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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Hoffnung und professionelle Arbeit
Runder Tisch für die EFL - Unterstützer suchen Unterstützer

Ehe, Famlilien- und Lebensberatungsstelle
05.10.2007 12:42
Erstmals trafen sich jetzt im Haus der Kirche in der Siegener Oberstadt ein noch kleiner Kreis von Unterstützern aus Wirtschaft, Kultur und Kirche, denen die Arbeit der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Kirchenkreis Siegen ein Anliegen ist. „Solche Unterstützer“, so Annette Mehlmann, stellvertretende Leiterin der Kircheneinrichtung, „gibt es noch lange nicht genug.“ Ein hohes Ziel haben sich die Unterstützer gemeinsam mit der Einrichtung und dem Kirchenkreis gesetzt: In Zukunft soll die Ehe-, Famlien- und Lebensberatungsstelle neben den staatlichen Zuschüssen überwiegend aus Spendenmitteln finanziert werden. Rund 200.000 Euro sind dazu jedes Jahr nötig. Nur noch bis Ende 2008 ist der Erhalt der Beratungsstelle durch den Kirchenkreis sichergestellt. Aber auch danach soll sie eine kirchliche Einrichtung bleiben. Daher änderte der Kirchenkreis seinen ursprünglichen Beschluss, keine Kirchensteuermittel mehr für die Einrichtung zu verwenden und gewährt einen jährlichen Sockelbetrag von 26.000 Euro. Eine Summe, die nun an anderer Stelle eingespart werden muss. Insgesamt benötigt die EFL pro Jahr 640.000 Euro. Rd. 400.000 Euro davon werden aus Landeszuschüssen aufgebracht, unterschiedlich hoch für die einzelnen Beratungsbereiche.

Zweckmäßig wäre die Bildung einer kirchlichen Stiftung mit entsprechenden Unterstiftungen, von denen eine der Finanzierung der EFL zugute käme. Damit eine solche Stiftung allerdings die benötigten Erträge abwirft, müssen rund fünf Millionen Euro Stiftungsvermögen zusammenkommen. Kurzfristig scheint dies nicht realisierbar. Dennoch wird die Einrichtung einer solchen Stiftung weiter verfolgt, erklärte Superintendentin Annette Kurschus, da man hierbei auf langfristige Entwicklungen setze. Erste Satzungsentwürfe seien schon in Arbeit. Für den Erhalt der EFL in den nächsten Jahren müssen andere Finanzierungsmodelle zusätzlich greifen.

Hartmut Menzel, Leiter des Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein erläuterte die finanziellen und gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, in denen sich die Kirche derzeit bewegt. In den letzten 13 Jahren hat die Evangelische Kirche von Westfalen über 25% ihrer Steuerkraft verloren. Bis zum Jahre 2030 rechnet die westfälische Landeskirche mit weiteren Mindereinnahmen in Höhe von 25%.
Hat die Landeskirche in 1972 noch 3,6 Mio. Gemeindeglieder gezählt, sind es heute nur noch etwa 2,6 Mio. In diesem Zeitraum ist im Kirchenkreis Siegen die Anzahl der Mitglieder von 175.000 auf 136.000 gesunken. Der Anteil der Rentnerinnen und Rentner, die keine oder nur sehr geringe Kirchensteuerbeiträge zahlen, steigt.
Die Kreissynode hat daher vor zwei Jahren beschlossen, die eingehenden Kirchensteuereinnahmen jährlich zu 78% für die Gemeinden, zu 12% für die Superintendentur und die Verwaltung und zu 10% für die Referate und Einrichtungen zu verwenden. Diese 10% reichen bei weitem nicht aus, um die derzeit vorhandenen Referate aus Kirchensteuermitteln zu erhalten. Es muss kräftig eingespart, wenn möglich anders finanziert oder abgebaut werden. Auch in der EFL ist schon Personal eingespart worden. Stellen von Mitarbeitenden, die in Altersteilzeit gegangen sind, wurden nicht wieder besetzt.

Unterstützung findet die EFL derzeit schon im Förderverein, den Prof. Dr. Hans-Heinrich Goßmann leitet. Dieser Verein hat zurzeit 80 Mitglieder und finanziert eine Jahrespraktikantenstelle und 9 Stunden Fundraisingtätigkeit. Der Verein nimmt Spenden an von Menschen, die in der Einrichtung erfolgreich beraten worden sind. Goßmann: „200.000 Euro im Jahr kann der Verein nicht aufbringen.“

Um dennoch die Einrichtung für die Bevölkerung zu erhalten, muss jetzt vermehrt auf private Unterstützung gesetzt werden. 85.000 Euro Spenden konnten bisher für die Zeit nach 2008 angespart werden. Weitere Zusagen liegen vor. Das Jahr 2009 kann somit voraussichtlich finanziert werden, mehr allerdings noch nicht. Beratungsgebühren darf die EFL wegen der Landeszuschüsse nicht nehmen.
Annette Kurschus: „Wir leben von der Hoffnung und der Profession.“ Daher werden Paten gesucht, die die Einrichtung regelmäßig unterstützen. Die Klienten werden um Spenden gebeten. Jährlich werden künftig Spendenbriefe verschickt. Besonders wichtig sind für die Einrichtung Personen und Firmen, die die Einrichtung mit größeren Summen unterstützen. Wolfram Bensberg, Fundraisingbeauftragter des Kirchenkreises: „Auch die Unternehmen im südlichen Westfalen haben etwas davon, dass es die EFL gibt. Ihre Mitarbeitenden werden in psychisch schwierigen Situationen hier betreut und begleitet, damit sie in der Lage bleiben, ihrer Arbeit nachgehen zu können.“

Die 17 überwiegend Teilzeitmitarbeitenden in der EFL haben mehr als alle Hände voll zu tun. Über 1000 Menschen suchten im vergangenen Jahr Beratung nach. Mit über 5000 Menschen war die Beratungsstelle in Kontakt. 8-15 Menschen besuchen mittwochs in der offenen Sprechstunde ein Beratungsgespräch, aus dem Folgetermine entstehen. Jan Wingert, Leiter der EFL in Siegen und gleichzeitig Leiter der Hauptstelle der westfälischen Landeskirche weiß, dass Menschen die Einrichtung aufsuchen, weil dort sowohl seelsorgliche als auch psychotherapeutische Kompetenz vorhanden ist. Durch die Größe der Einrichtung und das hohe Engagement der Beraterinnen und Berater ist die Niederschwelligkeit gewährleistet mit nur kurzen Wartezeiten für die Terminvergabe.
kp

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