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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Debatte um die Kindergärten
Tansaniagäste auf der Kreissynode
Hauptamtliche Jugendarbeit im Blick
Freiwilliges Kirchgeld zuversichtlich angehen

Gäste aus Tansania auf der Kreissynode Siegen
01.06.2007 13:26
Debatte um die Kindergärten
Ergebnis: Zielgerichtete Vertagung auf die Herbstsynode

Das Thema war kompliziert. Mancher Synodale wusste manchmal nicht mehr so recht, was denn nun gemeint war, auf der vergangenen Sitzung der Kreissynode Siegen. Wichtig war das Thema. Es ging um die Kindergärten. Und damit um ein Stück Zukunft und um Geld. Sollen nun die Kindergärten in Zukunft weiter in der Trägerschaft der Gemeinden bleiben, von denen einige die finanzielle Last nicht mehr tragen können und loslassen müssen oder gibt es die Möglichkeit, die Kosten solidarisch gemeinsam zu tragen, beispielsweise auf Kirchenkreisebene? Über die Frage hat der Arbeitskreis Tageseinrichtungen für Kinder des Kirchenkreises Siegen oft getagt, beraten und eine Verbundlösung erarbeitet. Das Ergebnis fand nicht nur Zustimmung bei den Gemeinden. Schließlich haben nicht alle Kirchengemeinden Kindergärten, und andere wiederum mehr als genug.
Zu Beginn der Beratungen ein mahnendes Wort der Superintendentin: „Mein Eindruck ist, dass wir das synodale Element aus dem Blick verlieren. Die eigenverantwortlichen Ortsgemeinden sind ein Schatz. Aber ohne die Gemeinschaft des Kirchenkreises geht manches nicht. Wir können nicht ohne einander.“
Pfr. Stefan König, Vorsitzender des Arbeitskreises brachte die Vorlage in der Synode ein. Das zu erwartende neue Kinderbildungsgesetz und die zurück gehenden Finanzen forderten Handlungsbedarf, um möglichst viele ev. Kindertageseinrichtungen dauerhaft zu erhalten. Zwei Grundüberlegungen leiteten die Gedanken des Arbeitskreises: Zum einen sollte eine größtmögliche Nähe zu den Ortsgemeinden beibehalten und zum andern eine einander stärkende intensive Zusammenarbeit herbeigeführt werden. König: „Wir können es uns nicht mehr leisten, vereinzelt zu agieren. Wir müssen mit einer Stimme sprechen und dürfen uns nicht gegenseitig Konkurrenz machen.“ König ist sich sicher, dass auch eine Verbundlösung Rückbau nicht verhindert. auch wenn die Satzung in dieser Tagung nicht beschlossen werde, erwarte er doch ein deutliches Richtungssignal.
Die Deutlichkeit des Richtungssignals ließ zunächst zu wünschen übrig. Ein Initiativantrag der Kirchengemeinden Olpe und Krombach stellte den Verbund in Frage, hatte die gerechte Verteilung der Kirchensteuermittel nach der Gemeindegliederzahl zum Ziel und eine Trägerschaft auf Gemeindeebene. Von Solidarfinanzierung und Verbund keine Spur. Diakoniegeschäftsführer Horst Klein hielt sogar den Begriff „Verbundlösung“ für falsch, da es sich ja gar nicht um einen Verbund von eigenständigen Rechtsträgern handle, was da angestrebt werde, sondern um einen Trägerwechsel, nämlich von den Trägern Gemeinde zum Träger Kirchenkreis. Und überhaupt, so Pfarrer Eckey aus Olpe, fordere die vorgeschlagene Satzung für die „Ev. Tageseinrichtungen für Kinder“ eine Veränderung der Finanzsatzung. Die sei jedoch erst seit drei Jahren in Kraft.
All diese Fragen seien nicht wirklich wichtig, bringt sich Pfrn. Annegret Mayr in die Diskussion ein. Es müsse erst einmal über die Wichtigkeit der Kindertagesstätten beraten werden.
Die Synode einigte sich zwischendurch darauf, die Details auf der Herbstsynode zu beraten.
Die weitere Diskussion drehte sich um die Fragen, soll es eine solidarische Finanzierung geben und ist der „Verbund“ das geeignete Instrumentarium und ist es geeignet die Verhandlungsposition der Kirchengemeinden zu stärken.Die Synode sprach sich mit Mehrheit dafür aus, dass der bisherige Arbeitskreis die Lösung eines Verbandes weiter verfolgt und dabei die Anregungen der Synode berücksichtigt. Nach der Bekanntgabe des Kinderbildungsgesetzes soll eine Trägerversammlung einberufen werden.
kp

