Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Miteinander auf Augenhöhe
Zukunft der Gemeinschaften in der evangelischen Kirche

Pfr. Dr. Christoph Morgner, Kassel
14.11.2007 16:16
„Die Gemeinschaftsbewegung in der Evangelischen Kirche zwischen gestern und morgen“ lautete das Thema, dass die emeritierten Pfarrer im Kirchenkreis Siegen bei ihrem vergangenen Treffen im Gemeindehaus St-Johann-Straße in Siegen bedachten. Als fachkundigen Referenten hatten sie dazu den Präses des Gnadauer Verbandes Pfr. Dr. Christoph Morgner, Kassel, eingeladen. Für die Situation im Siegerland ist das Thema nicht unbedeutend, gehören doch zum Evangelischen Gemeinschaftsverband Siegerland –Wittgenstein über 80 Gemeinschaften. Dachverband der Gemeinschaften ist in Deutschland der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband mit Sitz in Kassel. Unter diesem Dach sind derzeit 39 Landesverbände versammelt. Der Gemeinschaftsverband im Siegerland zählt zu den kleinen bis mittelgroßen Verbänden. Hinzu kommen noch 16 Diakonissenmutterhäuser, 10 theol. Ausbildungsstätten und sieben Missionsgesellschaften sowie besondere Werke wie die Deutsche Zeltmission oder das Blaue Kreuz. 1888 fand das erste so genannte Pfingsttreffen der Gemeinschaftsbewegung in Gnadau, einem Ort mit einer kleinen Herrnhuter Siedlung in der Nähe von Magdeburg statt und gab dem Verband seinen Namen.
Christoph Morgner stellte heraus, dass es in dem Verband im Grundsatz um die beiden Schwerpunkte „Christ werden“ und „Christ bleiben“ gehe. Die Devise dabei laute: In der Kirche, mit der Kirche aber nicht unter der Kirche. Der Verband möchte unabhängig sein von unwägbaren Synodenbeschlüssen und verstehe sich als evangelische Kirche in Form eines freien Werkes. Die evangelische Kirche, so Morgner, lasse sich ohne die freien Werke nicht denken. Der Verband stehe nicht für theologische Sonderlehren, sondern stehe auf reformatorischem Boden. Er fördere die ehrenamtliche Mitarbeit. Die Volkskirchliche Situation sei heute anders als vor 100 Jahren. Die Veränderungen in der Kirche hätten auch Rückwirkungen auf den Gnadauer Verband. Das Spektrum der Gemeinschaften sei heute größer als früher. Mittlerweile gebe es auch Gemeinschaften, die sich als eigene Gemeinde verstünden.
Das Miteinander von Kirche und Gemeinschaften sei in der Regel auf Landeskirchenebene geregelt. Morgner findet es Schade, dass es im Siegerland nicht so ist. Die Arbeitsformen der Gemeinschaften gestalten sich in drei Modellen. Zum einen ist es ein ergänzender Dienst in den Kirchen. Es gibt aber auch Formen der partiellen Stellvertretung und der alternativen Stellvertretung. Zur letzten Form gehört beispielsweise die Berliner Stadtmission mit eigenen Gemeinden. Bisher sind in der Kirche die so genannten Parochialgemeinden, die Gemeinden auf einen bestimmten Ort bezogen, die normale Ausprägung. Die so genannten Personalgemeinden, losgelöst vom Wohnort, werden nach Einschätzung des Verbandspräses künftig stärker präsent sein. Dies sei auch Einschätzung der EKD. Theologische Inhalte und besondere Gemeindeformen würden künftig Gemeindezugehörigkeiten stärker bestimmen.
Für eine qualifizierte Gemeindearbeit sei auch in den Gemeinschaften qualifiziertes Personal erforderlich. Es werde in der Regel von den Kirchen gefördert, die Dienste seien durch Vereinbarungen abgedeckt. Auf den „oberen“ Etagen bestehe ein gewachsenes Vertrauensverhältnis. Viele Gemeinschaftsleute arbeiteten in der Kirche mit als Presbyter, Lektoren oder Prädikanten. Manche Pfarrer hätten für die Dienste der Gemeinschaften Verständnis. Manchmal hätten es Kirchengemeinden und Gemeinschaften allerdings auch miteinander schwer. Da gelte es zu überlegen wo geholfen und geheilt werden könne und wie man zueinander finde. Es sei zu überlegen, wie man gemeinsam evangelische Kirche gestalten könne. Morgner: „Die Volkskirche ist unsere Herkunft, nicht aber unsere Zukunft.“ Ebenfalls keine Zukunft hat seiner Einschätzung nach die Kirchensteuer. Trotz dieser Beurteilung ist es ihm wichtig alles zu unternehmen, um die Volkskirche zu erhalten und zu pflegen, weil „sie eine große Chance bietet“. Manche Freikirchen würden sich freuen, hätten sie die Gelegenheiten, so in die Häuser der Menschen kommen zu können, wie dies für die Pfarrer einer Volkskirche möglich sei.
Den Blick nach vorne gerichtet, wünscht er sich, dass die Kirche der Zukunft stärker die Inhalte pflegt. Das Priestertum aller Gläubigen hat für Morgner Bedeutung. Und missionarisches Engagement. Ausgeprägte Kleingruppenarbeit hält der Pfarrer für die Stärke der Gemeinschaften.
Der Präses des Gemeinschaftsdachverbandes wünscht sich ein miteinander von Kirche und Gemeinschaften. Vertrauensbildende Elemente müssten gefördert werden. Dazu gehört für ihn, dass sich Kirche und Gemeinschaften auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen. Für hilfreich hält er, miteinander zu reden. Mindestens einmal im Jahr sollten die Gremien vor Ort miteinander tagen. Absprachen hülfen beim Miteinander. Begegnung in gegenseitiger Wertschätzung schaffe Vertrauen.
Zum Schluss zitiert Morgner hoffnungsvoll Calvin: „Die Kirche lebt von vielen Auferstehungen.“
kp

Text zum Bild: (Karlfried Petri) Pfr. Dr. Christoph Morgner, Präses des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, stand den Siegener Pfarrern im Ruhestand und ihren Ehefrauen nach seinem Vortrag Rede und Antwort.

zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003