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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Danke, dass sie unsere Arbeit im Gebet und mit ihren Gaben unterstützen“
Projekte des Gustav-Adolf-Werkes in Rumänien

Prof. Dr. Molnár, Pfrn. Molnar, Pfr. Trinnes, Pfr. Türk-König, Pfr. Wuttke
09.11.2006 11:38
Ab 1. Januar 2007 ist der Vielvölkerstaat Rumänien neues Mitglied der Europäischen Union. Einen kleinen Einblick in den künftigen EU-Staat und die Arbeit des Gustav-Adolf-Werkes und der evangelischen Kirche in Siebenbürgen konnten jetzt Gemeindeglieder aus dem Siegerland im Gemeindehaus der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Niederschelden gewinnen. Prof. Dr. Janosch Molnár erzählte von der Arbeit der reformierten Kirche in dem kleinen 310 Einwohner-Dorf Zsobok in der Nähe von Klausenburg. Hier ist seine Ehefrau Irma Pfarrerin. Alle Einwohner gehören zur reformierten-ungarischsprachigen Kirche. Der Ort hat der kirchlichen Arbeit viel zu verdanken. Nach der Wende 1989 sind viele Menschen aus Rumänien ausgewandert. Nicht nur die Bewohner deutscher Nationalität wanderten zu 90% aus, sondern auch viele ungarische Mitbewohner verlassen das Land Die Einwohnerzahl der Orte schrumpfte und damit auch die Kirchengemeinden. Lehrer und Pfarrer verließen die Dörfer. Arbeitsmöglichkeiten gibt es kaum. In dieser Situation engagiert sich die evangelische Kirche und auch das Gustav-Adolf-Werk, das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland. Ein Kinderheim konnte in Zsobok errichtet werden, das 52 Kindern Heimat bietet. Die Kinder haben zum Teil dramatische Biografien, die von häuslicher Gewalt, Vernachlässigung oder Alkoholsucht der Eltern geprägt sind. Ein neues Schulgebäude mit zwei Klassenräumen, einer Turnhalle, Kindergarten und zwei Wohnungen wurde errichtet. Die ärztliche Versorgung für das Dorf konnte sichergestellt werden. Und auch Waisenkinder, die schon eine Arbeitsstelle gefunden haben, können in einem Haus wohnen, bis sie auf eigenen Beinen stehen. Für das Kinderheim wurde eine Milchküche (Molkerei) eingerichtet, in der auch Käse hergestellt wird. Eine Bäckerei bietet 22 Arbeitsstellen für Jugendliche. Hier wird Brot für das Kinderheim, den Ort Zsobok und die angrenzenden 12 Dörfer gebacken. Hinzu kommen in dem Ort eine kirchlich betriebene Schlosserei, eine Gärtnerei und ein Obstgarten. EU-Vorschriften machen den kirchlichen Projektbetreibern das Leben schwer. Investitionen in die Bäckerei in Höhe von 40.000 bis 50.000 Euro sind nötig, um EU-Richtlinien zu genügen.

Vom Lukas Spital in Lasseln in der Region Schässburg erzählte Pfr. Martin Turk-König. Er ist für die Diakonie und für sieben Gemeinden zuständig. Auch er skizzierte die Folgen der Auswanderungen. Die größte seiner Gemeinden habe noch 60 Gemeindeglieder. Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Rumänien bestehe zurzeit aus 255 Gemeinden mit 14.777 Gemeindegliedern. Die werden von 43 Pfarrern und drei Pfarrerinnen betreut. Nur sechs Gemeinden haben mehr als 500 Gemeindeglieder. Das Lukas Spital ist von 1992 bis 1996 gebaut worden und habe 500.000 Euro gekostet. Auch zwei Gruppen aus dem Siegerland, darunter der Diakonieverein Eisern, haben sich an der Finanzierung des Krankenhauses beteiligt. Turk-König: „Danke, dass sie unsere Arbeit im Gebet und mit ihren Gaben unterstützen.“
Das Krankenhaus bietet 15 Pflegeplätze, 10 Rehabilitationsplätze, 10 Plätze für Gäste und eine Medikamentenhilfe. Pfr. Türk-König: „Wir leben vom Wunder Gottes und hoffen, dass wir es bis Januar 2007 schaffen. Danach kommen hoffentlich andere finanzielle Rahmenbedingungen. Zurzeit erhält das Krankenhaus pro Patient vom Staat einen Euro pro Tag. Der Pfarrer hat mit zwei weiteren Familien den Verein „Die christliche Familie“ gegründet, der sich vor allem den Roma in Siebenbürgen zuwendet. Die Not in den Siedlungen der Roma-Familien, die vor allem am Rande der Dörfer zu finden sind, ist riesig. Die Menschen sind ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Oft leben drei Generationen in schäbigen Hütten. Die jungen Mädchen bekommen zumeist mit 14 Jahren ihr erstes Kind. Die Männer suchen das Weite. Neugeborene werden einfach in der Klinik gelassen oder ausgesetzt. Die Kinder kommen in staatliche Obhut. Die Heime sind überfüllt, das Personal überfordert. Unterernährung sowie psychische und physische Krankheiten sind an der Tagesordnung. Der Verein „Die christliche Familie“ konnte bisher 48 Kinder in Ziehfamilien vermitteln. Die Familien treffen sich im Gottesdienst, lernen sich kennen und können ihre Nöte beraten. Jetzt soll noch ein Heim für behinderte Kinder entstehen. Benötigt werden 200.000 Euro und geeignetes Pflegepersonal. Letzteres ist in Rumänien nicht vorhanden.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Die evangelische Kirche engagiert sich mit mutmachenden Projekten in den kleinen Dörfern in Siebenbürgen, unterstützt vom Gustav-Adolf-Werk. Im Bild (von links): Prof. Dr. Janosch Molnár, Pfrn. Irma Molnar, Pfr. Hans-Martin Trinnes /Vorsitzender des GAW in Westfalen/, Pfr. Martin Türk-König und Pfr. Manfred Wuttke, Synodalbeauftragter für das Gustav-Adolf-Werk des Kirchenkreises Iserlohn.

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