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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Meine Kirche – dafür habe ich was übrig
Kirchengemeinden erbitten freiwillige finanzielle Unterstützung von den Gemeindegliedern

Pfr. Wolfram bensberg, Superintendentin annette Kurschus und Pfr. Michael Junk
14.11.2007 16:50
Post von ihrer evangelischen Kirchengemeinde erhalten in den nächsten Wochen etliche Gemeindeglieder im Siegerland und Olper Raum. In diesen Briefen stellen die Gemeinden spezielle Aufgaben und Projekte vor, für die sie um finanzielle und ehrenamtliche Unterstützung bitten. Einführung eines Freiwilligen Kirchgeldes lautet die Aktion, an der sich über 20 Kirchengemeinden beteiligen und die sich zu einer Dauereinrichtung der Kirchengemeinden entwickelt. In einigen Kirchengemeinden ist das freiwillige Kirchgeld, zum Teil unter anderer Bezeichnung, bereits zu einer Einrichtung geworden.

Weniger Finanzkraft
Die Einbrüche bei den Kirchensteuern waren in den letzten Jahren beträchtlich, auch wenn derzeit durch den wirtschaftlichen Aufschwung eine leichte Entspannung zu verzeichnen ist. Die fetten Kirchensteuerjahre sind vorbei. An Finanzkraft hat die westfälische Landeskirche in den vergangenen 14 Jahren (1992–2006) rund 30% an Kaufkraft verloren. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Dazu gehören die Steuerreformen ebenso wie der Wegbruch von Arbeitsplätzen ebenso wie die Zunahme von Menschen über 60 Jahren, die als Rentnerinnen und Rentner keine Kirchensteuer mehr zahlen. Zurzeit sind im Kirchenkreis Siegen fast ein Drittel der Kirchenmitglieder (40.579 Menschen) älter als 60 Jahre. Zu verzeichnen ist außerdem ein stetiger Rückgang der Gemeindegliederzahlen. Zur evangelischen Kirche gehören in den 30 Kirchengemeinden im Kirchenkreis Siegen zurzeit rund 135.000 Mitglieder. Die schrumpfen im Kirchenkreis Siegen jährlich um rund 1000 Personen. Dies hat überwiegend demographische Gründe. Es sterben mehr Menschen als geboren werden, es werden mehr Menschen beerdigt als getauft.Insgesamt wird mit einem Rückgang der evangelischen Gemeindeglieder in allen Landeskirchen um ca. ein Drittel bei der Halbierung der Finanzkraft bis zum Jahre 2030 gerechnet, so das EKD-Papier „Kirche mit Zukunft“.
Folgen für die Kirchengemeinden
Das hat für viele Gemeinden einschneidende Folgen. Gemeindehäuser können nicht mehr im bisherigen Umfang unterhalten werden. Pfarrstellen wurden und werden abgebaut. Nur noch wenige Gemeinden leisten sich einen Jugendreferenten, obwohl alle um die Bedeutung der Jugendarbeit wissen. Trotz umfangreicher staatlicher Refinanzierung sehen sich viele Kirchengemeinden nicht mehr in der Lage, Kindergärten im bisherigen Umfang zu unterhalten, da die Kosten deutlich höher sind, als die Refinanzierung durch den Staat. Küsterstellen werden abgebaut. Zunehmend ist ehrenamtliches Engagement gefragt.

Freiwilliges Kirchgeld
Einsparen, abbauen, reduzieren, kleiner werden ist daher auf der einen Seite das Gebot der Stunde, um auf die veränderten Gegebenheiten zu reagieren. Auf der anderen Seite sind die Kirchengemeinden mit ihren vielfältigen Angebote für viele Menschen etwas Wichtiges und Wertvolles. Mit Angeboten für ältere Menschen, Kinder, Jugendliche und Familien. In den Ortschaften des Siegerlandes gehören die Kirchengemeinden zum öffentlichen Leben dazu. Und – diese Menschen sind bereit, ihre Kirchengemeinde über die sonntägliche Kollekte oder die Kirchensteuer hinaus regelmäßig finanziell zu unterstützen. Beim Freiwilligen Kirchgeld geschieht dies durch eine Selbstverpflichtung gegenüber der Kirchengemeinde, beispielsweise für die finanzielle Unterstützung von besonderen Projekten oder Aufgaben. Das freiwillige Kirchgeld darf von den Gemeinden nur für die vom Kirchgeldgeber ausgewählte Aufgabe verwendet werden. Damit haben die Gemeindeglieder einen gewissen Einfluss darauf, was in ihren Gemeinden besonders gefördert werden soll. Für die Kirchengemeinden wird es zur Aufgabe, ihre Aktivitäten noch mehr als bisher mit den Gemeindegliedern zu kommunizieren. Selbstverständlich ist über die Verwendung der Kirchgelder gegenüber den Gemeindegliedern, beispielsweise durch regelmäßige Berichte in den Gemeindebriefen, Rechenschaft zu geben. Das freiwillige Kirchgeld soll zu einer neuen, zusätzlichen Form der Finanzierung der evangelischen Kirchengemeinden entwickelt werden.

