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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Eine neue Synagoge in Bielefeld
Erklärung von Präses Alfred Buß, Evangelische Kirche von Westfalen

Präses der EKvW Alfred Buß
23.05.2007 16:45
Nach fast 70 Jahren kann in Bielefeld wieder eine Synagoge errichtet werden. Für die Stadt besteht damit die historische Chance, der neu gewachsenen jüdischen Gemeinde einen angemessenen Ort der Versammlung und des Gebets zu ermöglichen.

In Bielefeld sind seit den fünfziger Jahren, der wachsenden Bevölkerung entsprechend, zahlreiche Kirchen gebaut worden. Der demografische Wandel führt nun zu sinkenden Mitgliederzahlen und damit zu schwindender Finanzkraft. Deshalb können diese Gebäude nicht mehr alle erhalten werden. Überall in der Evangelischen Kirche von Westfalen, wo Kirchen aufgegeben werden müssen, ist dies mit Trauer verbunden. Kirchen sind mehr als Gebäude aus Stein: Mit ihnen sind, aus der eigenen Lebensgeschichte, Zeiten des Segens und des Fluchs, der Freude und der Tränen verbunden. So kann ich verstehen, wenn Gemeindemitglieder entschieden um den Erhalt ihrer Kirche kämpfen. Allerdings müssen sie sich auch fragen lassen, welche Auswirkungen ihr Handeln hat.

In sorgfältigen Verhandlungen zwischen der Ev.-Luth. Neustädter Marien-Kirchengemeinde und dem Kirchenkreis Bielefeld einerseits und der Jüdischen Kultusgemeinde andererseits ist Einigkeit darüber erzielt worden, dass die frühere Paul-Gerhardt-Kirche zu einer Synagoge werden soll.

Dies habe ich von Anfang an begrüßt und unterstützt. Denn unsere Landeskirche hat sich mit dem Verhältnis zwischen Christen und Juden lange und intensiv beschäftigt. Damit haben wir uns der Verantwortung für unsere eigene antijudaistische Tradition gestellt. Dies zeigt unsere Kirchenordnung, in der als Ergebnis dieses Prozesses die bleibende Verbindung zwischen Christen und Juden jetzt eindeutig beschrieben ist.

Alle Voraussetzungen für den Verkauf der früheren Paul-Gerhardt-Kirche sind inzwischen erfüllt. Die Zusagen des Landes Nordrhein-Westfalen zur finanziellen Förderung liegen vor, die kirchenaufsichtliche Genehmigung zum Verkauf ist erteilt. Allein die Besetzung des Gebäudes verhindert jetzt noch den Vertragsabschluss.

Um der jüdischen Gemeinschaft in Bielefeld eindeutig zu zeigen, dass sie hier ihren Ort und ihre Heimat hat, sind jetzt nicht nur die evangelischen Christen gefordert. Notwendig ist ein gemeinsames Engagement der Zivilgesellschaft. Notwendig ist die Parteinahme der Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt für eine neue Synagoge an der Detmolder Straße. Die Stadt Bielefeld steht vor der Herausforderung, diese Chance entweder wahrzunehmen oder künftig mit dem Makel zu leben, dass diese Möglichkeit verspielt wurde.

Bielefeld, 18. Mai 2007

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