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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Gott liebt fröhliche Geber
Wie Christen mit Geld umgeben können

Pfr. Dr. Armin Kistenbrügge
15.02.2007 11:46
„Die Phönizier haben das Geld erfunden, aber warum so wenig?“ Mit diesem Zitat des österreichischen Dichters und Schauspielers Johann Nepomuk Nestroy eröffnete Dr. Armin Kistenbrügge seinen Vortrag „Geld ist ein guter Diener und ein grausamer Herr“ in der Christuskirche in Zeppenfeld.

Geld als Herr
Der Pastor, im Kirchenkreis An der Agger verantwortlich für interne Kommunikation und Gemeindeaufbau, stellte nach dem humorigen Einstieg eine ernste Frage: „Was passiert, wenn der Glaube die Wahrnehmung und den Umgang mit Geld bestimmt?“
Wenn es um Geld geht, hält sich der Glaube so manches Zeitgenossen vornehm zurück. Und selbst in der theologisch wissenschaftlichen Ethik kommt das Geld so gut wie nicht vor.
In der Bibel dagegen gebe es 2500 Belege zum Thema Geld, habe der Theologe Michael Welker herausgefunden. Bei Jesus sei das Thema Geld ganz prominent.

Der Ursprung des Geldes hat religiöse Gründe. Die ältesten erhaltenen Münzen sind womöglich Tempelgeld gewesen, erfuhren die Zuhörer in Zeppenfeld. Geld könne sowohl segensreich wie auch zerstörerisch wirken. Eine drastischere Formulierung folgt: „Geld ist nicht neutral. Entweder es ist Gabe oder Götze.“
Dass Geld einen Nutzen in unserer Gesellschaft hat, ist unbestreitbar. Es ist für den Tauschverkehr heute unverzichtbar und hat einen Wertspeicher. Geld schafft aber auch ein spezifisches Suchtverhalten. Es ist für manchen die alles bestimmende Wirklichkeit. Es verspricht Freiheit, macht aber abhängig. Martin Luther habe die Bergpredigt als Maßstab für das Geschäftsleben angesehen. Kistenbrügge: „Der Umgang mit Geld ist ein zentraler Glaubensprüfstein. Der Umgang mit Geld hat Auswirkungen auf den Glauben.“ Bei Luther sei entscheidend für den Gottesbegriff, dass er die Herzen bilde. Daher sei es unmöglich, sich auf Gott und auf das Geld gleichermaßen zu verlassen. Die meisten machten aber genau das, nach dem Motto: Doppelt genäht hält besser.
Wie der Umgang mit Geld in einer religiösen Sprache daher kommt, wurde schnell deutlich: Erlös – Kredit – Gläubiger – Schuld wird getilgt – ein Offenbarungseid wird geleistet – für alles mögliche finden Messen statt. Der jüdische Philosoph Walter Benjamin habe den Kapitalismus als Religion bezeichnet. Kapitalismus kenne nur die permanente Kultur und wolle an allen Tagen seinen religiösen Kultus des Konsums zelebrieren. Er mache keine Unterscheidung zwischen Werktag und Sonntag. Er versuche, die ganze Welt in den Zustand der Verschuldung zu treiben. Es bestehe eine Selbstalimentierung des Geldes durch den Zinseszins.

Geld als Gabe
Wer sein Geld als von Gott gegeben nehme, erfahre es als Gottes Gabe zur Nutznießung, so Kistenbrügge. Gott sei unendlich reich. Er habe sein Geld in den Taschen seiner Kinder. Die Gabe sei nicht abzulösen vom Geber. Mit jeder Gabe schenke sich Gott selber.
„Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott“, heiße es in einem Lied von Matthias Claudius. Warum solle dies nicht auch für das Geld gelten? Christen fragten sich, wie viel sie von dem, was sie verdienten, für Gott und seine Gemeinde abgeben müssten. Man könne aber auch andersherum fragen, wie viel man von dem, was Gott einem gibt, für sich behalten muss.Das im Alten Testament beschriebene Geben des Zehnten sei heutzutage fast ausgestorben und kein Zeichen evangelischer Freiheit mehr. Geld gehöre seines Erachtens in den Gottesdienst. Der Umgang mit Geld könne Gottesdienst sein, man könne mit Geld Gott dienen. Gott liebe fröhliche Geber. Großzügig und ohne Hintergedanken geben zu können, hält Pastor Kistenbrügge für eine Gabe.
Gott gibt mir, was ich brauche. Das hänge mit Gottvertrauen zusammen. Gott kann Geld gebrauchen, um Segen zu verbreiten.
Zwei Leitlinien für den Umgang mit Geld gab der Pastor den Zuhörern in der Christuskirche mit auf den Weg: Sorglosigkeit und Haushalterschaft, abgeleitet von der Sorglosigkeit, die Jesus in der Bergpredigt zuspricht, und von der Haushalterschaft, die Jesus im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden hervorhebt.

Wie wäre es um die christlichen Gemeinden bestellt, so wurde in der Diskussion im Plenum angesprochen, wenn die Gemeindeglieder in Anlehnung an das Alte Testament den zehnten Teil ihres Einkommens für die Gemeindearbeit gäben?
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Auf die christliche Geisteshaltung und die daraus entstehenden Konsequenzen im Umgang mit Geld kam es Pastor Dr. Armin Kistenbrügge in der Christuskirche in Zeppenfeld an.

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