Freiwilliger Beitrag
Der zusätzliche Beitrag ist und bleibt allerdings freiwillig. Niemand wird zu einer Abgabe gezwungen. Jeder bestimmt selbst nach eigener Einschätzung, ob und in welcher Höhe er Freiwilliges Kirchgeld geben will. Mit den Zahlungen sind keinerlei Vorzüge verbunden. Es darf keine Gemeindeglieder erster und zweiter Klasse geben. Jeder darf die Angebote einer Kirchengemeinde auch dann künftig nutzen, wenn er kein freiwilliges Kirchgeld zahlen kann oder will.

Mit dem doppeldeutigen Motto „Meine Kirche – dafür hab ich was übrig“, beginnt in den nächsten Wochen in vielen Gemeinden des Kirchenkreises Siegen die Aktion Freiwilliges Kirchgeld. In Gemeindebriefen wurde bereits darauf hingewiesen und die Notwendigkeit erläutert. In den Gemeindeversammlungen zur Vorbereitung der Kirchenwahlen im Februar wurde in etlichen Gemeinden auch das Freiwillige Kirchgeld thematisiert. Plakate in den Kirchen, Schaukästen und Gemeinderäumen erinnern über einen längeren Zeitraum an den Beginn der Kirchgeldaktion. Und mit dem Schritt in die breite Öffentlichkeit wird sozusagen im Kirchenkreis Siegen der Startschuss gegeben.

Planungs- und Koordinierungsarbeit
Bis dass es soweit war, wurde eine erhebliche Planungs- und Koordinierungsarbeit erforderlich. Es begann mit dem Synodenbeschluss im November 2006 und der Einrichtung eines Arbeitskreises, der die Einführung von Freiwilligem Kirchgeld im Kirchenkreis Siegen vorbereiten sollte und die Gemeinden bei ihrer Arbeit unterstützt. Es fand eine Befragung aller Kirchengemeinden statt. Acht Gemeinden hatten bereits Erfahrungen mit dem Freiwilligen Kirchgeld und lieferten wertvolle Hinweise, die in die Überlegungen auf Kirchenkreisebene einflossen. Es wurde ein Fahrplan erstellt, wie die Vorbereitungen bis November 2007 gestaltet werden können. Eine in Ansätzen wissenschaftliche Begleitung erfuhr das Projekt des Kirchenkreises Siegen dadurch, dass der Fundraisingbeauftragte des Kirchenkreises Siegen, Pfr. Wolfram Bensberg, die Einführung eines freiwilligen Kirchgeldes am Beispiel des Kirchenkreises Siegen zu seiner Abschlussarbeit an der Fundraising-Akademie, Frankfurt, machte.

Am 30. Mai 2007 empfahl die Kreissynode Siegen mit großer Mehrheit den Kirchengemeinden zur zusätzlichen ständigen Finanzierung vor Ort ein freiwilliges Kirchgeld einzuführen.

Nun ging es darum, die einzelnen Gemeinden mit auf den Weg zu nehmen. Presbyteriumsbeschlüsse waren zu fassen. Ehrenamtlich Mitarbeitende galt es zu finden, die sich des Projektes in den Gemeinden annahmen. Die Kirchgeldprojekte mussten festgelegt und das Thema „Freiwilliges Kirchgeld“ in den Gemeinden kommuniziert werden. Gemeindebriefartikel wurden geschrieben, Informations- und Schulungsveranstaltungen fanden statt. Mit den Banken musste gesprochen werden, wie die Gemeinden an die benötigte Zahl von Überweisungsträgern gelangen. Kirchgeldbriefe waren zu formulieren. Es musste in den Kirchengemeinden geregelt werden, wie die Kirchgeldbriefe gedruckt werden sollen und wie sie anschließend ins Kuvert kommen. Sollen sie beispielsweise mit der Post befördert werden oder kann man das Porto sparen und die Konfirmanden oder andere Ehrenamtliche machen sich auf den Weg zu den Gemeindegliedern.
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Die Aktion freiwilliges Kirchgeld wurde jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.Im Bild v. links: Pfr. Wolfram Bensberg, Superintendentin Annette Kurschus und Pfr. Michael Junk

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