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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kirche nahe bei den Menschen
Große Gemeinden mit gut ausgebautem Netzwerk

Pfr. Dr. Klaus Neumeier, Bad Vilbel
14.11.2007 16:43
Haben die Ortsgemeinden in der evangelischen Kirche Zukunft, fragten sich die Teilnehmenden kürzlich auf dem Impulstag des Kirchenkreises Siegen im evangelischen Gymnasium Weidenau. Eingeladen hatte der Arbeitskreis „Gemeinsam unterwegs“ des Kirchenkreises Siegen Pfr. Dr. Klaus Neumeier aus der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Vilbel, um zukunftsweisende Antworten zu finden. Schwerpunkte seiner Arbeit sind alternative Gottesdienstformen, zielgruppenorientierte Gemeindearbeit sowie zeitgemäße Gemeindeentwicklung in der Ortsgemeinde. Letzteres auch auf Ebene der hessisch-nassauischen Landeskirche.
In seinem Hauptvortrag skizzierte er die Gefahren, denen Gemeinden ausgesetzt sind. Es gebe Ortsgemeinden, die verschanzten sich hinter Kirchenmauern und seien sich selbst genug. In anderen Gemeinden habe die Tradition oberste Priorität. Es bestehe auch die Gefahr der Überforderung der evangelischen Freiheit. Wenn alles erlaubt sei, werde alles gleich-gültig. Er zeigte auf, was er als Wesentlich für zukunftsweisende Ortsgemeinden ansieht: Denen müsse es um Gott gehen, um vielfältige Erfahrungsräume und erlebbare Gemeinschaft mit liebevoller Fürsorge. Nicht zu unterschätzen sei eine einladende Atmosphäre. Dies könne erreicht werden, wenn die Gemeinde als Organismus gelebt werde. Hierzu sei die Beteiligung Vieler wichtig unter Berücksichtigung von gabenorientierter Mitarbeit sowohl für die Ehrenamtlichen, aber auch für die Hauptamtlichen. Die Organisation in Teams erfordere allerdings regelmäßige Kontakt- und Beziehungsarbeit.

In einer der Arbeitsgruppen zeigte er auf, wie eine Gemeinde verändert werden könne, ohne sie zu ruinieren. Er riet den Gemeindegliedern und Pfarrern, möglichst Altes mit Neuem zu verbinden. Nicht alles Hergebrachte sei schlecht. Aber es reichte oft nicht aus, um die Menschen von heute zu erreichen. In der evangelischen Kirchengemeinde Bad Vilbel arbeiteten etwa 250 Ehrenamtliche in 70 Teams mit. Da sei erforderlich, ständig das Gespräch zu suchen.
Seine Vorstellungen für die Zukunft sind größere Gemeinden mit einem gut ausgebauten Netzwerk.
Neumeier: „Was wir retten müssen ist nicht die Ortsgemeinde als Struktur, sondern die Kirche nahe bei den Menschen. Auch größere Ortsgemeinden können so gestaltet werden, dass die lokalen Angebote bleiben, beispielsweise über ausgeprägte Hauskreisarbeit, in der die Menschen Gemeinschaft erlebten. In den heutigen Strukturen würden die Kirchen dem Missionsgedanken, nämlich nahe bei den Menschen zu sein, nicht gerecht.

Die Größe ermögliche es, besondere Angebote vorzuhalten. Als Beispiel nannte er die Gemeindebüros. Eine kleine Gemeinde könne ggf. nur ein Gemeindebüro vorhalten, das zwei Stunden an wenigen Tagen in der Woche geöffnet habe. Zweckmäßiger sei aber womöglich ein Gemeindebüro für einen größeren Einzugsbereich, das 40 Stunden die Woche geöffnet habe, personell und technisch richtig gut ausgestattet und mit den Arbeitszimmern der Pfarrerinnen und Pfarrern vernetzt sei, damit von dort auf alle erforderlichen Daten zugegriffen werden könne.
Auch im Jahre 2030 ist seiner Meinung nach die Kirche in den Dörfern und Städten präsent und Christen stünden als Ansprechpartner zur Verfügung. Dies kann erreicht werden über eine gemeindliche Netzwerkstruktur mit zielgruppenorientierter Schwerpunktbildung.

Mit einem Wort in den Weg beendete Synodalassessor Hans-Werner Schmidt aus Alchen die Tagung im Gymnasium. Es sei hilfreich, nicht stöhnend zu fragen, ob das denn gelingen könne, sondern neugierig zu überlegen, wie es gelingen könne.
kp

Text um Bild: (Foto Karlfried Petri)
Pfr. Dr. Klaus Neumeier gab wertvolle Impulse für eine zukunftsträchtige Gemeindeentwicklung. Auch für einzelne Gespräche der Mitarbeitenden stand er zur Verfügung.

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