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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Zwischen den Zeiten
Kreissynode Siegen tagte in CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf
Bericht der Superintendentin - Bleiberecht - Ladenöffnung

Superintendentin Kurschus, Synodalassessor Schmidt, Scriba Montanus
06.12.2006 10:38

Die Synode des Kirchenkreises Siegen tagte nach dem Ewigkeitssonntag und vor dem 1. Advent, im Blick auf das Kirchenjahr also „zwischen den Zeiten“. Auch inhaltlich war sie geprägt von Zwischenberichten. Spar- und Veränderungsbeschlüsse waren bereits gefasst, die Ziele zwar vorgegeben, aber eben noch nicht erreicht, also wie „zwischen den Zeiten“. Wie es im Kirchenkreis „zwischen den Zeiten“ aussieht, machte Superintendentin Annette Kurschus in ihrem Bericht deutlich. Das Bibelwort „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen“ (Gal. 5,1) stellte sie voran. Deutlich wurde, dass sich der Kirchenkreis vielfältig auf dem Weg befindet. Im Rückblick auf das vergangene Jahr kann nicht mit großartigen Entwicklungen und einem festgeschriebenen, definierten Profil für die Zukunft aufgewartet werden. Womöglich, so Kurschus, ist es gerade unser protestantischer Auftrag, in jeder Situation neu nach verantwortlichen, evangeliumsgemäßen Wegen zu suchen, immer neu Profil zu entwickeln. „Als Kirche der Freiheit wissen wir, dass die äußere Ordnung der Kirche für unterschiedliche Gestaltungen offen ist – wenn sie denn der Verkündigung des Evangeliums dienen und die Gemeinschaft untereinander fördern.“Zum EKD-Impulspapier „Kirche der Freiheit“ , dessen ermutigende Grundausrichtung sie ausdrücklich begrüßte, merkt sie kritisch an: „Es ist zu sehr ins Gelingen verliebt.“ Die reformatorische Entdeckung der christlichen Freiheit habe dagegen doch ausdrücklich in der Erkenntnis bestanden, dass der Wert eines Menschen, der Wert einer Gesellschaft, der Wert der Kirche gerade nicht der Diktatur des Gelingens unterworfen sei.

Lagerfeuer am Brennen halten
Zwanzig Gemeinden haben ihren Gemeindebericht für die Synode abgegeben. In ihnen sei davon zu lesen, was hier und da in den Gemeinden lebendig sei, was neu ausprobiert wurde, was Menschen anziehe und was das Evangelium unter die Leute bringe. Deutlich werde der Schatz der Vielen, die sich ehrenamtlich einsetzten und ihre Gaben fruchtbar machten für ein Wachsen von Kirche, das unabhängig sei von Geld.
Für sie seien Kirchengemeinden Orte, wo man wie um ein Lagerfeuer versammelt sei. Wo es warm und hell sei, wo man ganz nah zusammenrücken könne, wo aber auch die Möglichkeit bestehe, nach eigenem Bedürfnis etwas abzurücken. Gemeinden seien Orte, die anziehend und einladend wirkten; die einen klar erkennbaren Mittelpunkt hätten. Zunehmend werde allerdings deutlich, wie schwer es sei, die Lagerfeuer am Brennen zu halten. In dem Zusammenhang verweist sie auf die Tageseinrichtungen für Kinder, nach ihrer Überzeugung ganz wichtige und unverzichtbare Orte lebendigen Gemeindeaufbaus, würden zunehmend zur untragbaren finanziellen Belastung. Die Finanzen bestimmten in einem sehr starken Maße die Entscheidungen der Presbyterien. Viele Presbyterien kämen in der gegenwärtigen Situation an ihre Grenzen, inhaltlich, zeitlich und kräftemäßig.
Die Superintendentin stellte die besondere Bedeutung für die Zusammenarbeit in den Regionen des Kirchenkreises heraus. Fast alle Regionen des Kirchenkreises hat eine Abordnung des Kreissynodalvorstandes im vergangenen Jahr besucht und die anstehenden Veränderungen beraten. Kurschus: „Die nötige Veränderung, der anstehende Wandel kann sich nicht vollziehen, wenn Sie gar nicht erst versuchen, sich auf Ungewohntes, Befremdliches einzulassen, es wenigstens auszuprobieren; wenn Sie sich von vornherein dagegen stellen und immer weiter die alten Lieblingsideen pflegen oder fest gefügten Vorurteilen nachhängen.“
Bezogen auf die möglichen Einsparungen im Bereich der Dienste und Einrichtungen als Funktionen der Gemeinden bemerkte die Superintendentin, Schwerpunkte setzen heiße mit Verlusten und Verzichten zu leben, sich angreifbar zu machen und Menschen zu enttäuschen. In den Bereichen Ehe-, Familien- und Lebensberatung, der Erwachsenen- und Familienbildung sowie der Gemeindeentwicklung müssten Verluste für den gesamten Kirchenkreis hingenommen werden.
Vor neuen Herausforderungen stehe in dieser Zeit auch die Verwaltung, die die Gemeinden beispielsweise in Haushaltssicherungsmaßnahmen kontinuierlich begleite. Und auch der Kreissynodalvorstand, der zum größten Teil aus ehrenamtlich Mitarbeitenden besteht, benötigt einen erheblichen Aufwand an Zeit und Kraft, um die Aufgaben zu schultern.
kp