Tansaniagäste auf Kreissynode

Einen optischen und akustischen „Farbtupfer“ im grauen Beratungsalltag boten die Gäste aus Tansania auf der Sommersynode des Kirchenkreises Siegen, die jetzt in der CVJM-Jugendbildungsstätte in Wilgersdorf tagte. Sieben Frauen aus dem Partnerkirchenkreis Kibaha begrüßte Superintendentin Kurschus herzlich, als diese mit ihren Siegerländer Gastgebern in einer Polonäse singend und tanzend durch die Tagungshalle zum KSV-Tisch zogen. Sie gestalteten den Gottesdienst zu Beginn der Synode mit und schenkten dem Kirchenkreis ein großes Bild, das auf einem Studientag entstanden war. Pfr. Matthias Elsermann und andere hatten viel zu tun, um die Synodenberatungen simultan am Gästetisch ins Englische zu übersetzen.
kp


Hauptamtliche Jugendarbeit im Blick

Wie viel hauptamtliche Jugendarbeit müssen und können sich die Kirchengemeinden und der Kirchenkreis in Zukunft leisten und wie kann diese Jugendarbeit finanziell gesichert werden? Dieser Fragen hatte sich im vergangenen Jahr eine vom Kreissynodalvorstand eingesetzte Arbeitsgruppe gewidmet, die ihre ersten Ergebnisse jetzt der Kreissynode in Wilgersdorf vorstellte.
Ähnlich wie bei den Beratungen zum angestrebten Verbund der Kindertageseinrichtungen spielt auch hier die Solidargemeinschaft des Kirchenkreises eine Rolle. Einige Kirchengemeinden finanzieren eine eigene hauptamtliche Kraft für Jugendarbeit und in einigen Kirchengemeinden leistet der CVJM die kirchliche Jugendarbeit ehrenamtlich.

Den Vorschlag der Arbeitsgruppe an die Synode trug Scriba Heiner Montanus vor. Zumindest sieben hautamtliche Jugendreferentinnen oder –referenten, entsprechend der Anzahl der sieben Regionen, empfiehlt die Arbeitsgruppe als Mindestumfang hauptamtlich zu finanzieren. Dies entspricht einem Kostenvolumen von 385.000 Euro oder 2,85 Euro pro Gemeindeglied bei 135.000 Gemeindegliedern im Kirchenkreis Siegen.
Für die Finanzierung ihrer hautamtlichen Jugendreferenten sind auch künftig die Kirchengemeinden zuständig. Sind sie nicht mehr in der Lage, eine solche Stelle zu finanzieren, dann wird die jeweilige Stelle eingespart, bis es nur noch sieben Gemeinden gibt, die hautamtliche Jugendreferenten beschäftigen. Ab der nächsten Stelleneinsparung tritt der Kirchenkreis auf den Plan und richtet eine neue Stelle auf kreiskirchlicher Ebene ein, die dann solidarisch von allen Gemeinden finanziert wird.
Nicht betroffen von dem Konzept sind die Jugendreferenten des Kirchenkreises und des CVJM-Kreisverbandes.

Für die Berufsgruppe der Jugendreferenten gab der Synodale Arndt Kretzer eine Stellungnahme ab. Er erinnerte daran, dass die „Kinder- und Jugendarbeit“ im Zuge der Prioritätendiskussion auf Platz 1 gevotet wurde. Viele, die heute als Haupt- und Ehrenamtliche Verantwortung in Mitarbeiterkreisen, in Presbyterien oder CVJM-Vorständen wahrnähmen, seien als Kinder und Jugendliche in die Kirche hineingewachsen. Kretzer schildert die Bemühungen, Stellen der gemeindepädagogischen Mitarbeitenden zu erhalten und dennoch seien etliche Stellen nicht zu halten. Aber auch diese Mitarbeitenden benötigten berufliche Perspektive. Ehrenamtlich sei diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Kretzer: „Es wird ohne ein Mindestmaß an Hauptamtlichkeit in Zukunft immer weniger bis gar keine Ehrenamtlichkeit mehr geben.“ „Wir sind ein Stück verbriefte Sicherheit, dass Kirche ihr Engagement für Kinder- und Jugendliche und damit für ihre eigene Zukunft und ihr Überleben nicht aufgibt, nicht dem Zufall überlässt, sondern es wertschätzt, wert achtet und es sich auch was kosten lässt.“

Sehr deutlich wurde auf der Synode betont, dass ehrenamtlich geleistete Jugendarbeit nicht ohne Hauptamtliche funktioniere.

