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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Tue Gutes und verdiene dran!
Nachhaltige Geldanlage in der Kirche

Antja Schneeweiß vom Institut Südwind
24.10.2007 16:34

Ev. Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen sind gesetzlich verpflichtet, Rücklagen zu bilden, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten finanzielle Durststrecken überbrücken zu können, oder aber einen Rückbau verträglich gestalten zu können. Die Kirche muss daher überlegen, wo und wie sie diese Rücklagen anlegt. Ist es anzustreben, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, wie es allgemein üblich ist, oder ist es wichtiger, mit den Rücklagen in der Welt ethisch verantwortlich Gutes zu tun. Lässt sich womöglich beides miteinander verbinden? Dass kirchliche Geldanleger nicht in Firmen investieren wollen, die mit Rüstung, Pornografie, Kinderarbeit oder Suchtmittel in Verbindung stehen, ist unstrittig. Gefördert werden sollen dagegen Investitionen, die dem Frieden, der Gerechtigkeit oder der Bewahrung der Schöpfung dienen. Nachhaltig werden solche Investitionen genannt. Wie lässt sich in den weltweiten Verzweigungen der Firmenbeteiligungen und der kaum zu überblickenden Bankenverbindungen feststellen, welche Anlagen nachhaltig sind? Um diese Fragen in die Kirchengemeinden hineinzutragen, hatte der Kirchenkreis Siegen kürzlich zu einem Presbyterabend eingeladen, um über nachhaltige Geldanlagen zu informieren. Vom Institut Südwind, einem auf Vereinsbasis organisierten kirchennahen Institut für Ökonomie und Ökumene mit Sitz in Siegburg referierte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Antje Schneeweiß über sozialverantwortliche Geldanlagen. Mit ihnen lassen sich ethische , soziale und ökologische Anliegen verbinden mit guter Rendite und Sicherheit. Es gibt spezielle Einrichtungen, so erfuhren die Teilnehmenden, die solche Nachhaltigkeitsüberprüfungen anhand festgelegter Qualitätsmerkmale vornehmen und nach einer Rangordnung zusammenstellen. Antje Schneeweiß erläuterte als nachhaltige Geldanlagen Fördersparprodukte, Direktinvestitionen, Investmentprodukte oder aktiver Aktienbesitz.

Wie mit kleinen Krediten große Wirkung erzielt werden kann, zeigte Pfr. Matthias Elsermann am Beispiel Oikocredit, dessen Westdeutscher Fördervereinsvorsitzender er ist. Oikocredit ist eine genossenschaftliche Finanzierungseinrichtung, die zur Entwicklungsförderung Kredite und Kapitalbeteiligungen für beispielsweise Genossenschaften sowie kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungsländern bereitstellt. Sie wurde 1975 mit Sitz in den Niederlanden gegründet. Oikocredit ist privat finanziert: Einzelpersonen und Organisationen erwerben Oikocredit-Anteile. Direktmitglieder der Genossenschaft sind Kirchen, kirchliche Organisationen, Projekt-Mitglieder und Oikocredit-Förderkreise. Oikocredit zahlt eine bescheidene Jahresdividende von 2% an die Anleger aus. Oikocredit gibt Kapital an über 150 Mikrofinanzinstitutionen, die damit Kleinstkredite an hunderttausende von Einzelpersonen vergeben. Unterstützt wird damit die Eigeninitiative von Menschen, die bisher unter dem Existenzminimum leben mussten. Die Erfahrung von Oikocredit zeigt, dass sozial benachteiligte Menschen erfolgreich Unternehmen führen können, wenn die faire Kredite erhalten. Die Genossenschaft erreicht über 567 Geschäftspartner ca. 7 Mio. Menschen. Bekannt wurde das Verfahren der Microkredite durch Muhammad Yunus und die von ihm gegründete Grameebank, die 2006 den Friedensnobelpreis erhielten.

Schließlich zeigten Klaus Jennert, Vorstand, und Wibke Hock, Teamleiterin der KD-Bank, der Bank für Kirche und Diakonie, wie dieses kirchliche Geldinstitut der Nachhaltigkeit Rechnung trägt. Gegründet wurde die KD-Bank 1927 von Martin Niemöller zur Finanzierung diakonischer Projekte. Klaus Jennert erklärte, dass bei der Bank bestimmte Ausschlusskriterien bei Geldanlagen Geltung hätten. So werde nicht in Firmen investiert, von denen massive Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte, der Einsatz von Kinderarbeit bekannt sei sowie die Beteiligung an Glücksspielaktivitäten, Pornografie, Tabak und Alkohol bekannt seien. Ebenfalls für Anlagezwecke nicht in Frage kämen Produzenten von Waffensystemen und geächteten Waffen, Hersteller grüner Gentechnik, spezialisierte Unternehmen auf dem Bereich der Embryonen-Forschung oder Firmen, die Tierversuche durchführten, es sei denn, letztere seien gesetzlich vorgeschrieben.
Wibke Hock erläutere den Kirchenvertretern anhand ÖkoVision Classic und SustainableBalance-Plus zwei Fonds, die den strengen Kriterien der Nachhaltigkeit Rechnung tragen und eine gewisse Wertgarantie böten. Die Banker machten deutlich, dass sich mittlerweile auch mit nachhaltigen Geldanlagen eine ordentliche Dividende erwirtschaften lasse.Nach den umfänglichen Informationen und Diskussionen blieb zum Schluss Superintendent Stefan Berk die Bemerkung: „Jetzt fehlt uns nur noch das Geld.“
kp

Text zum Bild: Foto Karlfried Petri

Antja Schneeweiß vom Institut Südwind erläuterte den Presbyteriumsmitgliedern welche Bedeutung eine nachhaltige Geldanlage hat.

Klaus Jennert von der Bank für Kirche und Diakonie zeigte auf, wie in der Kirchenbank der Nachhaltigkeitsforderung Rechnung getragen wird.


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