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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

An der Seite der Menschen in Not
10 Jahre Rufbereitschaft Notfallseelsorge im Siegerland

10 Jahre Rufbereitschaft Notfallseelsorge im Siegerland
09.10.2006 12:08

Im Siegerland ist sie nicht mehr wegzudenken, die Rufbereitschaft der Notfallseelsorge. Seit 10 Jahren gehört die kirchliche Dienstleistung zum festen Bestandteil des Rettungswesens.
In der Haardter Kirche feierten kürzlich Notfallseelsorger und Einsatzkräfte des Rettungsdienstes einen Dankgottesdienst.
Die Einsätze sind so schwer wie das Leben schwer sein kann. Fast immer geht es um Leben und Tod. Vielfach um einen plötzlichen und unerwarteten Tod. In ihrer Predigt machte Superintendentin Annette Kurschus deutlich, wie schwer es sein kann, erste Hilfe für die Seele anderer zu leisten, wenn die eigene Seele verstört, verunsichert und verwundet ist. „Es ist schwer, etwas von Gott, von seiner Macht, von seinem Trost, von seiner Liebe zu sagen, wenn im Moment scheinbar nur das glatte Gegenteil spürbar ist.“ Oft bleibt den Notfallseelsorgern nur selbst flehentlich die Hilfe Gottes zu suchen an der Seite der Menschen in Not. Als Menschen, die das in aller Ratlosigkeit, in allen eigenen Zweifeln und Unsicherheiten doch auf einem festen Grund und mit einer gewissen Verheißung tun. Die Notfallseelsorger können eine Richtung angeben, in die die Menschen schreien, stöhnen und schweigen können. Wo sie einer hört. „Nicht irgendeiner, sondern der, von dem wir zutiefst glauben, dass er helfen kann.“ So furchtbar der Schmerz sei, so grausam und sinnlos sich manche Not und mancher Tod gebärdeten – so gewiss sei Gottes Macht doch größer, so gewiss bleibe Gottes Liebe mit den Leidenden, über alle menschlichen Grenzen hinweg.

Jüngstes Kind der Seelsorge
Die Notfallseelsorge ist das jüngste Kind der Seelsorge im Siegerland. Am 1. Oktober 1996 nahmen die Mitarbeitenden aus evangelischer Kirche, katholischer Kirche und Freikirche ihren Dienst auf. Der Kreis Siegen-Wittgenstein, so erinnert sich Johannes Haastert, Pfarrer und Notfallseelsorger der ersten Stunde, kam auf den Kirchenkreis Siegen zu mit der Anfrage, ob ein solcher Dienst eingerichtet werden könne. Für den damaligen Superintendenten Helmut Flender war klar, dass so etwas nur ökumenisch aufgezogen werden sollte. In der Telefonseelsorge funktionierte das ökumenische Miteinander schon lange. Und so meldeten sich die ersten Pfarrer und Laien aus verschiedenen Kirchen, die sich ehrenamtlich zur Verfügung stellten und ausbilden ließen.
Aus den Anfängen wurde ein verlässlicher und kompetenter Dienst mit regelmäßigen Aus- und Fortbildungen. 20 Personen, bis auf die hauptberufliche Seelsorgerin im Entsendungsdienst Lara vom Orde allesamt ehrenamtlich, warten auf ihren Einsatz. Und der wurde beispielsweise von Oktober 2004 bis September 2005 insgesamt 69 mal angefordert. In acht Zuständigkeitsgebiete ist das Siegerland eingeteilt. Ein Notfallseelsorger hat jede Woche Vordergrunddienst, wie es im Fachjargon heißt. Er wird im Notfall über Handy alarmiert und benachrichtigt seinerseits die zuständige Notfallseelsorgerin bzw. den zuständigen Notfallseelsorger vor Ort. Zumeist treffen die Notfallseelsorger innerhalb von 30 Minuten am Einsatzort ein, je nach Entfernung und Verkehrsdichte. Die Verkehrsregeln sind einzuhalten, Blaulicht steht nicht zur Verfügung. Jeder weiß, was zu tun ist. Die Einsatzpläne der Rettungsdienste beinhalten auch die Dienste der Notfallseelsorge. Die Gesichter sind mittlerweile bekannt. Man kennt sich, wird am Einsatzort durchgewinkt. Schwere Verkehrsunfälle, Gasexplosionen, Naturkatastrophen mit Toten oder Schwerverletzten sind Einsatzindikationen. Oft sind es Einsätze, die von der Öffentlichkeit unbemerkt stattfinden. Hinter den Zahlen in der Statistik stehen Menschen und ihre Angehörigen, die einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen. Innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr wurden 24 erfolglose Reanimationen vermerkt, 16 Suizidfälle oder Suizidabsichten. In 8 Fällen war die Todesursache unklar. Wenn Todesnachrichten zu überbringen sind, ist oft die Notfallseelsorge dabei. Betroffenen, Hilfskräften und Angehörigen gilt der seelische Beistand. Und nicht selten brauchen die Notfallseelsorger nach psychisch extrem belastenden Einsätzen selbst eine Anlaufstelle, wo sie ihre Erlebnisse los werden können. Bei Menschen und im Gebet bei Gott.
kp


Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Seit 10 Jahren leistet die Notfallseelsorge im Siegerland Betroffenen und Hilfskräften seelsorglichen Beistand.


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