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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Reanimation erfolglos – Todesursache unklar
Rettungskräfte, Polizei, Notfallseelsorger und Bestatter im Gespräch

5. Tag der Siegerländer Notfallseelsorge
15.02.2008 11:38

Was passiert, wenn beispielsweise in einer Wohnung ein Mensch zusammenbricht und durch den herbeigerufenen Notarzt nicht mehr reanimiert werden kann? Einer solchen realistischen Einsatzszene stellten sich jetzt die etwa 50 Rettungskräfte, Notärzte, Notfallseelsorge und Bestatter beim 5. Siegerländer Tag der Notfallseelsorge im Ev. Gemeindehaus in Hilchenbach. Zu etwa 280 Sterbefällen mit unklarer Todesursache wird die Polizei jährlich gerufen. Dann greift ein Rädchen ins andere. Für alle Beteiligten, besonders aber für die Angehörigen, eine oft extrem belastende Situation.
Zunächst wird der Notarzt gerufen. Nicht immer rechtzeitig, wie Arnd Merten, Anästhesist im Jung-Stilling-Krankenhaus und einer der drei ärztlichen Leiter des Notfallrettungsdienstes im Kreis Siegen-Wittgenstein, aus Erfahrung berichtete. Er schilderte, wie Menschen reanimiert werden. Dabei muss kräftig zugepackt werden. Merten: „Dabei geht es unter Umständen „rustikal“ zur Sache. Ein solcher Einsatz ist für den Notarzt selbst schon schwierig. Wenn dann Angehörige entsprechend reagieren, macht dies eine solche Situation zusätzlich schwer.“ Die Todesursache ist für einen Notarzt in 99% der Fälle nicht ursächlich zu diagnostizieren. Dies bedeutet, der Leichnam darf bis zur Freigabe nicht transportiert werden. Die Polizei ist zu informieren. Für viele Angehörige ist dies ein zusätzlich schlimmer Moment. Kriminalhauptkommissar Rüdiger Koch und Kriminaloberkommissar Andreas Hartmann schildern den Verfahrenshergang aus Sicht der Kriminalpolizei, die die Todesermittlung durchführt, die Leiche gründlich untersucht, sie unter Umständen beschlagnahmt und eine Obduktion anordnet. Solche Situationen machen das Abschiednehmen der Angehörigen schwer. Rücksprachen mit der Polizei können aber auch in solchen Fällen Gelegenheiten zum Abschiednehmen eröffnen. Für die Polizei ist es wichtig, den Angehörigen zu erklären, warum bestimmte Verfahrensabläufe notwendig sind. Die Anwesenheit eines Notfallseelsorgers ist in solchen Fällen für die Angehörigen eine große Hilfe. Sie brauchen beispielsweise mit dem Verstorbenen nicht allein in der Wohnung zu sein. Die Seelsorgerin oder der Seelsorger ist da, wenn der Notarzt wieder fährt, oder wenn die Polizei vor dem Eintreffen des Bestatters den Einsatzort verlässt. Ob ein Notfallseelsorger eingeschaltet wird, entscheidet der Rettungsdienst, die Feuerwehr oder die Polizei am Einsatzort. Die ausgebildeten Seelsorger tun „alles, was den Angehörigen gut tut“, schildert Pfrn. Lara vom Orde, Leiterin der Notfallseelsorge im Kirchenkreis Siegen. Doch nicht nur für die Angehörigen sind die Notfallseelsorger da. Auch für die Rettungsdienste und die Polizei sind solche Einsätze oftmals Stress pur. Die Notfallseelsorger helfen auch den Einsatzkräften, die belastenden Situationen zu bewältigen. Zudem halten sie den Kontakt zu den Bestattungsunternehmen, um ein Abschiednehmen zu ermöglichen. Auch nach einem Einsatz können die Seelsorger Angehörigen weitere professionelle Unterstützung vermitteln.Bestatter Otto Henrik Giesler schilderte die Vorgaben des Bestattungsrechtes und die Aufgaben der Bestatter bei einer unklaren Todesursache. Ob und wie die Angehörigen am offenen Sarg Abschied nehmen können oder ob andere Möglichkeiten der Abschiednahme anzuraten sind, lässt sich mit dem Bestatter klären.

Nach den Vorträgen hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die unterschiedlichen Themen in Gesprächsgruppen zu vertiefen.Die Tagung endete mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Hilchenbacher Kirche.
kp

Text zum Bild: (Fotos Karlfried Petri)

Rettungsdienst, Polizei, Bestatter und Notfallseelsorger sind im Einsatz, wenn eine erfolglose Reanimation eine unklare Todesursache zur Folge hat. Im Hilchenbacher Ev. Gemeindehaus kamen sie miteinander ins Gespräch.

Arnd Merten, Anästhesist im Jung-Stilling-Krankenhaus und einer der drei ärztlichen Leiter des Notfallrettungsdienstes im Kreis Siegen-Wittgenstein, schilderte eindrücklich den Ablauf eines Einsatzes mit erfolgloser Reanimation aus Sicht des Notarztes.


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