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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Weitreichende Sparbeschlüsse auf den Weg gebracht
Hoffnungsschimmer für Arbeitsfelder der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Kirchenkreises Siegen

Synode des Kirchenkreises Siegen
13.06.2006 11:12

Mit Spannung erwartet wurden die Beratungen der Kreissynode Siegen zur mittelfristigen Finanzplanung. Die 183 stimmberechtigten Synodalen, die in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf tagten, sollten entscheiden, so die Vorlage des Kreissynodalvorstandes, wie die zunehmend geringer werdenden Kirchensteuerzuweisungen künftig aufgeteilt werden sollen.
Nach einer ausführlichen Diskussion folgten die Synodalen im Wesentlichen den Vorschlägen des Kreissynodalvorstandes. In Zukunft werden 78% der Kirchensteuer den Gemeinden zukommen. Trotz der hohen Prozentzahl ein schweres Los, da die Gemeindegliederzuweisung von derzeit noch 49 Euro auf prognostiziert unter 39 Euro pro Gemeindeglied fallen wird. Zwei Mio. Euro weniger als in 2006 haben die Gemeinden damit in 2009 zur Verfügung. 12% fließen der Superintendentur und der Verwaltung zu (Einsparungen von 261.000 Euro erforderlich) und 10 % den kreiskirchlichen Diensten wie beispielsweise der Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL), dem Schulreferat, dem Öffentlichkeitsreferat oder dem Evangelischen Gymnasium. Bei den Diensten müssen bis 2009 somit 870 Mio. Euro eingespart werden.

Mit den Einsparungen in den Referaten und Einrichtungen hatte sich im Vorfeld der Kreissynodalvorstand auseinandergesetzt und der Synode Vorschläge unterbreitet. Die EFL soll ab 2009 nicht mehr aus Kirchensteuermitteln finanziert werden. Dies gilt ebenfalls für die Familien- und Erwachsenenbildung. Die Pfarrstelle für Gemeindeentwicklung läuft bis Ende 2008 aus. Auch in den anderen Referaten ist mit erheblichen Einsparungen zu rechnen.

EFL kann vielleicht zumindest teilweise erhalten werden

Insbesondere die Einsparungen bezogen auf die EFL, sie macht im Ganzen eine Summe von 260 Euro aus, hatte in der Bevölkerung zu Unverständnis geführt. Wird doch die Einrichtung überaus gut angenommen. Erste Privatpersonen, wie Prof. Dr. Hans-Heinrich Goßmann, machen sich stark, die kirchliche Einrichtung zumindest teilweise aus Sponsormitteln zu finanzieren. Finanzierungszusagen, so Superintendentin Annette Kurschus, lägen bereits in insgesamt sechsstelliger Größenordnung vor. Wenn dies zu einer längerfristigen sicheren Finanzierung führe, so Kurschus, und der Kirchenkreis auch künftig als Träger gefordert sei, müsse seitens der Kirche ein Mindestanteil von 10% des zur Zeit geleisteten übernehmen.
Auch über eine Veränderte Weiterführung der Familien- und Erwachsenenbildungsarbeit soll intensiv nachgedacht werden.

Ab 2009 ohne Haushaltsdefizite wirtschaftenVerwaltungsleiter Hartmut Menzel gab einen Überblick über die Finanzentwicklung in der Landeskirche und im Kirchenkreis. Während in 2004 noch 19,6 Mio Euro Kirchensteuer in den Kirchenkreis geflossen seien, könne in 2006 mit 13,6 Mio. Euro gerechnet werde. Für 2009 würden derzeit lediglich noch 11,9 Mio. prognostiziert. Die erheblichen Mindereinnahmen könnten bis 2009 zum Teil aus Rücklagen aufgefangen werden, „ab dann muss ohne Haushalsdefizite gewirtschaftet werden!“

Die Stellungnahme des Theologischen Ausschusses trug dessen Vorsitzender Rolf Fersterra vor. Danach kann der Kirchenkreis auf die Seelsorge in Krisensituationen der EFL nicht verzichten. Es sei eine ergänzende Seelsorge zu der in den Gemeinden.
In der ausführlichen Diskussion, in der überwiegend die wichtige Bedeutung der EFL für den Kirchenkreis und die Region hervorbehoben wurde, wurden weitere Überlegungen genannt, wie beispielsweise Klientenbeiträge oder ein Abgleich mit Angeboten der Diakonie, die dazu beitragen können, die Einrichtung zu verschlanken.

