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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

„Abschied vom Fledermausprinzip - Konfirmandenarbeit und Gemeindeentwicklung“
Impulstag des Arbeitskreises „Gemeinsam unterwegs“ in Stift Keppel

Pfr. Thomas Böhme-Lischewski (links) im Gespräch mit Pfr. Jürgen Dusza
18.04.2007 18:13

Ein alter Witz lieferte den Titel dieses Impulstages im Kirchenkreis Siegen. Immer wiederkehrende Fledermäuse in seinem Kirchturm ärgern einen Pfarrer. Er wird diese dadurch los, dass er alle konfirmiert – und keine wurde mehr in der Kirche gesehen...
Dass junge Leute allzu oft „aus der Kirche hinaus konfirmiert“ werden, ist eine Erfahrung, mit der niemand sich abfinden will, dem die Kirche am Herzen liegt – und der überzeugt ist, dass sie auch Jugendlichen entscheidendes für ihr Leben zu bieten hat.

Etwa 80 kirchliche Mitarbeitende, Ehrenamtliche, Presbyter und Pfarrer ließen sich kürzlich einladen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie Konfirmandenarbeit so gestaltet werden kann, dass die Konfis sich als zugehörig zur Gemeinde erleben und die erwachsenen Gemeindeglieder sie als wichtigen Teil der Gemeinde wahrnehmen.
„Wir sind nicht die Zukunft der Gemeinde, sondern ihre Gegenwart“. Dieser Satz eines Jugendlichen gab die Richtung des Nachdenkens vor.Videointerviews ermöglichten einen Einblick in das Denken der Konfis und wie sie ihren kirchlichen Unterricht sehen. Lothar Schulte und Oliver Günther beschrieben als Pfarrer ihre Sicht der Arbeit mit Konfirmanden. Sie betonten übereinstimmend, dass es entscheidend bei allen unterschiedlichen Methoden sei, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, mit ihnen etwas zu erleben, Erfahrungen zu ermöglichen.

Ein konkretes Beispiel dafür stellte Christoph Mann vor, der als Musiklehrer Gospelprojekte mit Konfirmanden durchführt. Dabei werden durch die Musik alle zum Mitmachen motiviert, die Proben sind ein starkes Gruppenerlebnis und der Applaus nach der Aufführung bringt Bestätigung und Anerkennung.
Pfarrer Thomas Böhme-Lischewski vom Pädagogischen Institut der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst entfaltete anschließend in seinem Referat die Eckpunkte einer Konfirmandenarbeit, die jungen Menschen Zugänge und Zugehörigkeit zu Gottesdienst und Gemeinde ermöglicht.
Arbeit mit jungen Leuten in der Kirche kann nach Böhme-Lischewski gelingen, wenn ihnen durch Gruppenerlebnisse Gemeinschaft erfahrbar gemacht wird, wenn sie ihre eigenen Begabungen und Fähigkeiten einbringen können und Begegnungen mit authentischen, ehrlichen und offenen Menschen entstehen. Verwirklicht werden kann das in unterschiedlichen Zusammenhängen: Konfis werden im Gottesdienst wahrgenommen und gestalten diesen mit. Durch eine Vernetzung mit der Jugendarbeit entstehen Kontakte und Beziehungen zu deren Mitarbeitenden und Teilnehmenden. Wenn Ehrenamtliche zum Team gehören, das Konfi-Arbeit verantwortet, lassen sich unterschiedliche Begabungen einbringen und Kleingruppenarbeit gestalten.
Elternarbeit während der Konfi-Zeit schafft Kontakte zu den Eltern, macht die kirchliche Arbeit transparent und ermöglicht Mitwirkung von Eltern bei konkreten Projekten.
Die Erwachsenengemeinde wird einbezogen werden etwa durch durch Besuche oder „Praktika“ der Konfis in kirchlichen Gruppen.

Am Nachmittag, nach einer Pause mit Mittagessen und guten Gesprächen trafen sich die Teilnehmenden in Workshops. Hier wurde das Gehörte vertieft, Praxismodelle kennen gelernt oder Ideen und Erfahrungen ausgetauscht. In der Arbeitsgruppe „Zukunftswünsche“ wurde das Bild eines Hauses entwickelt. In diesem Haus der Gemeinde wohnen zunächst alle zusammen: Kinder, Jugendliche, Erwachsene und die Alten. Durch die Taufe steht der Name jedes Einzelnen an der Türe. Allerdings lebt man in diesem Haus allzu oft aneinander vorbei. Einer weiß nichts vom anderen. Begegnungen finden kaum statt. Der Gemeinschaftsraum, sozusagen der Gottesdienst, ist oft nur nach dem Geschmack der Älteren eingerichtet. Abhilfe kann geschaffen werden, wenn in vereinbarten Zeiten der Begegnung, Alte und Junge einander erzählen, zuhören, sich wertschätzen lernen. In Räumen des Miteinanders wie Gottesdienste, Gemeindefeste oder Freizeiten sollten sich alle wohl fühlen können. Dazu kann beitragen, dass Musik gemeinsam ausgewählt, Liturgie verständlich vermittelt, Verkündigung kurz und praxisnah gestaltet wird.Wohnlich kann es werden, wenn Gott als der Hausherr erlebt wird und sein Geist als guter Geist des Hauses herrscht, der Freundlichkeit, Verständnis, Offenheit und Vertrauen bewirkt.

Konfirmandenarbeit, so wurde deutlich, ist ein Unterwegssein mit jungen Menschen. Wenn Konfis in dieser Zeit erfahren, dass sie ernst genommen, wert geschätzt und beteiligt werden in der Gemeinde, wenn echte Beziehungen zu Mitarbeitenden, Erwachsenen und Gleichaltrigen wachsen, dann werden sie zum Glauben ermutigt und die Gemeinde kann für sie ein Stück Zuhause werden.
Reinhard Schäfer

Text zum Bild: (Fotos Michael Junk)
Bild 1
Pfarrer Thomas Böhme-Lischewski (links) vom Pädagogischen Institut der Ev. Kirche von Westfalen in Villigst im Gespräch mit Pfarrer Jürgen Dusza (rechts) vom Pfarramt für Gemeindeaufbau des Kirchenkreises Siegen.

Pfarrer Raimar Leng erläutert interessierten Mitarbeitenden die Konfi-Arbeit in der Ev. Martini-Kirchengemeinde Siegen.


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