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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Sonderkreissynode Diakonie
Die diakonische Landschaft in Westfalen Pfr. Güntehr Barenhoff, hauptamtlicher Vorstand des neuen Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, in formiert auf der Diakoniesynode des Kirchenkreises Siegen

Pfr. Günther Barenhoff
19.09.2008 14:20
Pfr. Günther Barenhoff, hauptamtlicher Vorstand des neuen Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, nahm die Synodalen in seinem Vortrag gedanklich mit in die Entwicklung der Diakonie in Westfalen.
Von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart – das belegen auch alle aktuelle Umfragen und Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen – haben die diakonischen Aktivitäten das Ansehen und die Stellung der Kirche in der Gesellschaft gestärkt.
Dafür nannte er ein Beispiel aus den Anfängen der Diakonie im 18. Jahrhundert, dem Entstehen der Inneren Mission. Die vom Evangelium angetriebenen und bewegten Männer und Frauen hätten die neuen Nöte durch die aufkommende Industrialisierung - zum Beispiel die Not der Jugendlichen in den großen Städten – wahrgenommen. Die Vertreter der Verfassten Kirche seien damals offensichtlich nicht bereit und in der Lage gewesen, sich intensiv auch um diese neuen Nöte zu kümmern. Für Wichern zum Beispiel waren dies nicht nur äußere Nöte. Und da er sehr schnell erkannte, dass man die Botschaft des Evangeliums nicht vermitteln kann, wenn man die Not der Menschen nicht wirklich ernst nimmt, gründete er seine Aktivitäten außerhalb der Struktur der Verfassten Kirche.
In dieser Zeit entstand das bis heute an vielen Stellen noch praktizierte Modell des Vereinswesens.

Heute findet Diakonie im Wesentlichen in den großen diakonischen Unternehmungen, den kreiskirchlichen Diakonischen Werken und in der Gemeindediakonie statt. Alle diese Teile sind Mitglieder im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche von Westfalen, das laut Satzung die besondere Aufgabe hat, die Interessen dieser meist selbstständigen Rechtsträger zu vertreten gegenüber Politik, Öffentlichkeit, Kostenträgern und Ähnlichem und zugleich den Zusammenhalt aller Träger zum Zwecke einer einheitlichen Durchführung der gemeinsamen Aufgaben und gegenseitiger Unterstützung zu fördern.

Zu den großen traditionellen Unternehmungen der westfälischen Diakonie gehören: Die v. Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel, das Ev. Johanneswerk, die Diakonische Stiftung Wittekindshof, die Ev. Stiftung Volmarstein und das Ev. Perthes-Werk in Münster. Bei den kreiskirchlichen Diakonischen Werken hätten, so Barenhoff, in den letzten fünfzehn Jahren die größten Veränderungsprozesse stattgefunden. Viele der diakonischen Aufgaben, die früher wie selbstverständlich auch bis in die personelle Verantwortungsstruktur Aufgaben der Gemeinden waren, seien in den kreiskirchlichen Diakonischen Werken zusammengeführt worden. Heute sind alle kreiskirchlichen Diakonischen Werke – bis auf Lüdenscheid/Plettenberg – in einer selbstständigen Rechtsstruktur, überwiegend in der Vereinsstruktur organisiert.
Zunehmend bildeten sich größere Einheiten, die über die Kirchenkreise hinausgehen.
So haben sich zum Beispiel die Diakonischen Werke der Kirchenkreise Hamm, Unna, Soest und Arnsberg inzwischen zu einem Diakonischen Werk Ruhr-Hellweg zusammengeschlossen.

Die Gemeindediakonie bildet neben Kindergärten und Kindertagesstätten insbesondere das Feld der zahlreichen ehrenamtlichen Diakonie in Besuchsgruppen und Initiativen unterschiedlicher Art. Barenhoff: „Und wenn wir in der Diakonie oft sehr stolz von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden – auch in den beiden anderen Säulen, die ich bereits dargestellt habe, – sprechen, hier haben sie ihren Ort, ihre Prägung und in der Regel ihre Motivation für ihr Engagement gefunden.“

Für die Ursache der Veränderungsprozesse nennt der Diakonieexperte "Mehr Markt und Wettbewerb und Aufgabe des Selbstkostendeckungsprinzip". Alle diakonischen Träger, insbesondere die kreiskirchlichen Diakonischen Werke haben sich entschieden, ein möglichst breites Angebot diakonischer Dienstleistungen zu erbringen. Dies bringt veränderte Finanzierungen mit sich. Die kirchensteuerfinanzierten Aufgaben sind zurückgegangen.

Aus seiner Sicht stellt sich für die Mitglieder der Kreissynode und natürlich für die Mitglieder der beiden bestehenden Vereine sowie für die Organe der Diakonie in Südwestfalen folgende Herausforderung:
Im Kirchenkreis Siegen seien rechtlich – und das entspreche der Verfassungswirklichkeit in der Evangelischen Kirche – letztlich die Kirchengemeinden die Träger der Diakonie. Die seien sowohl Mitglieder im Krankenhausverein als auch Mitglieder im Diakonischen Werk und sie bilden zugleich die Gemeinschaft der Kirchengemeinden im Kirchenkreis.
Seine Vermutung und zum Teil auch Kenntnis sei, dass jeweils unterschiedliche Personen aus Kirchengemeinden diese im Krankenhausverein, in der Kreissynode und im Diakonischen Werk repräsentieren und vertreten. Daraus könnten Abstimmungsdefizite untereinander entstehen. Barenhoff vermutet, dass die einzelnen Personen eher von der Eigendynamik der jeweiligen unterschiedlichen Vereine und der Kreissynode stärker bestimmt werden und somit im Ergebnis das, was eigentlich rechtlich ganz eng zusammengehört, eher starke Tendenzen zur Verselbstständigung entwickelt hat.

Er sehe für die Synode und die Kirchengemeinden die Aufgabe, zu überlegen, welche diakonischen Aufgaben und Angebote in den Kirchengemeinden und im Kirchenkreis in Zukunft auftragsgemäß angeboten werden sollen und wie viele Kirchensteuermittel und Spenden für diese Aufgaben mit eingebracht werden sollen? Dann sei zu überlegen, welche Strukturen für die optimale Aufgabenwahrnehmung am ehesten geeignet seien und welche Personen zur Wahrnehmung des diakonischen Auftrages in Siegen ausgewählt würden. Barenhoff zitierte am Schluss den Landeskirchenrat Dr. Hans-Tjabert Conring mit den Worten: „Diakonie als Dimension der Kirche kann nicht auswandern, aber auch nicht allumfassend von der überwiegend ehrenamtlich verantworteten Organisationseinheit Kirchengemeinde geleistet werden. Kirchengemeinde ist die Keimzelle der Diakonie, dort wo sie an ihre Grenzen stößt, können andere kirchlich organisierte oder rechtlich verselbstständigte Träger diakonische Aufgaben wahrnehmen.
Auch große selbstständige Träger sind auf die gemeindliche Bodenhaftung und die dort ehrenamtlich verantwortete Initiativkraft angewiesen."
kp

Text zum Bild: (Foto: Karlfried Petri)
Pfarrer Günther Barenhoff, hauptamtlicher Vorstand des neuen Spitzenvereins Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, erläuterte, wie es zu den Vereinsstrukturen der Diakonie gekommen ist, welche Entwicklungstendenzen zu sehen sind und gab Kirchenkreis und Diakonie Ratschläge für die weiteren Überlegungen mit auf den Weg.

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