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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Prediger in Tönen
Paul-Gerhard Bergerhoff 50 Jahre Organist in Olpe

Organist Paul-Gerhard Bergerhoff
09.03.2006 16:37

Es war ein ganz besonderes Ereignis in der Kirchengemeinde Olpe. Und auch in der westfälischen Landeskirche kommt es nicht allzu oft vor, dass ein Organist sein 50-jähriges Dienstjubiläum begeht. Das feierte jetzt Paul-Gerhard Bergerhoff in seiner Kirchengemeinde.
Im Festgottesdienst bezeichnete Pfr. Bernd Woydack den Organisten Bergerhoff als einen Prediger in Tönen. Musik ist die kleine Schwester der Theologie, habe Martin Luther einmal gesagt. Die Musik sei eine elementare Ausdrucksform des Glaubens. Mit Lob und Dank auf seine Person bezogen habe es der Jubilar nicht so. Lob und Dank gebührten einem anderen, sei die Auffassung des Organisten, so Pfarrer Woydack, nämlich „ihm da oben“, wie es Bergerhoff zu formulieren pflege. Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst vom Kirchenchor, dem Posaunenchor, dem Flötenkreis und dem neu gegründeten Gospelchor. An der Orgel saß, wie konnte es anders sein – Paul-Gerhard Bergerhoff.
Anschließend hatte die Kirchengemeinde Olpe zum Empfang ins Gemeindehaus geladen. Sehr gerührt hörte Bergerhoff die Grußworte von Superintendentin Annette Kurschus, Bürgermeister Horst Müller und Pfarrer Martin Eckey für die Kirchengemeinde.
Superintendentin Kurschus überreichte dem Organisten eine Urkunde. „Die“, so Kurschus, „mussten wir selbst anfertigen, da Urkunden für derartige besondere Gelegenheiten selbst bei der Landeskirche nicht vorrätig waren.“

Seit seinem sechsten Lebensjahr erhielt Bergerhoff elf Jahre lang Klavierunterricht. Damals musste er Brahms, Beethoven, Mozart und Chopin spielen. Er erinnerte sich, dass er am Gymnasium die g-Moll-Ballade von Chopin gespielt hat. Bergerhoff: „Das war nicht einfach.“
Die Orgel spielt er zumeist emotional. Er improvisiert gerne. Im Gottesdienst möchte er die Gemeinde zu einem fröhlichen, forschen Gesang bewegen. „Samstags bereite ich mich auf den Gottesdienst vor“, so der Organist. „Ich schaue mir den Ablauf an und bemerke bereits eine innere Anspannung. Die hält an bis zum ersten Ton nach dem Glockenläuten und danach bis zum Ende des Gottesdienstes.“
1956 wurde Bergerhoff auf seiner Hochzeitsreise von Olpe aus angerufen, weil überraschend der langjährige Organist Hugo Veith verstorben war. „Paul-Gerhard, du musst sofort kommen,“ hieß es am Telefon. Der Angerufene unterbrach seinen Urlaub, um der Organistenaufgabe in Olpe nachzukommen. Etwa 3000 Gottesdienste, Trauungen und besondere Veranstaltungen hat Bergerhoff mit seiner Orgelmusik während der 50 Jahren in Olpe gestaltet. 18 Pfarrerinnen und Pfarrer hat er in dieser Zeit erlebt. „Das ist eindeutig zu viel. Die Fluktuation ist zu hoch“, so der rüstige Organist. Kaum jemand in der Gemeinde verfügt über eine so reichhaltige Predigthörerfahrung wie Bergerhoff. Auf eine gute Predigt legt er noch heute großen Wert.

Fast immer war er pünktlich zur Stelle. Vor Jahren, an einem 12. April, hat er jedoch wegen seines Geburtstages einen Passionsgottesdienst verpasst. Da musste die Gemeinde ohne Orgelbegleitung singen, erinnert er sich. Ein weiteres mal kam er gerade noch rechtzeitig zu einer Trauung. Er saß auf dem Gabelstapler in seinem in der Nähe der Kirche gelegenen Baustoffhandel und hörte auf einmal die Glocken läuten. Die Trauung, ging es ihm durch den Kopf. In Arbeitskleidung lief er in die Küche, schnappte sich den Orgelschlüssel, rannte an der Hochzeitsgesellschaft vorbei in die Kirche und begann pünktlich zum Einzug des Hochzeitspaares das Orgelspiel.Sein heutiges Instrument wurde 1972 in die Kirche eingebaut. Er sitzt mit dem Rücken zur Gemeinde. Einen Spiegel, in dem er den Pfarrer und die Gemeinde beobachten kann, um die Einsätze genau zu platzieren, will er nicht. „Ich drehe mich lieber um und schaue direkt von oben herab. Mit dem Pfarrer habe ich Zeichen verabredet, nach denen ich die Einsätze spiele.“ Orgel spielen ist für Paul-Gerhard Bergerhoff Verkündigung des Wortes Gottes. „Es kommt keiner an dem Wort Gottes vorbei“, betont der Organist. Grundlagen zu seinem christlichen Glauben hat sein Großvater gelegt. Und auch seine Eltern hielten sich zur Kirche.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)
(siehe oben) Organist Paul-Gerhard Bergerhoff an der Königin der Instrumente.

 



Superintendentin Annette Kurschus überreicht Paul-Gergard Bergerhoff eine Urkunde für 50 Jahre treuen Dienst als Organist in der ev. Kirchengemeinde Olpe.
Im Bild von links: Superintendentin Annette Kurschus, Pfr. Martin Eckey und Paul-Gerhard Bergerhoff.


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