“) heraus, worauf es ihm in Zukunft ankommt: „Je leerer die Hände, desto glaubwürdiger werden wir“, erläuterte Nassauer. „Nur leere Hände kann Christus füllen.“ Der große Glanz und die sichtbaren Erfolge seien in Kirche oder Schule nicht zu erwarten. Das Wirken im Kleinen und in Kleinstarbeit aber sei bedeutsam. Klarheit und Eindeutigkeit bei der Rede vom Evangelium gegenüber den Menschen sei nötig, dies allerdings in aller Bescheidenheit. Bescheidenheit sei seiner Ansicht nach im Zuge der Institutionalisierung von Kirche abhanden gekommen, man habe die Haltung der Schwäche und der Armut vergessen. Die aktuellen Entwicklungen in Kirche und an Schulen führe in eine Hilflosigkeit, wie sie Paulus seinerzeit auch erlebt habe: „Wir stehen wie Paulus am Anfang“, so Nassauer, und als Fazit: „Hausaufgaben müssen wir machen, aber die leeren Hände von Christus füllen lassen macht uns erst glaubwürdig.“ Ob in Schule oder Kirche: „Klagen, motzen oder Aktionismus helfen nicht weiter“, Menschen - in seinem neuen Amt insbesondere Schüler - mit Liebe behandeln, sei ein guter Weg.
Ch.St.

Text zum Bild (Karlfried Petri)
Pfarrer Uwe Nassauer wechselt von der Kanzel ins Klassenzimmer. Im ev. Gemeindezentrum Kredenbach wurde er als Pfarrer für Ev. Religionslehre am Berufskolleg des Kreises Olpe eingeführt.

zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003