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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

KILWAG – Dankeschön an Magdalena Kröber
Praktische Entwicklungshilfe aus dem Siegerland

Magdalena Kröber (Bildmitte) erhielt zum Dank ein Kleid
20.06.2007 12:42
Damit hatte Madgalena Kröber nicht gerechnet. Die Überraschung war ihr deutlich anzuspüren. Am Ende einer Beratung mit tansanischen Frauen in Weidenau wurden kürzlich etliche Päckchen überreicht und ein herzliches Dankeschön an Magdalena Kröber kam zum Ausdruck.
Die pensionierte Lehrerin ist verantwortlich für die Entstehung von KILWAG. KILWAG ist die Abkürzung für Kibaha Lutheran Women Advance Group, ein Hilfsprogramm für Frauen in der Lutherischen Kirche des Kirchenkreises Kibaha.

Die Idee zu dem Frauenhilfsprogramm entstand 1994, als Paul Heinrich Groos und Magdalena Kröber aus der Kirchengemeinde Klafeld die Partnergemeinde in Bagamoyo besuchten. Sie erhielten Einblick in die schwierige Einkommenssituation der Familien. Das Monatsgehalt eines Lehrers reichte gerade aus, um Miete, Wasser und Strom zu bezahlen. Für Essen, Kleidung, Schulbildung der Kinder und andere Grundbedürfnisse müssen die Familien weitere Einkommensmöglichkeiten erschließen. Feld- und Gartenwirtschaft, Kleintierhaltung, Handarbeiten und Gelegenheitsarbeiten sind für jede Familie lebensnotwendig.
Es bildete sich die Möglichkeit heraus, Handarbeiten wie Matten und Körbe herzustellen und zu vermarkten. Durch diese Einnahmen können besonders nicht berufstätige Mütter bei der Finanzierung der Schulkosten für die Kinder ihren Beitrag leisten.

Bevor jedoch die tansanischen Frauen ihre Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit unter Beweis stellten, erhielten sie Tipps, wie die Handarbeiten beschaffen sein müssten, damit sie sich in der Bundesrepublik verkaufen ließen. Dennoch sollte der tansanische kulturelle Hintergrund bezogen auf die Farben, Materialien, alte Symbole und Muster sowie Fertigungstechniken erhalten bleiben.
Ein ganzes Sortiment an Produkten wurde zu Beginn der Produktion in der Kirchengemeinde Klafeld und im Kirchenkreis in verschiedenen Gruppen und Kreisen getestet. Dabei wurden nicht nur die für die hiesigen Lebensumstände geeigneten Produkte ausgewählt, sondern auch Farbkombinationen, Maße und Größen bedacht. Das Projekt stieß bei vielen Frauenhilfsgruppen im Siegerland auf offene Ohren und hilfsbereite Herzen.

Die Produktion beginntEnde 1996 konnte in dem Ort Bagamoyo ein Haus bezogen werden, das mit Wasser und Strom ausgestattet war. Magdalena Kröber, damals frisch pensioniert, zog für zwei Jahre nach Tansania und stand dem Kirchenkreis Kibaha als freie Mitarbeiterin zur Verfügung. Die Arbeit der ersten Frauengruppe begann und weitete sich auf andere Orte im Kirchenkreis Kibaha aus. Im Januar 1998 fuhr Magdalena Kröber für vier Wochen zum „Arbeitsurlaub“ nach Siegen. Im Gepäck ein erstes Sortiment an Körben, Matten, Untersetzern, Taschen und Batikstoffen. In hiesigen Frauengruppen wurde die Ware kritisch begutachtet und zusätzliche Wünsche nach Produkten aus Tansania geäußert. „Die Frauen in Tansania freuten sich über jedes verkaufte Stück, war es doch eine Anerkennung ihrer Arbeit“ erinnert sich Magdalena Kröber. Am 6. Juni 1998 entstand aus der Frauenarbeit das Projekt KILWAG, in dem acht Frauengruppen aus den Kirchengemeinden des Kirchenkreises Kibaha zusammengeschlossen sind. Aus den Erlösen konnten beispielsweise anfangs sechs Nähmaschinen gekauft werden. Im Laufe der Jahre wurde deutlich, dass die Transportkosten nach Deutschland zu kostenintensiv waren. Die Produktionen wurden 2001 umgestellt auf landwirtschaftliche Nebenerwerbe, beispielsweise Hühnerhaltung, deren Erzeugnisse im nahem Umland verkauft werden können. Erste Erfolg versprechende Ansätze sind erkennbar. Jetzt müssen die Frauen geschult werden in Marktanalyse, Marketing, Kalkulation sowie Einnahme-/Ausgaberechnung. Hier kann die Vereinigte Evangelische Mission in Wuppertal Hilfe leisten. Kontakte wurden bereits in den vergangenen Tagen geknüpft. Für den finanziellen Start sind Kleinstkredite nötig, wie sie beispielsweise Oicokredit vergibt, die kürzlich eine Beratungsstelle in Daressalam, der Hauptstadt Tansanias, eröffnet hat.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Magdalena Kröber (Dritte von rechts) freut sich sehr über das neue Kleid aus Afrika.

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