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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Mission Impossible
24.01.2003 15:42
Bislang arbeiteten Missionare eher in Afrika oder Lateinamerika - nun sollen sie dem Mangel an Gläubigen auch im Osten der Republik entgegensteuern.Die christliche Botschaft bei Frost verkünden zu müssen ist eine harte Glaubensprüfung. Christoph Scharf meistert sie vergnügt, als stünde er unter der Sonne am Ufer des Sees Genezaret und nicht bei minus acht Grad am Rand des Schweriner Marktplatzes. Über ihm ein Partyzeltdach, das im Wind flattert wie der "Jesus First"-Schlüsselanhänger um seinen Hals. Seitlich ein Mini-Gehege mit zwei Schafen, blökende Blickfänger für Passanten. Hinter Scharf eine Flanelltafel, auf die sich biblische Figuren pappen lassen, und vor ihm die vierjährige Lea, der er in drei Minuten die Kindheitsgeschichte Jesu Christi erzählt. Scharf will gerade einen Flanell-Josef ins Spiel bringen, als Lea kreischt: "Ist das der Räuber?" Ein Jammer für Scharf, der im Sommer 2002 als hauptamtlicher Missionar nach Schwerin zog und Ende Dezember mit seiner ersten Aktion startete: "Viele Kinder im Osten haben noch nie eine Geschichte aus der Bibel gehört." Anders erwartet hat er es nicht: Vier Jahrzehnte Sozialismus haben die Gotteshäuser verwaisen lassen, und auch im Kapitalismus ging es rapide weiter abwärts. Nun sollen Missionare, die bisher eher in Botswana oder Burundi bekehrten, innerdeutsch den Abwärtstrend stoppen - es ist der verzweifelte Versuch, Ostdeutschland nicht zur No-God-Area werden zu lassen. Denn schon jetzt stehen Kirchen zum Verkauf, Gemeinden sterben nach und nach aus - vielerorts wird nur noch jedes zehnte Kind getauft. So ernst ist die Lage, dass voraussichtlich zum Sommersemester 2004 in Greifswald für Studenten eigens ein Institut für Evangelisation öffnen soll, um missionarischen Nachwuchs auszubilden.

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