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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

4. Tag der Notfallseelsorge: Einsätze mit Kindern
Dr. Harald Karutz
07.03.2007 15:24
Es ist ein Albtraum aller Einsatzkräfte. Zerbeultes Blech, ein bewegungsloses kleines Mädchen am Straßenrand. Die Mutter hatte es von der Schule abholen wollen. Sabine lief über die Straße, zu ihrer Mutter. Die Mitschüler am Zaun des Schulhofes sahen das Auto und ihre Klassenkameradin. Der Fahrer konnte nicht mehr reagieren.
Wie verhalten sich Einsatzkräfte einschließlich Notfallseelsorgende in einer solchen Situation angemessen. Geht es zwar zu allererst um die Versorgung des verletzten Mädchens, müssen aber auch die Mutter und nicht zuletzt die Kinder, die das dramatische Ereignis wahrgenommen haben und es verarbeiten, begleitet werden.
Und auch an den Rettungskräften geht ein solcher Einsatz nicht spurlos vorüber. Kindernotfälle sind psychische Notfälle für alle Beteiligten. Was die Rettungskräfte bei solchen Einsätzen tunlichst beachten sollten, wusste Dr. Harald Karutz, Rettungsassistent und Dipl. Pädagoge aus Essen. Von ihm erfuhren die Tagungsteilnehmenden am 4. Tag der Notfallseelsorge im Kath. Gemeindehaus der Heilig Kreuz Kirche in Weidenau, wie eine psychische Erste Hilfe bei verletzten und akut erkrankten Kindern geleistet werden kann. Glücklicherweise sind Kindernotfälle selten. Nur 0,01 % der Reanimationen werden an Kindern durchgeführt. Wenn aber Kinder in Notfällen betroffen sind, ist es für alle Beteiligten besonders belastend.
Nicht nur unmittelbar verletzte Kinder bedürfen der fachkundigen Hilfe, auch bei Kindern, die ohne körperliche Schäden beteiligt sind oder das Geschehen beobachten, können kurz- oder langfristig Folgeschäden entstehen. Darunter posttraumatische Belastungsstörungen, Alpträume, Bettnässen, Lernschwierigkeiten, die mit einem Notfall in Zusammenhang stehen können. Es gibt allerdings auch Kinder, so der Fachreferent, die durch das Miterleben eines solchen Notfalles in ihrer Persönlichkeit reifen. Dr. Karutz erläuterte, wie mit Kindern in Notfallsituationen umgegangen werden soll. Es wurde deutlich, dass manche Rettungskräfte mit Erfahrung oder als Familienväter mit eigenen Kindern manches intuitiv richtig machen und betroffene Kinder angemessen betreuen. Oftmals sind es Kleinigkeiten, die Kindern helfen, Erlebtes besser zu verarbeiten. So sollte beispielsweise in jedem Rettungsfahrzeug ein 30 cm großer brauner Teddybär bereit liegen, der Kindern in die Arme gedrückt werden kann. Kindern sollte angemessen erklärt werden, welche Maßnahmen in einer Notsituation ergriffen werden, um zu helfen. Wenn dies nicht geschieht, machen sie sich ihre eigenen, vielleicht furchtbaren, Gedanken. Sie sollten möglichst nicht mit dem Erlebten allein gelassen oder von familiären Bezugspersonen getrennt werden.
In Kleingruppen setzten sich die Rettungskräfte mit den Themen „Einsätze mit Kindern im familiären Umfeld“, „Einsätze mit Schulklassen“, „Einsätze mit Kindergruppen unterwegs“ und „Besondere Belastungen für Einsatzkräfte bei Einsätzen mit Kindern“ auseinander.

Ein Teilnehmer brachte seinen persönlichen Nutzen der Fachtagung auf den Punkt: „Ich fand die organisationsübergreifenden Diskussionen auch in den Pausen für hilfreich.“ „Wie macht ihr so etwas?“ lautete die Frage, für die im Einsatzalltag kaum Raum ist.
Die Teilnehmenden werden künftig beteiligte Kinder in Notsituationen besser wahrnehmen und wissen, wie man ihnen die nötige Zuwendung zukommen lässt.

Abschließend stellte Dipl. Psychologe Andy Trägner die neue Traumaambulanz für Kinder und Jugendliche an der DRK-Kinderklinik Siegen vor. Es ist eine von 32 Traumaambulanzen in Nordrhein-Westfalen, die in Notfällen unbürokratisch und schnell helfen können.
Mit einem ökumenischen Gottesdienst wurde die Tagung beendet.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Nach dem Referat wurde Dr. Harald Karutz (links) in persönliche Gespräche der Teilnehmenden des Notfallseelsorgetages einbezogen. Er erläuterte die psychische Erste Hilfe bei verletzten und akut erkrankten Kindern.

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