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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kirchen, Klöster und Schlösser
Kredenbacher auf Bildungsreise in Schlesien

Friedenskirche in Schweidnitz
20.09.2006 12:01

Eine achttägige Bildungsreise nach Schlesien unternahm kürzlich eine Gemeindegruppe der Kirchengemeinde Ferndorf unter der Leitung von Pfr. Volker Bäumer sowie den Gemeindegliedern Anneliese und Dieter Kotschmar. Anlass für die Schlesienfahrt war das 100-jährige Bonhoeffer-Jubiläum in diesem Jahr. Bonhoeffer wurde in Breslau geboren. Eine wichtige Station der Reisegruppe war daher auch ein Besuch in dem niederschlesischen Ort Kreisau, der Stätte des Widerstandes gegen Hitler rund um Graf v. Moltke, zu der auch Bonhoeffer Kontakte hatte. Am beeindruckenden runden Tisch des Widerstandskreises, von dem die Reisegruppe einen Nachbau besichtigen konnte, saßen damals Vertreter der ev. Kirche, der kath. Kirche, der Sozialdemokraten und des altpreußischen Adels.
In Breslau traf die Reisegruppe mit Dr. Janusz Witt zusammen, dem Generalsekretär der polnischen Sektion der internationalen Bonhoeffergesellschaft. Witt ist auch Vorstandsmitglied der Kreisauer Gesellschaft, einer Einrichtung für internationale Jugendbegegnungen. Die Kredenbacher besichtigten das ‚Viertel der gegenseitigen Achtung’, ein Stadtteil von Breslau, in dem die Evangelischen, Katholischen, Orthodoxen und Juden zu besonderen Anlässen gemeinsame Gottesdienste feiern. Ein besonderes Erlebnis war die Besichtigung der Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer. Es sind die beiden einzigen evangelischen Kirchen, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Die Friedenskirche in Schwednitz fast ca. 7.500 Besucher. Zu den Beschlüssen des Westfälischen Friedens 1648 gehörte die Erlaubnis für die schlesischen Protestanten unter Auflagen insgesamt drei Kirchen in Glogau, Schweidnitz und Jauer zu bauen. Diese Kirchen mussten außerhalb der Stadtmauern errichtet werden. Als Baustoffe waren nur Holz, Lehm und Stroh zugelassen. Nägel durften keine verwendet werden. Ein Glockenturm war nicht erlaubt und innerhalb der Bauzeit von einem Jahr musste die Kirche errichtet sein.
Für Anneliese Kotschmar war der Gottesdienst in der Friedenskirche in Jauer beeindruckend. Der polnische evangelische Pfarrer überließ der Kredenbacher Reisegruppe das Weltkulturerbe, um dort unter Beachtung der örtlichen Kirchenordnung Gottesdienst zu feiern. In dieser großartigen evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses, mitten in tiefster Diaspora gelegen, über die Weite und Tiefe des 2. Gebotes nach reformierter Zählung und Auslegung zu predigen, dies, so Pfarrer Bäumer, sei ihm nicht nur ein dringendes Anliegen gewesen, sondern am Ende auch selber sehr nahe gegangen.
Auf Schloss Muhrau, in der Nähe von Schweidnitz, fand eine Begegnung mit Melitta Sallai, geborene von Wietersheim-Kramsta, von der Bevölkerung liebevoll Frau Melitta genannt, statt. Ihre Familie war von dem Schloss vertrieben und enteignet worden. 1992 konnte Melitta Sallai auf das Schloss zurückkehren. Neben der Wohnung der fast 80-Jährigen ist heute im Schloss eine deutsch-polnische Begegnungsstätte eingerichtet. Ein Kindergarten steht sozial schwachen Familien zur Verfügung, deren Kinder für symbolische 1 Euro im Jahr die Einrichtung besuchen können.

Auf dem Reiseprogramm standen zudem ein Besuch auf Schloss Fürstenstein, dem größten Schloss Schlesiens und eine Besichtigung der Klöster Trebnitz und Grüssau. Auch die Kunst- und Literaturinteressierten hatten ihr Erlebnis: Ein Besuch von Haus „Wiesenstein“ in Agnetendorf, dem Wohnsitz von Gerhard Hauptmann. Am vorletzten Reisetag stand eine Wanderung auf die Schneekoppe oder im Riesengebirge auf dem gut gefüllten Programm. Nicht im einzelnen geplant, aber zuhauf erlebt waren die vielfältigen Begegnungen mit der polnischen Bevölkerung.

Initiiert hatte die Reise Anneliese Kotschmar, die den Gemeindegliedern ihre Schlesische Heimat zeigen und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten wollte.
Gefördert wurde die Bildungsreise durch die Evangelische Erwachsenenbildung.
kp


Text zum Bild: (Fotos privat)

Bild 1 (oben)
Die Friedenskirche in Schweidnitz gehört zum UNESCO- Weltkulturerbe und bietet Platz für 7.500 Besucher.

 


Bild 2
Orgel der Josefskirche in Grüssau. Die Wände und Decken sind mit Fresken versehen, die das Leben Josefs darstellen und von dem Maler Michael Willmann stammen.

 


Bild 3
Die Kirche Wang ist eine norwegische Holzkirche aus dem 13. Jahrhundert, die abgerissen werden sollte, weil sie zu klein geworden war. König Friedrich-Wilhelm IV. ließ sie 1842 nach Schlesien transportieren und dort wieder aufbauen.


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