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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Zeigefinger Gottes mitten in der Stadt
100 Jahre Talkirche in Geisweid

Gottesdienst in der Talkirche Geisweisd
09.06.2006 14:40

Mit einem Kantatengottesdienst und einem Gemeindefest gingen jetzt die Festwoche zum 100-jährigen Bestehen der Talkirche am Pfingstsonntag zu Ende.
Der Kammerchor des Bach-Chores Siegen und das Bach-Orchester Siegen unter der Leitung von KMD Ulrich Stötzel führten in der fast voll besetzten Talkirche die Bachkantate „O ewiges Feuer, o Ursprung des Lebens“ aus dem Jahr 1726 auf; ein Geschenk an die Kirchengemeinde. Die Festpredigt hielt Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller: Er erinnerte an die größte Spendenaktion in der Geschichte Geisweids, als die damals junge Industriegemeinde die Talkirche baute. Heute wachse die Kirche weltweit wie noch nie in Amerika, Afrika und Asien. Durch den Heiligen Geist entdeckten die Menschen, dass Gott Leben in Fülle schenkt „und mit mir anfangen will“.
Nach dem Gottesdienst erlebten die Geisweider ein buntes Gemeindefest rund um ihre Kirche unter dem Motto „Wie vor 100 Jahren“. Alte Handwerkskünste teils in alten Trachten wurden präsentiert. Es wurde geklöppelt und gesponnen. Eine Waschkolonne aus Afholderbach wusch wie zu alten Zeiten. Einem Korbflechter konnte bei der Arbeit zugeschaut werden und eine Gruppe aus Feuersbach zeigte wie vor 100 Jahren Milch verarbeitet wurde. Auch für die Verpflegung war bestens gesorgt. Die Dämpfkolonne aus Hees bot Pellkartoffeln mit Dipp an und das Rote Kreuz hatte Gulasch in seinem Kesselwagen.

Begonnen hatte die mit vielen Veranstaltungen gefüllte Festwoche ebenfalls mit einem Festgottesdienst. Der Kirchenchor unter der Leitung von Andrea Stötzel sang die doppelchörige Vertonung des 100sten Psalmes wie er zur Einweihung der Kirche am 11. Juli 1906 vorgetragen worden ist. Superintendentin Annette Kurschus predigte über Psalm 100.
Nach dem Gottesdienst hatte die Kirchengemeinde zum Empfang im benachbarten Lutherhaus geladen. Pfrn. Almuth Schwichow führte durch das Programm. Superintendentin Kurschus überbrachte die Grüße des Kirchenkreises. Menschen brauchten Gebäude, so die Superintendentin. Auch reformierte Protestanten seien auf Gebäude angewiesen, die sich von alltäglichen Räumen abhebten. An den großen alten Kirchen müsse festgehalten werden.
Die Grüße von Rat und Verwaltung überbrachte Siegens stellvertretende Bürgermeister Jens Kamith. Zwei Weltkriege habe die Kirche überstanden. In ihr seien viele Menschen geprägt worden und hätten eine geistliche Heimat gefunden. Auch in Zukunft sei die Gemeinde gefordert. Sie könne optimistisch in die Zukunft schauen, weil „in ihr Antworten gegeben werden, die tragen.“ Weitere Grußworte sprachen Erika Sturm von der Nachbarkirchengemeinde Weidenau, Pastor Hans-Karl Köhle von der örtlichen katholischen Kirchengemeinde, Hans-Jürgen Hilberkus von der landeskirchlichen Gemeinschaft und als Vorsitzender der Evangelischen Allianz. Grußworte entrichteten die afrikanischen Gemeinden, die die kirchlichen Gemeindehäuser nutzen, sowie Ralf Schneider von der Arbeitsgemeinschaft der Klafelder Vereine.
Zur Eröffnung der Festwoche angereist waren auch die Pfarrer Albert Fricke und Harald Mühlbach, die ehemals in der Kirchengemeinde Klafeld Dienst taten.

Die Talkirche prägt das Stadtbild. Ihr 61 m hoher Turm ist schon von der Hüttentalentlastungsstraße aus zu sehen. Mit ihren 1050 Sitzplätzen zählt die Talkirche zu den größten Kirchen im Kirchenkreis Siegen. Pfr. Burkard Schäfer, der sich vorzüglich in der Geschichte der Kirchengemeinde auskennt, nahm zwischen den Grußworten die geladenen Gäste immer wieder unterhaltsam und kurzweilig mit in die Geschichte der Gemeinde, deren Aufschwung als junge Industriegemeinde Ende des 19. Jahrhunderts unter dem segensreichen Wirken von Pfarrer Heinrich Bergmann seinen Anfang nahm. Bergmann hatte die Zeichen der Zeit erkannt, und zum Aufbau der Gemeinde viele Vereine gegründet in denen sich das kirchliche leben gestaltete. So hatte der Frauenverein damals 800 Mitglieder. Auf seine Initiative hin wagte die 1898 gegründete Kirchengemeinde Klafeld den Bau der Talkirche.

Seit einigen Jahren sammelt die Kirchengemeinde für die dringend benötigte neue Orgel. Im Gottesdienst konnte Pfr. Burkhard Schäfer für eine Spende in Höhe von 30.000 Euro ebenso herzlich danken wie für die 10 Euro, die ihm kürzlich ein 9-jähriger Junge in die Hand gedrückt hat mit den Worten: Für die neue Orgel. 200.000 Euro sind nun beisammen und mit dem ersten Bauabschnitt kann nun begonnen werden. Die neue Orgel soll wie bisher 23 klingende Register mit insgesamt 1400 Pfeifen bekommen, die auf zwei Manuale und die Pedale verteilt sind. Das 100 Jahre alte denkmalgeschützte Gehäuse und einige historisch wertvolle Pfeifenreihen werden für die neue Orgel wieder verwendet.

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

In der fast voll besetzten Talkirche führte der Kammerchor des Bach-Chores Siegen und das Bachorchester die Pfingstkantate von J. S. Bach auf.

 



Wie vor 100 Jahren lautete das Motto des Gemeindefestes rund um die Talkirche.


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