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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Mit zwei dabei - Kinder unter drei in der Tageseinrichtung
Fortbildung in bunter Vielfalt pädagogischer Kompetenz

Diplom-Psychologin Anne Heck, Heidelberg
22.02.2006 15:32
Eine bunte Vielfalt der pädagogischen Kompetenz war jetzt in der Aula des Medien- und Kulturhauses LYZ in Siegen versammelt. Über 180 Erzieherinnen und Erzieher aus den Tageseinrichtungen der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein, der AWO, der katholischen Kirche, des DRK, des DPWV und der Stadt Kreuztal informierten sich über die Möglichkeiten, Kinder im Alter von zwei Jahren in Tageseinrichtungen zu betreuen. Auch Eltern waren unter den Teilnehmenden, die mehr über die Entwicklung ihrer Sprösslinge erfahren wollten. Zu der Fortbildungsveranstaltung hatte der Kirchenkreis Siegen gemeinsam mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein eingeladen.
In ihrem Grußwort hob Superintendentin Annette Kurschus hervor, Menschen ins Leben zu begleiten halte sie für die größte, wichtigste und kostbarste Aufgabe. Es sei eine riesengroße Verantwortung Kindern zu vermitteln was Frieden, Recht, Gerechtigkeit oder Unrecht sei. Dies könne man nicht lehren, sondern es müsse glaubwürdig und echt durch das Leben vermittelt werden. "Der Mensch wird am Du zum Ich", zitierte sie den jüdischen Philosophen und Theologen Martin Buber.

Fachkompetent erläuterte die Dipl. Psychologin Anne Heck aus Heidelberg die Entwicklungsbereiche von Zweijährigen und deren Verhaltensweisen in Tageseinrichtungen. Filmsequenzen und viele anschauliche Praxisbeispiele aus dem Erfahrungsschatz der Referentin verdeutlichten die wissenschaftlich fundierte Theorie.
Bildung sei mehr als Wissen erwerben, so die Entwicklungspsychologin. Verhaltensformen gehörten ebenso zur Bildung wie beispielsweise der Umgang mit Natur und Schöpfung. In den Einrichtungen könnten Selbstbildungsprozesse der Kinder gefördert werden. Dazu gehörten Sprache, Kommunikation, Schriftkultur, Körper und Bewegung sowie Mathematik und naturwissenschaftliche Grunderfahrungen. So ließen sich Formen, Größenordnungen, Gewichte, Höhen und Entfernungen in Kindertageseinrichtungen ebenso erlernen wie Ordnen und Abstraktionen. Bildung benötige in frühen Entwicklungsprozessen eine anregende Umgebung. Gegenüber der 90er Jahre, wo das Prägen von Kindern zum Begriff geworden sei, gehe man heute von einem kompetenten Säugling aus, der Bildungsprozesse als Eigenleistung gestalte, die jedoch von Erwachsenen unterstützt werden.

Zweijährige hätten einen ausgeprägtes Bewegungsbedürfnis. Sie könnten kurze Zeit im "Morgenkreis" sitzen. Dann stünden sie wieder auf und wollten sich bewegen. Sie übten dabei automatisch ihr dynamisches und statisches Gleichgewicht. So sei es selbstverständlich, dass ein Zweijähriger in den Waschraum renne und nicht gehe. Zudem trügen sie Gegenstände, hüpften und fingen an, alles zu umrunden. Zweijährige seien auch durchaus bereit, beim Spielen Älterer mitzumachen und sich von denen entsprechend anweisen zu lassen.
Für Zweijährige benötige man in den Einrichtungen mehr altersgerechte Spielmittel. Die würden sortiert, kategorisiert und zugeordnet. Zudem bräuchten Zweijährige einen Ort für sich. Oftmals reiche ein einfaches Kartonhaus, in das sie sich zurückziehen könnten, kleine Körbe und Reückzugsecken.
Durch den Besuch der Kindergruppen erhielten die Zweijährigen zusätzliche Möglichkeiten, sich die Welt zu erschließen. In diesem Alter erlebten sie, dass der Maikäfer weglaufe und die Sonnenblume nicht und erführen etwas von der belebten und unbelebten Welt. Gemeinsam mit anderen Kindern erschlössen sie sich sozusagen experimentell Funktionsweisen. Und sie lernten sich selbst und andere als Gegenüber kennen.

Elementare Bedeutung haben für die Sozialwissenschaftlerin Bindungspersonen. Kinder lernten im Kindergarten, sich auf eine unbekannte erwachsene Person einzulassen. Hierbei seien verständnisvolle und einfühlsame Erwachsene hilfreich und wichtig für die Welterkundung der Kinder. Die Eingewöhnungszeit Zweijähriger dauere etwa drei bis vier Wochen. Dabei müssten die Eltern ihre Kinder anfangs begleiten und ihnen die Botschaft vermitteln, dass sie in der Einrichtung gut aufgehoben seien. Sie plädierte immer wieder dafür, dass Kindertageseinrichtungen ein Ort für Kinder und Familien seien. Die Eltern sollten in den Einrichtungen beteiligt werden. Entwicklungspsychologen hätten festgestellt, dass die Beziehung von Zweijährigen zu der Erzieherin in der Tageseinrichtung davon abhängig sei, wie die Eltern zur Tageseinrichtung und zu der Erzieherin stünden.

Anne Heck sieht für zweijährige Kinder eine überschaubare Gruppe als erforderlich an. Bei 16 Kindern, zu denen Zweijährige gehörten, seien drei Fachkräfte erforderlich. Für Kinder, die in schwierigen Familienverhältnissen aufwüchsen, erhöhe sich in einem wohlwollenden guten Klima des Kindergartens die Aussicht, eine Unterstützung zu erhalten, die ihnen verbesserte Lebenschancen böten. Negativ wirke sich aus, wenn im Kindergarten ungeklärte Teamverhältnisse und eine schlechte Atmosphäre vorherrschten sowie Eltern ausgegrenzt würden. Für die Zweijährigen seien außer geeignete Gruppenstrukturen, entsprechende Arbeitskonzepte auch eine gute graphische Orientierung in der Einrichtung erforderlich.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)
Diplom-Psychologin Anne Heck aus Heidelberg stellte in ihrem Vortrag heraus, auf was sich die Erziehenden in den Kindertageseinrichtungen einstellen müssen, wenn sie zusätzlich zweijährige Kinder betreuen.

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