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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Politiker legen Wert auf den Einfluss der Kirche
Präses Buß besucht den Kirchenkreis Siegen

Superintendentin Annette Kurschus und Präses Alfred Buß
22.02.2007 16:24

„Wir legen Wert darauf, dass evangelische Kirche in unseren Kommunen Kindertageseinrichtungen betreibt.“ Das betonten die Bürgermeister und Landräte aus den Gemeinden des Alt-Kreises Siegen und des Raumes Olpe sowie Bundes- und Landtagsabgeordnete gleichermaßen in einem Gespräch mit dem Präses der evangelischen Kirche von Westfalen Alfred Buß bei seinem Besuch im Kirchenkreis Siegen am Aschermittwoch. Zu der Delegation der Landeskirche gehörten Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, theologischer Ortsdezernent, und Landeskirchenrat Dr. Arne Kupke, juristischer Ortsdezernent.
Den Politikern ging es in erster Linie darum, dass in den evangelischen Kindergärten christliche Werte vermittelt und Glaubensfundamente gelegt werden. Wo evangelisch drauf steht, muss auch evangelisch drin sein. In dem überaus fruchtbaren Gespräch kamen sich Kirche und Politik näher. Der Wunsch nach einem partnerschaftlichem Miteinander bei den vielen gesellschaftspolitischen Berührungspunkten wurde von beiden Seiten deutlich. Die angesprochene Themenpalette war sehr breit und reichte von dem Erhalt von Kirchengebäuden, dem Miteinander mit Muslimen in den Kommunen, der Jugendarbeit, der pastoralen Betreuung über die Krankenhaussituation bis hin zur Armutssituation in Deutschland. Nicht ausgespart werden konnte die Finanzsituation in den Kommunen wie in den Kirchengemeinden. Präses Buß: „Wir haben immer weniger sozialabgabepflichtige Arbeitnehmer und dadurch weniger Kirchensteuer. Kirche soll und darf keine Schulden machen. Wir müssen im Hinblick auf die Kindergärten sehen, zu welchen Konditionen wir in der Lage sind die Arbeit zu leisten.“ Mit Spannung wird das neue Kindertagesstättengesetz der Landesregierung erwartet. Auch wenn zurzeit die Konjunktur ansteigt, täuscht dies nicht darüber hinweg, dass die Kirchensteuereinnahmen der Kirchen aus demographischen Gründen auf lange Sicht stark rückläufig sein werden. Seitens der Politik wurde eine Berechenbarkeit des kirchlichen Handelns angemahnt, damit Aufgaben gemeinsam kontinuierlich wahrgenommen werden können. Mit Hinweis auf die seinerzeit im Siegerland gebauten Simultankirchen kam der Gedanke auf, ob nicht so manches Gebäudeproblem von evangelischer wie katholischer Seite gemeinsam gelöst werden kann. Nach dem Gespräch wurde von vielen der Wunsch geäußert, eine solche Gesprächsrunde im Kirchenkreis in regelmäßigen Abständen und nicht nur anlässlich eines Präsesbesuchs einzurichten.

Zuvor fand eine Pfarrkonferenz im Gemeindehaus Altstadt der Nikolaikirchengemeinde statt. Auch hier kamen eine Vielzahl von Themen, Problemen und Entwicklungen innerhalb der Kirche zur Sprache. Die westfälische Landeskirche hat in den Jahren von 1970 bis 1997 etwa 20 Prozent ihrer Mitglieder verloren. Damals waren es noch rund 3,6 Mio Mitglieder, heute sind es noch 2,6 Mio. In dieser Zeit wurde der Personalbestand jedoch um fast 90 Prozent erhöht. Diese Entwicklung macht der Landeskirche zu schaffen. Schon jetzt zeichnet sich ein Nachwuchsmangel für die nächsten Jahrzehnte hinsichtlich des Pfarrberufs ab. Derzeit bestehen in der Evangelischen Kirche von Westfalen etwas über 1.500 Pfarrstellen, davon rund 1150 in den Gemeinden. Im Jahre 2030 werden es schätzungsweise nur noch 700 Pfarrstellen sein. Dann steht der Kirche auch nur noch etwa die Hälfte der heutigen Kirchensteuerfinanzkraft zur Verfügung. In Anbetracht der demographischen Entwicklung, der Kirchensteuerentwicklung und der Gemeindeentwicklung tun Gemeinden gut daran, sich auf die sich verändernde Situation einzustellen. Weitere finanzielle Standbeine müssen geschaffen werden. Gemeinden können Netzwerke bilden, um sich gegenseitig zu unterstützen.
Angesprochen wurde auch eine verstärkte Ausbildung von Laienpredigern sowie die Einrichtung einer Reformprozessstelle, in der neue gemeindliche Entwicklungen aufgegriffen und anderen Gemeinden zugänglich gemacht werden. Qualitätssicherung der Amtshandlungen war ein Thema, das Präses Buß anschnitt. Die müssten dem Inhalt entsprechend würdevoll gestaltet werden, auch was Gestik, Mimik und Bewegung betreffe. In einem Pressetermin machte Buß hierzu aber auch deutlich: „Wir vertrauen mehr auf den Heiligen Geist, als auf unser Können.“
Superintendentin Annette Kurschus ergänzend: „Wir brauchen gerade auch, weil wir die Ehrenamtlichen zu motivieren und befähigen haben, eine Stärkung und Würdigung des Pfarrberufs. Unsere reformierte Tradition mit der Betonung der lebens- und weltverändernden Kraft des Wortes Gottes ist ein Pfund, mit dem der Kirchenkreis Siegen Akzente setzen kann in der protestantischen Landschaft.

Im Hinblick auf die beiden vergangenen stark vom Papst geprägten Medienjahre betonte Präses Buß: „Kirche ist ein Hinweis auf Christus und hat sich nicht selbst groß und schön anzumalen“.

Auf dem Tagesprogramm der Bielefelder Delegation stand auch ein zweistündiges Gespräch mit dem Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Siegen und ein ausführliches Gespräch mit den Mitgliedern des Kreissynodalvorstandes. Nach einem Gottesdienst in der Nikolaikirche Siegen fuhren die Gäste abends wieder zurück ins Landeskirchenamt nach Bielefeld.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)



Ein kräftezehrendes Gesprächsprogramm hatten die Gäste aus Bielefeld im Kirchenkreis Siegen zu bewältigen. Die Bundes- und Landtagsabgeordneten, die Landräte sowie die Bürgermeister aus den Kommunen machten deutlich, wie wichtig ihnen die Zusammenarbeit mit den Kirchen ist.

Bild oben:
Superintendentin Annette Kurschus (links) gab Präses Alfred Buß (rechts) einen Einblick in das evangelische Leben im Kirchenkreis Siegen.


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