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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Jede Minute stirbt ein Kind an AIDS
Informationsveranstaltung an der Gesamtschule Eiserfeld

Heide Simonis (3.v.links) informierte über AIDS in Afrika
23.05.2007 14:32

„Wer kennt jemanden, der AIDS hat oder infiziert ist?“ Diese etwas peinlich berührende Frage wurde jetzt in der Aula der Gesamtschule Eiserfeld gestellt. KIDS & AIDS war Thema und Titel einer Informations- und Diskussionsveranstaltung der Gesamtschule in Zusammenarbeit mit Unicef, dem Kirchenkreis Siegen, dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes NRW, dem DGB und dem Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Die langjährige ehemalige Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein Heide Simonis, ehrenamtliche Bundesvorsitzende von Unicef Deutschland, gab einen bedrückenden Einblick in die oft hoffnungslos scheinenden Situationen und die große Not in Afrika.
Jede Minute stirbt ein Kind an AIDS. AIDS ist zu einer lebenden Bedrohung geworden. 5 Euro kostet ein Medikament, das das Ansteckungsrisiko eines Ungeboren drastisch senkt. Ein Kind kann erst mit 18 Monaten auf HIV getestet werden. Es gibt keine auf Kinder abgestimmte AIDS-Medikamente. Die Medikamente für Erwachsene sind viel zu teuer. 15.000 Dollar kostet die Behandlung eines AIDS-Kranken pro Jahr. Selbst die Kostensenkung der Medikamente auf 300 bis 400 Dollar pro Jahr können die Menschen in Afrika nicht bezahlen.
Simonis berichtet darüber, wie Kinder im Alter von neun Jahren als Haushaltsvorstände für ihre kleinen Geschwisterchen sorgen. Hier habe Unicef die Aufgabe zu helfen und zu unterstützen. In Sambia hätten 30% der Menschen AIDS. Da Väter und Mütter nicht mehr lebten, hätten die Großmütter die Last zu tragen. Die Großmütter seien oftmals die Helden im Kampf gegen AIDS.
700.000 Kinder benötigten Viren hemmende Medikamente. 90% erhielten keine.
In Indien wüssten beispielsweise 4 von 5 Frauen nicht, wie man sich gegen AIDS schützen kann.

In einer Podiumsdiskussion wirft Willi Braase, MdB und Mitinitiator der Veranstaltung, einen Blick auf die Initiative der Bundesregierung. Die Unterstützung aus Berlin sei wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, wenngleich die Mittel von 300 auf 400 Mio. Euro aufgestockt worden seien. Mit dem Geld würden unterschiedliche Initiativen zur AIDS-Bekämpfung unterstützt. Die Zahl der Neuinfizierten sei in Deutschland und Europa gestiegen.
Ingeburg Pletz, Leiterin der Unicef-Arbeitsgruppe Siegen, lobte die Gesamtschule Eiserfeld, die sich seit Jahren für Unicef einsetze und die Arbeit unterstütze.
Pfarrer Matthias Elsermann vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen, der einige Jahre in Kamerun lebte und arbeitete, erzählte von seinen letzten Besuchen in Kamerun. Freunde von früher lebten heute nicht mehr. In einem Dorf sei eine ganze Generation weggestorben. Dort träfe man fast nur noch auf alte und ganz junge Menschen.
Vertreterinnen der Vereinigten Mission in Wuppertal schilderten die AIDS-Situation in Namibia und auf den Philippinen. Hier werde in erster Linie Enthaltsamkeit empfohlen und partnerschaftliche Treue. Wenn dies nicht möglich sei, werde auf Kondome als das schützende Mittel verwiesen.In einer abschließenden Gesprächsrunde ließ Moderatorin Bettina von Clausewitz den Blick nach Deutschland und ins Siegerland werfen. Katrin Bamberger, Gesundheitsamt Siegen, Klaus-Peter Schäfer, AIDS-Hilfe, und Birgit Rother, Schulsozialarbeiterin, machten deutlich, dass auch im Siegerland Aids ein Thema ist. Bei vielen herrsche eine „breites Halbwissen“ vor. In Deutschland leben 600 infizierte Jugendliche, 80 davon in Nordrhein-Westfalen. Rund 150 Infizierte seien aus dem Kreis Siegen-Wittgenstein bekannt. 70 Personen seien hier bisher an AIDS gestorben.

Pfr. Matthias Elsermann: „Mit dieser Veranstaltung ist es nun nach 2003 zum zweiten Mal gelungen, verschiedene Organisationen zu gewinnen, gemeinsam einen Abend mit einem abwechslungsreichem Programm zu organisieren, um auf die dramatischen Folgen der weltweiten Aids-Pandemie, insbesondere in Afrika, aber auch in Asien hinzuweisen. In den stark betroffenen Ländern spielen unsere Partnerkirchen oft eine entscheidende Rolle, junge Menschen durch Aufklärungsarbeit vor einer Infektion zu schützen und die Folgen einer Infektion wie Behandlung Betroffener, Begleitung Betroffener und von Aidswaisen-Familien erträglich zu machen. Für unsere Kolleginnen und Kollegen ist diese Arbeit gegen Aids und das Engagement für die Betroffenen zentraler Bestandteil ihres kirchlichen Auftrages.“

Für eine unterhaltsame Abwechslung sorgten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5 bis 7, die ein kurzweiliges Programm mit Musik, Gesang, Jazz-Tanz, Pantomime und Jonglage zusammengestellt hatten.

kp
Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)

Sie zeichneten ein dramatisches Bild zum Thema AIDS:Im Bild von links: Matthias Elsermann, Ingeburg Pletz, Heide Simonis, Willi Braase und Moderatorin Bettina von Clausewitz.


Gut besucht war die Informationsveranstaltung zum Thema AIDS. Es wird im Unterricht an der Gesamtschule Eiserfeld ausführlich behandelt.


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