Kreissynode Siegen fordert Ausweitung der Bleiberechtsregelung für Geduldete

Die Kreissynode Siegen dankt der Kirchenleitung der westfälischen Landeskirche und insbesondere Präses Alfred Buß für die stete Einforderung eines Bleiberechts für die Menschen in Deutschland, die von der Not eines viele Jahre währenden unsicheren Aufenthaltsstatus (Duldung) betroffen sind.Die Kreissynode sieht in der beschlossenen Regelung nur einen ersten Schritt zur Linderung dieser Not und bittet die politisch Verantwortlichen, Möglichkeiten auch für diejenigen Betroffenen zu schaffen, die von der neuen Regelung nicht profitieren können.
Des weiteren bittet die Kreissynode den Kreis Siegen-Wittgenstein und die jeweiligen Ausländerbehörden, im politischen Vollzug die individuelle Notlage der Betroffenen angemessen zu berücksichtigen.

In ihrem Bericht vor der Synode des Kirchenkreises Siegen hatte Superintendentin Annette Kurschus die neue Regelung des Bleiberechts kritisiert. Die neue Regelung des Bleiberechts bringe zwar deutliche Verbesserungen des bisherigen Aufenthaltsgesetzes mit sich, aber leider nur für einen sehr geringen Personenkreis. Mit dieser unbefriedigenden Kompromisslösung dürfe sich die Kirche nicht einfach abfinden. Sie zitiert den EKD-Ratsvorsitzenden Bischof Wolfgang Huber, der auf der diesjährigen EKD-Synode ausdrücklich dafür eingetreten sei, „dass die Regelung dieses Problems nicht an Bedingungen geknüpft wird, die für die Betroffenen gar nicht erreichbar sind. Die Regelung muss vielmehr so ausgestaltet werden, dass sie gerecht ist und humanitären Erfordernissen genügt.“ Das Bleiberecht, so die Superintendentin, müsse auch diejenigen erreichen, die seit Jahren lediglich „geduldet“ seien und auf dem Arbeitsmarkt kaum eine Chance gehabt hätten und hätten, vermittelt zu werden. Wie sollten sie binnen kurzer Zeit in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis gelangen? Sie erinnert an das Kirchenasyl in Kredenbach, wo dem Kirchenkreis die teilweise erschreckende Härte der Abschiebepolitik der Regierung in diesem Jahr hautnah begegnet sei.
kp


Kreissynode Siegen will ausgeweitete Ladenöffnung kritisch begleiten und fordert restriktive Handhabung der Geschäftsöffnungen an Sonn- und Feiertagen

Die Kreissynode Siegen befürchtet als Folge der mit dem Ladenöffnungsgesetz NRW beschlossenen Öffnungszeiten der Geschäfte von montags bis samstags rund um die Uhr, dass Menschen an Leib und Seele durch eine pausenlose Geschäftigkeit Schaden nehmen. Die Synodalen nahmen sich vor, die Entwicklung vor Ort kritisch zu begleiten und den Schutz der Sonn- und Feiertage einzufordern.
Des weiteren forderte die Kreissynode die für Ausnahmeregelungen an Sonn- und Feiertagen zuständigen Kommunen im Kreis Siegen-Wittgenstein auf, eine restriktive Handhabung im Sinne des biblischen Menschenbildes und der Landesverfassung NRW durchzusetzen.
In ihrem Bericht vor der Synode des Kirchenkreises Siegen hatte Superintendentin Annette Kurschus das Ladenschlussgesetz kritisiert: „Christliche Freiheit äußert sich nicht zuletzt darin, dass wir als Kirche in der Gesellschaft unermüdlich und mit Nachdruck darauf hinweisen, was Menschen unfrei macht. Dazu gehört das neue Ladenöffnungsgesetz, nach dem die Geschäfte von montags bis samstags rund um die Uhr geöffnet bleiben dürfen. Diese pausenlose Geschäftigkeit schadet nicht nur den Menschen an Leib und Seele, sie berührt auch den Schutz des Sonn- und Feiertags. In Zukunft werden viele Menschen das, was sie während der Woche nicht schaffen, verstärkt am Sonntag erledigen, der damit unter der Hand zum siebten Werktag wird. Dies kann uns als Christen nicht einfach gleichgültig sein.“
kp


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