Bookmark and Share

Kontakt    

Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Schranken der Resignation überwinden
Nachfrage nach Selbsthilfegruppen ungebrochen

Gabi Gaumann, Heike Tönnes und Erika Heinbach
22.04.2008 15:00
Es gibt kaum eine Erkrankung, zu der nicht schon eine Selbsthilfegruppe im Siegerland existiert oder zu der eine eingerichtet werden könnte. Anfragen zu Selbsthilfegruppen erreichen die Koordinierungsstellen im Siegerland fast täglich. Im vergangenen Jahr, so weist die Statistik der Fachkräfte aus, gab es 98 Anfragen zum Thema Depression, 53 zu Brustkrebs, 50 zu der Persönlichkeitsstörung Borderline. 49 Anrufende fragten nach einer Gruppe für Kinder psychisch kranker Eltern und ebenso viele nach einer Gruppe für Eltern suizidaler Kinder. Der Bedarf ist ungebrochen hoch, wissen Heike Tönnes und Erika Heinbach von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Kirchenkreises Siegen und Gabi Gaumann, Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen der Diakonie in Südwestfalen, die als Ansprechpartnerinnen rund um Selbsthilfe alle Hände voll zu tun haben: Planen, beraten, begleiten, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation von Schulungen oder Veranstaltungen ist ihr Tagesgeschäft. Im vergangenen Jahr haben über 2050 Menschen den Kontakt zu den Selbsthilfegruppen gesucht. Doppelt so viele Frauen wie Männer wandten sich an die beiden Einrichtungen. Die KISS in der EFL hat ihren Schwerpunkt auf psychosoziale Themen gesetzt, die Diakonieeinrichtung ist für körperlich Erkrankte zuständig. Anstatt zu resignieren, sich aufzugeben oder zu verzweifeln, bieten Selbsthilfegruppen den Betroffenen die Chance, selbst etwas zur Linderung ihrer Beschwerden oder zur Lösung ihres Problems beitragen zu können.

Für die Bevölkerung bieten die Koordinationsstellen immer wieder Fachvorträge an. Im vergangenen Jahr waren es 25 Veranstaltungen mit einem breiten Themenspektrum wie „Tinnitus – SOS im Innenohr“, „Patientenrechte“, oder „Milchzuckerunverträglichkeit“. Eine neue Erfahrung war die Informationsreihe im KrönchenCenter „Selbsthilfegruppen stellen sich vor“, eine Kooperation zwischen den Informations- und Kontaktstellen, den Selbsthilfegruppen und der VHS der Stadt Siegen.

Neun Selbsthilfegruppen wurden im vergangenen Jahr gegründet. Darunter je eine Selbsthilfegruppe für Nahrungsmittelunverträglichkeit, Depressionen, Kaufsucht und Zwangsstörungen. Zu den Themen Soziale Phobie, Angehörige von seelisch verletzten Menschen, Esssucht, Brustkrebs und Schlafstörungen werden derzeit neue Gruppen gegründet, zu denen sich Interessenten noch anmelden können. Insgesamt bestehen im Siegerland, Wittgenstein und Olpe rund 350 Selbsthilfegruppen zu 120 Krankheitsbildern.

In den Krankenhäusern der Diakonie besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Selbsthilfegruppen. So bietet Gabi Gaumann im Jung-Stilling-Krankenhaus zweimal wöchentlich den Patienten und den Pflegekräften Beratungen in Sachen Selbsthilfegruppen an. Das Brustzentrum beispielsweise ist sogar verpflichtet, mit den Selbsthilfegruppen zusammenzuarbeiten.

Eine neue Erfahrung war die Kooperation zwischen der KISS und Katharina Wangemann, Pfarrerin im Schuldienst am Berufskolleg. Hier wurde in Zusammenarbeit mit dem Cinestar-Kino in den höheren Klassen ein Kinofilm zum Thema Borderline-Störung gezeigt. Die medizinischen Informationen gab Dr. Christian Franzkoch, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Durch den Film, ärztliche Informationen und der ausführlichen Diskussion konnte den jungen Menschen diese zunehmende Persönlichkeitsstörung, ihre Entwicklung und Behandlung erläutert werden.

Bereits zweimal gab es auch eine Kooperation zwischen den Selbsthilfegruppen und dem Frauenreferat des Kirchenkreises Siegen. Zu einer spirituellen Wanderung zum Thema „Quellen“ nahm Pfr. Silke Panthöfer Teilnehmerinnen mit auf den Weg.

Zugenommen haben die Email-Kontakte jüngerer Menschen mit den Koordinierungsstellen. Anmeldungen zu Gruppen per Email werden von den Koordinierungsstellen allerdings nicht entgegengenommen. Erforderlich ist immer ein beratendes Telefongespräch. Welche Gruppe für den Ratsuchenden die geeignete ist, lässt sich oft nur im Gespräch abklären. Zu groß ist zudem die Gefahr, dass Menschen sich selbst einer Selbsthilfegruppe, beispielsweise für Krebserkrankte, zuordnen, ohne dass eine ärztliche Diagnose vorliegt. Außerdem kommt es immer wieder vor, dass nicht die Selbsthilfegruppe das geeignete Hilfsangebot ist. Hier profitieren die Koordinierungsstellen – und mit ihnen die Ratsuchenden – davon, dass sie über die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) und die Diakonischen Krankenhäuser in ein umfassendes Beratungs-Netzwerk eingebunden sind und einen Überblick über spezifische weitere Hilfsangebote haben. So finden Anrufende beispielsweise in der EFL eine kompetente spezifische Beratung, die sie ansonsten womöglich nicht gefunden hätten.

Text zum Bild: (Foto Karlfried Petri)
Die Fachkräfte der Kontakt- bzw. Koordinierungsstelle für die Selbsthilfegruppen helfen Erkrankten, Schranken der Resignation zu überwinden. Von links: Gabi Gaumann, Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen der Diakonie in Südwestfalen, Heike Tönnes und Erika Heinbach, Kontakt- und Informationsstelle der Ehe-Familien- und Lebensberatung des Kirchenkreises Siegen (EFL).

zurück zur Übersicht



Archiv:
2017 | 2016 | 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011 | 2010 2009 | 2008 | 2007 | 2006 | 2005 | 2004 | 2003