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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Kreissynode Siegen - 28. November 2007
„Ich wünsche mir ein neues Bewusstsein für das Gemeinsame“
Rückblick und Ausblick der Superintendentin vor der Kreissynode Siegen

Weg offen für Kindertageseinrichtungen auf Kirchenkreisebene

Superintendentin Annette Kurschus
30.11.2007 12:53

Das zu Ende gehende Kirchenjahr war für den Kirchenkreis Siegen nach Darstellung von Superintendentin Annette Kurschus in ihrem Bericht vor der Kreissynode geprägt von weit reichenden Veränderungen und schwer wiegenden Entscheidungen, von notgedrungenen Abbrüchen und schmerzlichen Abschieden, von wagemutigen Neuanfängen und hoffnungsvollen Aufbrüchen. Und: Auch bei uns werde neu nach Gott gefragt.

Neue Gottesdienstformen
Ein „Pfund“ des Kirchenkreises Siegen liegt nach ihrer Einschätzung zweifellos im Bereich der gottesdienstlichen Aktivitäten. Die tiefe theologische Überzeugung, dass der Gottesdienst nach wie vor die Mitte des Gemeindelebens bilde, mache die Verantwortlichen an dieser Stelle besonders erfinderisch und lasse sichtbar und spürbar Neues wachsen. In fast allen Gemeinden würden inzwischen zusätzlich zum traditionellen Gottesdienst am Sonntagmorgen weitere Gottesdienst- und Andachtsformen ausprobiert, die jeweils besondere musikalische, inhaltliche oder liturgische Akzente setzten und eine Vielzahl von Menschen ansprächen, teilweise weit über die eigene Gemeinde hinaus.

Freiwilliges Kirchgeld
Der Blick auf die geringer werdenden Finanzen, so die Superintendentin, habe inzwischen eine neue Wendung ins Konstruktive genommen. Neue Finanzierungswege würden beschritten, fantasievolle Spendenmöglichkeiten eröffnet und Menschen gewonnen, die ihr Geld gezielt für konkrete Vorhaben der Gemeinde einsetzten. Das Projekt eines freiwilligen Kirchgeldes unter dem Motto „Meine Kirche – dafür habe ich was übrig“ sei in einigen Gemeinden bereits verheißungsvoll angelaufen und auf einem guten Weg.

Presbyteriumswahlen
Als Besorgnis erregend schildert sie, dass es einem guten Drittel der Gemeinden nicht gelungen sei, genügend Kandidatinnen und Kandidaten für die bevorstehenden Presbyteriumswahlen zu finden. Presbyterien seien zunehmend mit unliebsamen Aufgaben konfrontiert. Es müssten Gebäude geschlossen, Mitarbeitende entlassen und Haushaltssicherungskonzepte erstellt werden. Großen Respekt habe sie vor denen, die sich diesen Aufgaben seit Jahren stellten. Menschen, denen ihre Gemeinde etwas bedeute, würden gebraucht.

Kinder- und Jugendarbeit
Als elementar und unaufgebbar zum Auftrag der Kirche gehörend bezeichnete Kurschus, dass Kinder und Jugendliche in den Gemeinden ein Zuhause finden könnten, wo sie willkommen seien, wo sie gefördert und angesprochen würden, wo sie in lebendigen Kontakt gerieten mit dem christlichen Glauben und dadurch Orientierung für ihr Leben erhielten. Dies sei Gemeindeaufbau in seiner ursprünglichen Form. Kurschus: „Arbeit mit Kindern kostet Zeit und Einsatz und Liebe und – Geld. Arbeit mit Kindern und Jugendlichen braucht kompetente, gut ausgebildete Männer und Frauen, die hauptamtlich in unseren Gemeinden tätig sind und andere dazu ermutigen und befähigen und dabei begleiten können, ehrenamtlich mitzuarbeiten. Ich beobachte mit Sorge, dass die Kapazitäten ausgerechnet an dieser Stelle einzubrechen drohen.“ An dieser Stelle sieht sie den Kirchenkreis in die Pflicht genommen, der die Kirchengemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu unterstützen habe.

Solidarität angemahnt
Im Blick auf die Gesamtheit der Gemeinden wünscht sich die Superintendentin, dass „unter uns ein neues Bewusstsein wächst für das, was unsere gemeinsame Sache ist.“ Die Sorge für die eigene Gemeinde dürfe nicht das einzige Motiv des Handelns sein. Die Kindergärten in evangelischer Trägerschaft, die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder die gemeindenahe Diakonie gehörten zu den gemeinsamen Aufgaben, bei denen die entscheidende Frage nicht laute, was die Gemeinden davon hätten, sondern „Wie wollen wir unsern Auftrag als Kirche für die Menschen in unserer Region evangeliumsgemäß und glaubwürdig gestalten?“ Sie hebt hervor, die Bürgermeister und Landräte im Rahmen des Präsesbesuchs hätten deutlich gemacht, dass sie auf das unverwechselbare Profil der evangelischen Kindergärten aus inhaltlichen Gründen nicht verzichten möchten. Deshalb setze der Kirchenkreis derzeit alles daran, die Arbeit von Kindertageseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft möglichst flächendeckend zu sichern.
Auch bezogen auf die Arbeit der hauptamtlichen Jugendreferenten und Gemeindepädagogen sieht sie den Kirchenkreis in der Pflicht, diese Arbeitsfelder auf Kirchenkreisebene anzusiedeln und sie damit zu sichern.

