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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Gefahr durch Terror und Klima – Zeit zu handeln
Erhard Eppler referierte im Gemeindehaus St. Johann-Straße

Dr. Ehrhard Eppler
24.01.2008 14:52
Als Dr. Erhard Eppler 1981 sein Buch „Wege aus der Gefahr“ veröffentlichte, war die Welt noch in zwei große Blöcke aufgeteilt, die sich feindlich gegenüber standen. Abrüstung, Atomwaffenstationierung, kalter Krieg waren Entwicklungen, die die Gesellschaft bewegten und nicht zuletzt die Friedensbewegung zu Widerspruch und Widerstand herausforderten. Einer, der sich in dieser Zeit immer wieder warnend und visionär zu Wort meldete, war Erhard Eppler. 1926 in Ulm geboren trat er 1952 in die von Gustav Heinemann und Helene Wessel gegründete Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP) ein und wechselte 1956 zur SPD. Von 1970 bis 1991 war er Mitglied des Bundesvorstandes und viele Jahre Präsidiumsmitglied der SPD sowie Mitglied der Grundwertekommission. 1968 bis 1974 war er Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik stand Eppler von 1981 bis 1983 und von 1989 bis 1991 als Präsident dem Deutschen Evangelischen Kirchentag vor.

Die Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft hatte den ehemaligen Bundespolitiker, Mahner und Ermutiger anlässlich ihres Jahresempfangs jetzt zu einem Vortrag nach Siegen in das evangelische Gemeindehaus St.-Johann-Straße eingeladen. Pfarrer Raimar Leng und Prof. Dr. Ingo Baldermann begrüßten den Gast und stellten kurz die Arbeit der Gustav-Heinemann-Friedensgesellschaft vor, die nächstes Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks hat sich die Weltsituation verändert. Es gibt nur noch eine Weltmacht und als die herausragenden Gefahren der Gegenwart benennt Eppler den Terror und das Klima. Der 11. September 2001 sei der Beginn des 21. Jahrhunderts. Verbrecher einer islamistischen Organisation hätten dem bösen Feind Amerika Schaden zugefügt. Mindestens ebenso verhängnisvoll sei jedoch der 12. September gewesen, als Präsident Bush dem Terror den Krieg erklärt habe. Verbrecher seien damit zu Kriegern aufgewertet worden. Der Krieg gegen den Terror sei wie eine Verbrecherjagd mit Fahndungsfotos, Kopfgeld und dem Galgen geführt worden. Völkerrecht und Kriegsrecht hätten nicht mehr gegolten. Mit dem Erfolg, dass nach dem 11. September unendlich mehr Terror in der Welt sei, als je zuvor. Eppler: „Neu dabei ist, dass der Terror mit Selbstmordattentätern verbreitet wird. Dagegen ist kein Kraut gewachsen.“ Bisher habe man davon ausgehen können, dass ein Täter am Leben bleiben wolle. Daher habe auch die Abschreckung während des kalten Krieges funktioniert. Eppler: „Im 21. Jahrhundert werden wir mit Selbstmordattentätern leben müssen.“ Deren Waffen seien bislang noch konventionell und richteten „nur“ einen begrenzten Schaden an. Die Geheimdienste der großen Mächte hätten jedoch Angst, dass hochemotionale und fanatische Selbstmordattentäter in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommen könnten.
Das Gewaltmonopol des Staates, so zeigt Eppler auf, sei in vielen Ländern illusionär geworden. Wer in solchen Ländern Atomkraftwerke baue, der werde auch mit Atomterror rechnen müssen. Er warnt davor, das Gewaltmonopol des Staates zu privatisieren und zu kommerzialisieren.

Auf der Welt gebe es heute viele Zustände, die weder Krieg noch Frieden entsprächen. Kriege zwischen Staaten würden künftig selten sein. In Europa seien sie fast unmöglich. Die Gewalt innerhalb der Staaten nehme jedoch zu. Dadurch änderten sich auch die Aufgaben der Bundeswehr, die nicht mehr für die Landesverteidigung benötigt werde. Bei innerstaatlicher Gewalt könne die Staatengemeinschaft aber auch nicht grenzenlos zusehen. Pazifismus sei daher heute nicht mehr einfach Antimilitarismus. Friedensbotschafter könnten heute oftmals nur helfen, wenn zuvor Soldaten dafür sorgten, dass ein Konflikt mit Schusswaffen beendet werde.
Kürzer ging Eppler, der auch im Alter von 81 Jahren immer noch ein packender und engagierter Redner ist, auf die zweite große Gefahr, die Klimaveränderung, ein. Wassermangel sei beispielsweise eine Folge der Klimaveränderung, die ebenso wie Ölmangel Gewalt auslöse. Der Ausbau der Flughäfen, das persönliche Fahrverhalten der Menschen oder die Verlagerung des Gütertransportes auf die Schiene haben Auswirkungen auf den Klimawandel. Selbst das Beenden des Briefmonopols könne sich nachteilig auf das Klima auswirken. Wenn bisher ein Auto die Post bringe, seien unter Umständen drei unterschiedliche Postautos unterwegs.
Eppler appelliert an das verantwortungsvolle Verhalten der Menschen zu einer Einheit von Lebensstil und politischer Option. Er rät zu einer lebendigen Zivilgesellschaft, in der sich die Bürgerinnen und Bürger einbringen. Eppler: „Ich muss immer so handeln, als hätte ich die Zeit zu handeln und es einem anderen überlassen, ob ich sie habe.“
kp

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Visionär und engagiert zeigte Dr. Erhard Eppler im evangelischen Gemeindehaus St. Johann-Straße auf, welche Gefahren der Terror und das Klima heute darstellen.

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