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Ev. Kirchenkreis Siegen - Nachrichten

Bei Gott bin ich geborgen
Pfarrerin Ingeborg Niediek in Ruhestand verabschiedet

Pfrn. Ingeborg Niediek
10.10.2008 10:38
Die Plätze in der Trinitatiskirche in Eiserfeld reichten nicht aus, als jetzt am Erntedanksonntag Pfarrerin Ingeborg Niediek nach 36 Dienstjahren in der Kirchengemeinde in den Ruhestand verabschiedet wurde. „Der Gottesdienst soll fröhlich sein“, so die Pfarrerin, „auch wenn es ein Abschied ist.“

In ihrer Abschiedspredigt über die Zeit verriet sie ihren Lieblingsvers der Bibel, der die Geborgenheit bei Gott zum Ausdruck bringt: Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben (Psalm 36, 8)!

In Enger in eine Kaufmannsfamilie hineingeboren, wuchs Ingeborg Niediek in Bielefeld in einer reformierten Kirchengemeinde auf. Nach ihrem Theologiestudium in Bethel, Tübingen, Heidelberg und Göttingen sowie dem ersten theologischen Examen absolvierte die Theologin von Oktober 1972 bis November 1974 bereits ihr Lehrvikariat und auch, nach dem zweiten theologischen Examen, ihren Hilfsdienst (heute Entsendungsdienst) in Eiserfeld. Damals hat sie sich nicht vorstellen können, auch in derselben Gemeinde ihren Abschiedsgottesdienst zu erleben. Am 15. Dezember 1974 wurde sie durch Synodalassessor Günther Albrecht ordiniert und am 14. Dezember 1975 durch Superintendent Ernst Dilthey als Nachfolgerin von Ewald Mandler in die zweite Pfarrstelle in Eiserfeld eingeführt. Eine Frau in ein Pfarramt zu wählen, kam damals in Eiserfeld fast einer Revolution gleich. So etwas gab es bis dahin im Kirchenkreis Siegen nicht. Doch die Eiserfelder wussten was sie taten. Vier Jahre lang hatten sie Ingeborg Niediek kennen und schätzen lernen können. Umgekehrt war der Pfarrerin die reformierte Prägung der Gemeinde wichtig. In 36 Jahren hat Ingeborg Niediek in Eiserfeld Spuren hinterlassen. Da war sich Superintendentin Annette Kurschus sicher. Sichtbare Spuren aber auch unsichtbare in den Köpfen und Herzen der Menschen. Die Superintendentin selbst hat die scheidende Pfarrerin während ihrer eigenen Vikariatszeit in Eiserfeld als souveräne Pfarrerin erlebt. Auch nach der Verabschiedung bleibt Ingeborg Niediek ordinierte Pfarrerin. Sie darf predigen, Taufen und das Abendmahl austeilen. Von den Pflichten in der Gemeinde ist sie jedoch entbunden.

Persönlich wurden die Abschiedsworte ihres Pfarrkollegen Christoph Meyer, der ein Grußwort im Namen der Kirchengemeinde sprach. In so mancher Unterhaltung hätten ihm die Menschen in Eiserfeld von Begegnungen, Gesprächen oder Krankenbesuchen der Pfarrerin erzählt. In den letzten Monaten habe man sich immer in Verbundenheit und Dankbarkeit auch nach dem gesundheitlichen Befinden der erkrankten Pfarrerin erkundigt. Die Ökumene vor Ort und weltweit sei ihr ein Anliegen gewesen. Den Kontakt zur katholischen Gemeinde in Eiserfeld habe sie gesucht und das gute Verhältnis zu den katholischen Christen sehr geprägt. Das gute Miteinander der Frauenarbeit beider Gemeinden sei unter ihrer Leitung geprägt worden. Sie habe in der Laienspielgruppe der katholischen Frauen mitgespielt und dort ihrer Schauspielkunst Ausdruck geben können. Den Humor der eher ernst wirkenden Pfarrerin habe so manchen verblüfft. Das traute man ihr nicht zu.
Schwerpunkt ihrer Arbeit in Eiserfeld waren vor allem Seelsorge, Predigtdienst, die Leitung und Begleitung von Frauengruppen und der kirchliche Unterricht. Die Kindergartenarbeit, vor allem die Arbeit im Kindergarten Eiserntalstraße, lag Ingeborg Niediek besonders am Herzen. Viele Gottesdienste hat sie mit den Kindern, den Mitarbeitenden und den Eltern vorbereitet und gefeiert. Im Vorstand des Bezirksverbandes der Siegerländer Frauenhilfe hat sie eine Zeit lang ebenso mitgearbeitet wie im Vorstand der Ev. Frauenhilfe von Westfalen. Auf Landeskirchenebene hat sie in den 90er Jahren an Kirchenkreisvisitationen teilgenommen. Sie war Mitglied im Beirat des landeskirchlichen Frauenreferates. Im Kirchenkreis war sie einige Jahre stellvertretendes Mitglied des Kreissynodalvorstandes und im Finanzausschuss des Kirchenkreises hat sie von 2000 bis 2008 mitgearbeitet.

Den Menschen das Evangelium von der Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes nahe zu bringen, war immer ihr Anliegen. Die reformierte Theologie mit ihrer Ehrfurcht vor der Heiligkeit Gottes, der die sündigen Menschen – die Pfarrerinnen und Pfarrer eingeschlossen – erwählt hat in Jesus Christus hat sie geprägt. Beeindruckend und zugleich ein Zeugnis gelebten Glaubens sei für viele, so Pfr. Meyer, wie sie mit ihrer schweren Krankheit umgehe. So manche Gottesdienstbesucher konnten sich Tränen nicht verkneifen. Der Pfarrerin steht nach einem anstehenden weiteren Krankenhausaufenthalt der Umzug nach Neunkirchen bevor, wo sie ihren am 31. Oktober beginnenden Ruhestand gestalten wird.
kp

Text zum Bild: (Foto: Karlfried Petri)
Nach 36 Dienstjahren wurde Pfarrerin Ingeborg Niediek jetzt in der Kirchengemeinde Eiserfeld verabschiedet. Es dauerte lange, bis die Pfarrerin nach dem Gottesdienst die Kirche verlassen konnte. Schier endlos lang war die Reihe der Gemeindeglieder, die sich persönlich von ihrer Seelsorgerin verabschiedeten.

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