Die Synode machte sich die Überlegungen der Arbeitsgruppe zu Eigen. Der nächste Schritt ist eine ausgearbeitetes Konzept und eine Satzung.
kp

Freiwilliges Kirchgeld zuversichtlich angehen

Mit großer Mehrheit empfahl die Kreissynode Siegen jetzt den Kirchengemeinden, zur zusätzlichen ständigen Finanzierung der kirchlichen Arbeit vor Ort ein freiwilliges Kirchgeld einzuführen.Den Kreissynodalvorstand beauftragte die Synode, die Koordinierungsstelle Freiwilliges Kirchgeld auf Dauer einzurichten. Die Koordinierungsstelle unterstützt die Gemeinden bei der Einführung und der Umsetzung des Freiwilligen Kirchgeldes. Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Das Kreiskirchenamt der Kirchenkreise Siegen/Wittgenstein berät die Gemeinden bei der finanztechnischen Abwicklung.

Eine feste Kirchgeldstaffelung nach Leistungsvermögen der Gemeindeglieder wird nicht vorgegeben. Die Gemeindeglieder sollen in eigener Selbsteinschätzung die Höhe ihrer regelmäßigen Beteiligung festlegen.

Der Landessynode empfahl die Kreissynode, keinen generellen für alle Kirchengemeinden verpflichtenden Kirchenbeitrag für Bezieher von Alterseinkünften einzuführen und stattdessen alle Gemeinden aufzufordern, lokale Kirchgeldaktionen durchzuführen.
In den letzten Jahren hat die Evangelische Kirche von Westfalen und damit auch die Kirchengemeinden vor Ort über ein Drittel ihrer ehemaligen Finanzkraft verloren. Die Diskussionen in den vergangenen Jahren machen die Notwendigkeit der Reduktion auf vielen Arbeitsfeldern schmerzlich bewusst. Auch eine reduzierte Arbeit der Kirchengemeinden lässt sich nicht mehr nur über Kirchensteuern finanzieren.
Vor Ort besteht bei vielen Menschen eine hohe Verbundenheit mit ihrer Kirchengemeinde. Die Angebote in vielfältiger Form und mit unterschiedlichen Schwerpunkten werden dankbar angenommen. Zudem wird von den Kirchengemeinden erwartet, dass sie sich als Volkskirche innerhalb der Gesellschaft und der kommunalen Strukturen evangeliumsgemäß, wertevermittelnd und verlässlich einbringt.
Die bisherigen Kirchgeldaktionen in einigen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Siegen, aber auch in anderen Kirchenkreisen, machen deutlich, dass die Gemeindeglieder sehr wohl bereit sind, sich zusätzlich finanziell an der Arbeit der Kirchengemeinde zu beteiligen. Dabei geht es nicht nur um den finanziellen Beitrag, sondern auch um die Wertschätzung und die Bedeutung der Angebote der Kirchengemeinden vor Ort, die nicht nur einer regelmäßigen Finanzierung, sondern auch einer regelmäßigen, verlässlichen Mitarbeit der Gemeindeglieder bedarf. Die Kirche wird und muss sich noch mehr als schon geschehen von einer Versorgungskirche zu einer Beteiligungskirche ihrer Mitglieder in vielfältiger Hinsicht wandeln, so die Einschätzung der Koordinierungstelle.

Bei der Umsetzung des Freiwilligen Kirchgeldes ist die Offenheit und Transparenz der Zweckbindung und Verwendung von hoher Bedeutung. Die Gemeindeglieder haben sowohl ein Recht darauf zu erfahren, wofür das Kirchgeld verwendet werden soll, als auch darauf, was durch den Einsatz der finanziellen Mittel in der Gemeinde entstanden ist. Daher kommt der Kommunikation der kirchlichen Arbeit vor Ort ein sehr hoher Stellenwert zu. Beteiligung bedeutet auch Informationsbeteiligung.
Die Einlassung auf das Freiwillige Kirchgeld ist mit einem hohen Maß an Arbeit für viele Gemeindeglieder verbunden und nicht nur ein Aufgabenfeld für Pfarrerinnen und Pfarrer oder die Finanzkirchmeister. Es bedarf einer Gesamtkonzeption, die mit dem Gemeindeprofil vor Ort zusammenhängt. Und es muss, mit einem langen Atem versehen, immer wieder Informations- und Überzeugungsarbeit geleistet werden.
kp

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