Diakonie
Die Arbeit der Diakonie, so betonte die leitende Theologin im Kirchenkreis Siegen, geschehe für alle Kirchengemeinden. Sie werde von den meisten Menschen als kirchliche Arbeit wahrgenommen und geschätzt. Die Bildung des Krankenhausverbundes aus den drei evangelischen Krankenhäusern und der beiden Häuser des Siegener Kreisklinikums böten die Chance, das Miteinander als Gemeinde, Diakonie und Kirchenkreis noch einmal gründlich zu bedenken und möglicherweise hier und da neu zu gestalten. In den Presbyterien wünsche sie sich eine Diskussion darüber, wie gemeindenahe Diakonie vor Ort konkret gestaltet werden könne, welche Beratungs- und Hilfsdienste als unentbehrlich angesehen würden, welche Aufgaben die Diakonie stellvertretend für die Gemeinden übernehmen müsse.

Abschließend weist die Superintendentin in ihrem Synodenbericht dankbar auf die vielen Zeichen im Kirchenkreis Siegen hin, die von der Verantwortung in der Welt zeugten, von einem Einsatz in ökumenischer Weite, von gesellschaftspolitischer Parteinahme für die Schwachen und Benachteiligten, von der Sorge um Frieden und Gerechtigkeit und von einem empfindlichen Bewusstsein für die Gefährdung der Schöpfung.
kp



Ergebnis mit Unsicherheiten
Weg offen für Kindertageseinrichtungen

Es war eine lange und schwere Geburt, die die Kreissynode Siegen jetzt auf ihrer Tagung in der CVJM-Jugendbildungsstätte Wilgersdorf zu bewerkstelligen hatte. Zu unterschiedlich waren für eine schnelle Entscheidung die Einschätzungen der Kirchengemeinden darüber, ob die Trägerschaft von Kindertageseinrichtungen auf Kirchenkreisebene mehr Nachteile oder mehr Vorteile bietet. Schlussendlich wurde die Satzung für die Ev. Kindertageseinrichtungen in der Trägerschaft des Kirchenkreises Siegen beschlossen und der Weg für eine kreiskirchliche Trägerschaft frei gemacht. 84 Synodale stimmten dafür, 34 dagegen. Insgesamt zwar eine Mehrheit, aber bei 181 stimmberechtigten Synodalen wird in dem Ergebnis die noch bestehende Unsicherheit Vieler deutlich.
Kann es der Kirchenkreis besser als die Gemeinden? Haben die Gemeinden bei einer Kirchenkreisträgerschaft noch genügend Mitspracherecht? Was kostet am Ende die Trägerschaft auf Kirchenkreisebene die Gemeinden? Und, sind die fünf Gemeinden, die keine Kindertrageseinrichtungen haben, bereit, diese Arbeit solidarisch mit zu finanzieren? Eine große Unbekannte in der Diskussion war das neue KIBIZ (Kinderbildungsgesetz), das zum 1. August 2008 in Kraft tritt. Ein Jahr lang sollen die Kirchengemeinden mit den KIBIZ-Regelungen Erfahrungen sammeln, um dann zu überlegen, ob es besser ist, die Trägerschaft der Kindertageseinrichtungen an den Kirchenkreis abzugeben. Niemand weiß bislang, welche finanziellen Auswirkungen das Gesetz mit sich bringt. Daher betonte die Superintendentin Annette Kurschus zu Beginn der Beratungen, dass auf dieser Synode noch nicht ein Finanzierungsmodell zu beraten sei. Ziel der Satzung sei, Kindergartenarbeit in kirchlicher Trägerschaft zu sichern.
Pfr. Stefan König, Nikolaikirchengemeinde Siegen, brachte die Vorlage ein. Er hoffe, dass das Ergebnis künftig für eine gute Qualität stehe und dass es gelinge, eine Struktur zu schaffen, die es erlaubt, einen Grundbestand an ev. Kindertageseinrichtungen in der Fläche und in den Gemeinden zu erhalten. Synodalassessor Hans-Werner Schmidt machte darauf aufmerksam, dass es sich rechnen könne, ein gemeinsames Finanzierungspaket für die Kindertageseinrichtungen und die Jugendarbeit zu schnüren. Das könne aber erst auf der nächsten Synode beraten werden.
Etliche Synodale sahen das neue Trägermodell skeptisch und nicht losgelöst von der Finanzierung. Pfr. Herbert Scheckel ist davon überzeugt, dass das Ziel durch die Gemeinden mit weniger finanziellem Aufwand und Organisationsaufwand erreicht werden könne. Immer größere Einheiten zu schaffen, hielt Pfr. Christoph Meyer für die falsche Richtung. Dadurch gehe für die Gemeinden viel verloren. So mancher Synodale hatte seine Befürchtung, dass durch die Trägerschaft auf Kirchenkreisebene der Einfluss der Gemeinden auf die Kindergartenarbeit zu gering werde.
Wie eng das Finanzbudget mittlerweile bei den Gemeinden ist, machten die Kirchengemeinde Burbach und die Erlöser-Kirchengemeinde deutlich. Die Kirchensteuerzuweisungen für die Erlöser-Kirchengemeinde in Siegen, so Pfarrer Armin Pulfrich, betrügen 130.000 Euro. Davon müssten 90.000 Euro für die Kindergärten aufgegeben werden. Ohne kreiskirchliche Trägerschaft seien ihre Kindertageseinrichtung in evangelischer Trägerschaft nicht zu halten. Sichergestellt werden müsse allerdings, da waren sich die Synodalen einig, dass sich die Kirche gegenüber Stadt und Kreis als ein verlässlicher Verhandlungspartner erweist.
kp


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