Eine hohe Wertschätzung erfuhr die Arbeit der Gemeindeentwicklung, die durch die eigens eingerichtete Pfarrstelle und den Arbeitskreis „Gemeinsam unterwegs“ geleistet wird. Dr. Matthias Lagemann sprach sich dafür aus, einen Weg zu finden, dass auch in Zukunft diese „Entwicklungsabteilung“ für den „Betrieb Kirche“ weitergeführt werden könne.

Vertrauen wagen

Superintendentin Annette KurschusIn ihrer Einbringungsrede zu den Einsparüberlegungen machte Superintendentin Kurschus deutlich, dass es so wie bisher nicht mehr gehen werde. „Den nötigen Wandel in unsrer Kirche wollen wir bewusst und überlegt gestalten mit dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit, von dem das Neue Testament spricht, mit einem Gottvertrauen, das nicht blind macht, sondern zu Nüchternheit und Klarheit hilft; und mit einer Vision im Blick darauf, wie wir in Zukunft hier im Kirchenkreis Siegen ‚Kirche für andere’ sein wollen.“
Bei den Überlegungen seien die Ergebnisse früherer synodaler Prioritätendiskussionen, die Untersuchungen des ehemaligen Struktur- und Leitbildausschusses, die umfangreiche Arbeit des Theologischen Ausschusses zum Verhältnis von Ortsgemeinde und funktionalen Diensten sowie das Leitbild des Kirchenkreises zugrunde gelegt worden.
Mit dem Ergebnis: „Wir werden manches nicht nur verändert fortführen, sondern sogar ganz loslassen müssen.“
Mit der vorgeschlagenen Budgetierung des Haushalts hoffe der Kreissynodalvorstand in Zukunft Rivalitäten durch immer neu aufbrechende Verteilungskämpfe zu vermeiden.
Den Gemeinden werde mit dem vorgeschlagenen Prozentanteil von 78% des Haushaltsvolumens ein absolutes Mindestmaß zugemutet, die kreiskirchlichen Dienste hätten erstmals einen prozentual abgesicherten Platz im Haushalt und die Verwaltung habe sich nach diesem Modell kräftig zu verschlanken. Unsere vertraute einseitige Fixierung auf Kirchensteuereinnahmen gerät deutlich an ihre Grenzen, so Kurschus. Wenn Kirche auf Dauer handlungsfähig bleiben wolle, werde sie mit Fantasie nach kreativen Möglichkeiten zur Erschließung neuer Finanzierungsquellen zu suchen haben. Dem schweren Herzens unterbreiteten Vorschlag, ausgerechnet so wichtige Einrichtungen wie die EFL künftig nicht mehr aus Kirchensteuermitteln zu finanzieren, liege die Hoffnung zugrunde, dass wegen des hohen öffentlichen Ansehens und der hohen öffentlichen Nachfrage der Arbeit, die stellvertretend für die Gesellschaft wahrgenommen werde, zur Not auch auf anderem Wege weiter finanziert werden könne.
Abschließend warb die Superintendentin um Vertrauen. „Wir brauchen für die gemeinsame Gestaltung des Wandels in unserer Kirche vor allem Vertrauen zueinander – auch und gerade, wenn wir in manchem unterschiedlicher Meinung sind. ... Lasst uns dieses gegenseitige Vertrauen wagen – im Vertrauen auf den Herrn unserer Kirche, der uns gesammelt hat, der uns in die Welt sendet und der uns nach seiner Verheißung schützen und erhalten wird.“kp


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