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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Wanderausstellung zum Kirchenasyl in Kredenbach
„Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken“

Wanderausstellung
13.04.2006 14:04
Eine Wanderausstellung zum Kirchenasyl in Deutschland eröffneten jetzt Volker Bäumer, Gemeindepfarrer in Kredenbach, und Pfarrer i.R. Manfred Kamecke von der Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ im Ev. Gemeindezentrum Kredenbacher. Bäumer verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Gebote Gottes im Alten Testament, wonach Israel die unter ihnen lebenden Fremdlinge nicht unterdrücken sollte. Die Israeliten waren selbst viele Jahrhunderte Fremdlinge in Ägypten gewesen.
Mit der Wanderausstellung solle, so Bäumer, der Verfolgten weltweit gedacht werden.

Einer davon ist der Vietnamese Tuan Ngo Van, der seit Mitte Januar im Ev. Gemeindezentrum Kredenbach im Kirchenasyl lebt. Zurzeit hoffen er und der Unterstützerkreis auf eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichtes Münster, die ihm ein dauerhaftes Bleiberecht ermöglichen soll. Rund 6.500 Menschen haben bislang per Unterschrift Solidarität mit Tuan Ngo Van bekundet, weiß Pfarrer Volker Bäumer.

Pfr. Kamecke berichtete vor interessiertem Publikum von der Entstehung der Kirchenasylidee vor über 20 Jahren. Er stellte zunächst die biblische Grundlage für Kirchenasyl im Alten sowie im Neuen Testament heraus. So sollte beispielsweise für die Israeliten und die Fremdlinge, die unter ihnen wohnten ein einheitliches Recht gelten. In einem Papier des Ökumenisches Rates der Kirchen in Genf sei 1997 eindeutig als Sünde bezeichnet worden, was Flüchtlinge weltweit erleben. Kirchenasyl sei zu Beginn seiner Entstehung jedoch innerkirchlich nicht einhellig begrüßt worden. Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen, habe es mancherorts geheißen. Die EKD, so Kamecke, habe sich aus der Diskussion herausgehalten. Den Rechtsstaat habe man nicht angreifen wollen. Die Kirchenasylinitiativen dagegen hätten auf eine Weiterentwicklung des Rechtsstaates hingewiesen. Mit der Ergänzung des Grundgesetzes um den Artikel 16a sei die Asylgewährung eingeschränkt worden. Kamecke erinnerte an das Wanderkirchenasyl 1998/99 wo in der Kölner Antoniterkirche ein Kirchenasyl begann aus dem ein Wanderkirchenasyl mit 493 Menschen entstand. Man habe erreichen können, dass 362 Menschen ein langfristiges Bleiberecht erhalten hätten.
Im Dezember 2004 habe der Präses der westfälischen Landeskirche, Alfred Buß, das Kirchenasyl nachdrücklich verteidigt. Die Aufnahme und der Schutz bedrohter Flüchtlinge gehöre zum Selbstverständnis der Kirche.

Die 16 Fahnen der Wanderausstellung informieren über die Geschichte des Kirchenasyls von den Anfängen bis zum Wanderkirchenasyl, fragen nach dem Recht auf Asyl, beschreiben die ökumenische Initiative, berichten über die Kirchenasyl-Debatte, befassen sich mit Recht und Unrecht und liefern Zahlen, Daten Fakten.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausstellung neben dem gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Kontext sind die Flüchtlinge und ihre Situation im Kirchenasyl. Dargestellt wird der Alltag im Kirchenasyl, mit all seinen Belastungen für Flüchtlinge und Unterstützer sowie seinen tiefen menschlichen und spirituellen Erfahrungen.
Die Wanderausstellung entstand 2004 zum 10-jährigen Bestehen der Bundesarbeitsgemeinschaft „Asyl in der Kirche“ und zugleich als Rückblick auf 20 Jahre Kirchenasyl in Deutschland. Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Zusammenschluss evangelischer, katholischer und freikirchlicher Gemeinden, die Kirchenasyl gewähren.

Noch bis zum 30 April ist die Wanderausstellung zum Kirchenasyl in Deutschland im Ev. Gemeindezentrum Kredenbach zu sehen.
kp

Text zum Bild: Foto Karlfried Petri
Die informative Ausstellung über Kirchenasyl im Ev. Gemeindezentrum Kredenbach.
Im Bild (v. l.) Pfarrer Volker Bäumer, Pfarrer i.R. Manfred Kamecke, Tuan Ngo Van und Dr. Ludwig Brügmann.

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