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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Schweigen und verschweigen tötetEin Abend der Hoffnung in der Kreuztaler Stadthalle
Schweigen und verschweigen tötet
21.05.2003 11:49
Erschreckende Zahlen erfuhren die Besucher des Abends der Hoffnung in der Kreuztaler Stadthalle. Seit Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids 1982 sind 22 Mio. Menschen daran gestorben, 42 Mio. Menschen sind infiziert, darunter 3 Mio. Kinder. In Deutschland leben 40.000 infizierte Menschen. Besonders problematisch sieht die Situation in Afrika aus. In einigen Landstrichen hat jeder Dritte Aids. Über Aids wird in Afrika längst noch nicht offen gesprochen. Dabei wäre Aufklärung der erste wichtige Schritt, die Ausbreitung der Krankheit wirkungsvoll einzudämmen.Dies neu ins Bewusstsein zu bringen war Anliegen der Initiatoren, der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und des Deutschen Gewerkschaftsbundes Siegen-Wittgenstein-Olpe.„Die Gewerkschaften wollen dieses Thema unterstützen, da es auch in der Arbeitswelt vorkommt“, erläuterte Willi Braase (MdB) sein Engagement. „Es geht aber auch darum, internationale Solidarität zu leben.“Das Presbyterium der Kirchengemeinde Ferndorf hatte sich auf das Thema eingelassen, berichtete Pfarrer Volker Bäumer. Aids sei die größte Bedrohung der Gesundheit. Alle 10 Sekunden sterbe weltweit ein Mensch an der Krankheit und alle 6 Sekunden infiziere sich ein Mensch daran. Dies habe schlimme Folgen für das Sozialgefüge und die Wirtschaftsentwicklung in Afrika und Asien.Dass die Ausbreitung von Aids wirkungsvoll eingedämmt werden kann, berichtete die Bundesministerin für Entwicklungshilfe Heidemarie Wieczorek-Zeul. „Die Hälfte der 42 Mio. infizierten Menschen sind Frauen. In der Entwicklungsarbeit ist es mir ein besonderes Anliegen, den Frauen den Rücken zu stärken. Schweigen und verschweigen tötet. Das Problem darf nicht verdrängt werden. Öffentlichkeitsarbeit ist dringend nötig. Es muss darüber gesprochen werden. Öffentliche Kampagnen müssen initiiert werden. In Uganda wurde es vorgemacht. Durch breit angelegte Kampagnen konnten die Zahlen drastisch reduziert werden“, erzählte die Ministerin aus ihrer Arbeit.Sie unterstützt die Aufklärungsaktionen in den afrikanischen Ländern. Wenn sie in Afrika ist, beteiligt sie sich persönlich daran.Millionen von Aids Waisen bereiten den afrikanischen Kommunalpolitikern große Probleme. Heime existieren kaum. Die Großeltern ziehen die Enkel groß, wenn die eigenen Kinder gestorben sind. Oder aber es werden Dörfer gebaut, in denen die Kinder in Wohngemeinschaften leben. Wieczorek-Zeul: „Die wichtigste Aufgabe ist, für Prävention zu werben. Darüber rede ich auch mit Präsidenten und Regierungschefs. Das ist für afrikanische Länder sehr wichtig. Ein Umdenken beginnt, da die Generation stirbt, die das Land aufbauen müsste. Aus Aids wird zunehmend ein wirtschaftliches Problem. Die Entwicklungsarbeit der Bundesregierung setzt sich dafür ein, dass das Gesundheitswesen in den Partnerländern ausgebaut wird. Und nicht zuletzt gilt es darauf hinzuwirken, dass Medikamente kostengünstig in die Entwicklungsländer kommen. Auch die USA muss aufgefordert werden, ihre Blockadehaltung aufzugeben.“ Die Entwicklungshilfeministerin betonte, es gäbe nichts wichtigeres als Menschenleben zu retten. „Es gibt Hoffnung. Die Basisgruppen können unterstützt werden. Es gilt darauf hinzuwirken, dass die knappen Finanzmittel nicht für Kriege und militärische Aktionen verwendet werden, sondern zur Bekämpfung von Armut. Zudem ist Entwicklungspolitik die kostengünstigste Sicherheitspolitik.“Dr. Ulrich Möller, Oberkirchenrat in der westfälischen Landeskirche, kennt die Situation in Afrika ebenfalls aus eigener Erfahrung.In einer afrikanischen Stadt mit 180.000 Einwohner lebten 6.600 durch Aids zu Waisen gewordene Kinder. In 10 Jahren seien es schätzungsweise 30.000 Kinder und in 20 Jahren 43.000 Aidswaisen, wenn der Trend nicht umgekehrt werde. Die evangelisch-lutherische Kirche in Namibia ist Partnerkirche der evangelischen Kirche von Westfalen. Möller: „In Namibia bestimmt Aids das Leben. Es genügt nicht, allgemeine Appelle zu starten. Unsere Kirche hat Aids. Wir haben Aids. Das darf nicht verschwiegen werden.“ Die Menschen dürften nicht ausgesondert, sondern müssten in die Gemeinschaft hineingeholt werden und die befreiende Kraft des Evangeliums erfahren. Hier seien die Kirchen gefragt und die blieben nicht tatenlos. Waisenprogramme, Beratungen, Seelsorge und Ausbildungsprogramme böten Hilfe. Es ginge aber auch um kulturelles Lernen und das Überwinden von Tabus. Auch die Wirtschaft habe Aids, so Möller. Das bekommen beispielsweise deutsche Firmen zu spüren, die Niederlassungen in Afrika haben. Es dringe zunehmend ins Bewusstsein, dass die Gesundheitsvorsorge in Afrika gestärkt werden muss. Möller: „Aids schafft neue Koalitionen und vereint die Kräfte“, und „ohne die internationale Verbundenheit wären wir eine ärmere Kirche.“Die Organisatoren boten in Kreuztal nicht nur vielfältige Informationen. Auch die kulturelle Komponente kam nicht zu kurz. Die Trommlergruppe Hakuna Matata aus Kreuztal und Les Chérubins, Band und Chor der christlichen afrikanischenGemeinde in Siegen, gestalteten einen schwungvollen musikalischen Rahmen. An vielen Ständen stellten sich Hilfs-Organisationen und Initiativen vor, die sich für die und mit den Entwicklungsländern engagieren. Im Foyer konnten sich die Besucher mit afrikanischen Spezialitäten oder deutscher Küche stärken.kpText zum Bild: (Foto Karlfried Petri)Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller (Bildmitte) im Gespräch mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (rechts). Links Willi Braase (MdB)

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